Werkzeugkoffer im Test

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
Hazet 953HP
192,42 EUR
sehr gut
2.
Vigor V1706N
113,65 EUR
sehr gut
3.
Kunzer 71225
114,99 EUR
sehr gut
4.
Gedore R9003024
65,32 EUR
gut
5.
Wera 8100 SC6
123,78 EUR
gut
6.
Proxxon 23000
64,93 EUR
gut
7.
Stahlwille 52/16/6 KN
234,07 EUR
befriedigend

Die erste dicke Überraschung im Werkzeugkoffer-Test 2020: Werkzeugkästen mit viel Inhalt sind oftmals preiswerter als Basis-Ausstattungen. Nicht nur relativ, auch absolut. Bestes Beispiel: die Nobelmarke Hazet. Das Set mit 47 Teilen kostet knapp 200 Euro, die Knarre einzeln schon 55. Muss Werkzeug so teuer sein? Oder tgeht es auch günstiger? Das wollte AUTO BILD genau wissen und hat 14 Steckschlüsselsätze mit Halbzoll-Antrieb getestet. Auf Biegen und Brechen.

Sieger des AUTO BILD-Werkzeugkoffer-Tests: Hazet 953HP

Hazet 953HP
953HP
Hazet
953HP

sehr gut

  • Hohe Qualität
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Top-Knarre
Preis 192,42 €

Testsieger mit der Bestnote "sehr gut" wurde das Werkzeugset 953HP von Hersteller Hazet – mit einem Preis von fast 200 Euro ist er aber auch der zweitteuerste Werkzeugsatz im Test. Der Preis zahlt sich allerdings aus: Man bekommt Werkzeug in höchster Qualität und eine hochwertige High-End-Knarre. Die ist ein Wunderwerk der Technik, besitzt 90 Zähne. Bedeutet: Der Rückholwinkel beträgt nur vier Grad, gut beim Schrauben in enger Umgebung. Absolute Spitze: 1000 Newtonmeter (Nm) Belastbarkeit. Zumindest theoretisch, bei uns begann sich bei 690 Nm der Griff zu biegen. Die Norm verlangt nur 512 Nm, Soll übererfüllt. Da können die günstigeren Sets – auch der Preis-Leistungssieger – nicht mithalten. Im Test hat der Hazet 953HP 90 von 100 Punkten erreicht und erhielt die Note sehr gut.

Preis-Leistungs-Sieger Louis Rothewald Louis 80 Edition

Produkttest Louis Rothewald Louis 80 Edition
Louis 80 Edition
Louis Rothewald
Louis 80 Edition

sehr gut

  • gute Knarre
  • angenehmer Griff
  • bester Gegenwert fürs Geld
Preis 29,99 €

Der Werkzeugkoffer von Louis Rothewald sieht aus wie wie die Exemplare von Tectake und KS-Tools – mit einem entscheidenden Unterschied: er hat eine viel bessere Knarre. So bietet der Louis 80 Edition den besten Gegenwert fürs Geld. Im Test hat der Louis Rothewald Louis 80 Edition 85 von 100 Punkten erreicht und erhielt die Note sehr gut.

So hat AUTO BILD getestet

Der Test erfolgte in Anlehnung an die DIN 3122, durchgeführt von AUTO BILD in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift "Auto Motor Zubehör" (AMZ) und deren Werkzeugexperten Jens Meyer. Zum Einsatz kamen keine genormten und geeichten Prüfgeräte, sondern handelsübliche Hilfsmittel wie eine Kranwaage. Die Abweichung wird mit +/- einem Prozent angegeben, die Ablesegenauigkeit betrug ein Newton – entspricht etwa 100 Gramm.
Werkzeugkoffer
Griffabzugstest: Hier ziehen wir mit bis zu 500 Newton am Griffgummi, der dabei nicht abrutschen darf.

Damit zogen wir mithilfe eines Abziehers exakt rechtwinklig an einer auf den Ratschengriff gesteckten, auf genau einen Meter abgemessenen Verlängerung, ermittelten so Newton mal Meter. Der Knarren-Vierkant steckte in einem auf Maß gefeilten Loch eines Doppel-T-Trägers. Für den Griffabzugstest wiederum lag die Zugrichtung in Grifflinie. Und zum Abschluss badeten alle Griffe mit den Gummis nach unten acht Stunden in Super-Plus-Benzin, das wegen hohen Aromatengehalts besonders aggressiv auf Kunststoffe wirkt.

Die Testergebnisse im Überblick

Preislich und qualitativ am unteren Ende ist das Werkzeug von Blackspur. Klar, für 13 Euro darf man nicht viel erwarten. Zumindest aber eine Verchromung, die nicht so scharfkantig abblättert, dass man sich damit rasieren könnte. Doch wie viel muss man nun wirklich anlegen für brauchbares Werkzeug? Antwort: 30 Euro für den 80-Jahre-Edition-Koffer des Motorrad-Versandhändler Louis. Die schlechte Nachricht: Das Werkzeug-Set war lediglich im Frühjahr 2020 erhältlich. Eine günstige Alternative mit der Note "gut" im Test: Der Proxxon 23000 Werkzeugkoffer für rund 65 Euro.
Werkzeugkoffer
Testvorrichtung: Die Spindel des Abziehers bringt die Zugkraft auf. Die Verlängerung beträgt einen Meter.
Der dritte Kasten, der beeindrucken konnte, stammt von der Matthies-Hausmarke JMP. Sein Inhalt wirkt unzerstörbar, die Ratsche gab unserer selbstgebauten Prüfeinrichtung den Rest. Profiqualität für nur 59 Euro. Nicht beurteilt haben wir hingegen die in vielen Kästen mitgelieferten Viertelzoll-Sätze und Massen von Bits. Nette Dreingaben, aber uns ging es um den wichtigen Halbzoll-Inhalt. Etwas unter Wert geschlagen: Wera. Deren geniale Zyklop-Knarre, die sich auch wie ein Schraubendreher nutzen lässt, verliert nur wegen ihres raumgreifenden Kopfes den Anschluss zu den vorderen Plätzen. Enttäuschend: die etablierten Marken Sonic, Proxxon, Stahlwille und KS-Tools, die viele Punkte wegen ihrer minderwertigen Knarren liegen lassen.
Werkzeugkoffer - KS-Tools BT023094
Viel Gummi, wenig Metall: Der Griff von KS-Tools brach bei 470 Nm schlagartig.
Spektakulärster Ausfall war der Bruch des Knarren-Griffs bei KS-Tools, dessen Trümmer uns im wahrsten Sinne um die Ohren flogen. Überraschend auch, dass ausgerechnet an der Knarre aus dem teuersten Kasten – von Stahlwille – der Ratschenmechanismus brach, wenn auch erst weit jenseits der Normanforderungen. Das Gleiche passierte ebenfalls den Werkzeugen von Tectake und Sotech, wobei Tectake wie Stahlwille mit gebrochener Verriegelung ausfiel; Sotech hingegen mit einem abgescherten Zahn des Ratschenrades. Viermal waren die Griffe nach den Versuchen leicht verbogen, jedoch ohne dass dies einen Einfluss auf die weitere Verwendung gehabt hätte.
Bei der China-Ware von Blackspur theoretisch auch, allerdings passte dieser nach dem Test nicht mehr in seinen Koffer. Auch die 13er-Nuss überlebte den Drehmoment-Versuch mit 150 Nm nur knapp, ihr Material begann dabei zu fließen. Problem an vier Produkten: Ihr Griffgummi begann zu zerquetschen. Und einen Schaden hat auch die Matthies-Knarre verursacht: Bei 720 Nm begann sie, unseren als Anker für die Knarren hergestellten Doppel-T-Träger zu verdrehen – trotz zusätzlich aufgeschweißter Verstärkungen.
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Werkzeugkoffer-Test (2020): Vergleich - Info

14 Werkzeugkoffer im Vergleich


Fazit zum Werkzeugkoffer-Test

Darauf hätten die Tester nicht gewettet: Obwohl die Grenzen der Norm bewusst überschritten wurden, gab es relativ wenig Bruch. Nur drei Knarren gaben vor Erreichen der geforderten 512 Nm auf, nur eine davon mit einem großen Knall. Und: Gutes Werkzeug für Preisbewusste gibt es manchmal schon für 30 Euro. Echte Liebhaber werden sich damit aber nicht zufriedengeben, sie vermissen daran den samtigen Lauf einer Hazet-Knarre oder die zahlreichen Verstellmöglichkeiten eines Wera Zyklop. Der Markt bedient beide.