Ferrari Testarossa

Ferrari Testarossa

— 24.11.2010

Der König der Straße

AUTO BILD-Archiv-Artikel 11/1986: Wer mit der Krone italienischer Autobaukunst fährt, fühlt sich selbst fast wie geadelt. Das ging auch dem Auto Bild-Chefredakteur im Ferrari Testarossa nicht anders.

In Italien war ich der King auf den Straßen. Überall, wo der Ferrari Testarossa auftauchte, verwandelte er die Menschen – ob sie nun irgendwo im Auto saßen oder zu Fuß gingen. "Che bellezza!" – "Welch eine Schönheit!" riefen selbst ältere Herrschaften der flachen, roten Flunder nach. So wie einst die Lollo zur "Gina Nazionale" wurde, so haben sie in Italien die Renner aus Maranello zum "Ferrari Nazionale" erhoben, zum Nationalheiligtum. Als ich durch die verschlafenen sizilianischen Dörfer zwischen Enna und Caltanissetta fuhr, wo die Bevölkerung zur Mittagssiesta auf den Treppenstufen vor den Häusern saß, schaltete ich kurz in den zweiten Gang zurück.

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Der Zwölfzylinder-Motor bellte los. Die Schallwellen des 390-PS-Triebwerks brachen sich mit Getöse an den engen Häuserwänden – und die Leute klatschten Beifall. In den Großstädten Catania und Messina hörte schlagartig das rüde Gerangel um die besten Startplätze an Ampel und Kreuzungen auf, sobald nur der rote Testarossa im Rückspiegel auftauchte. Sie drängten sich eilfertig beiseite, um Platz zu machen, als käme ein Mafia-Boss daher. Als ich mal eben für 100.000 Lire (150 Mark) 72 Liter nachtankte, war der Testarossa im Nu umringt. Anfangs standen sie verlegen mit zehn Schritten Abstand im Kreis herum, etwa so ehrfürchtig wie in Indien, wo ein wilder Tiger endlich erlegt worden ist.

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Dann rückten sie immer dichter heran, bis sie schließlich das automobile Lustobjekt für den Barpreis von 223.000 Mark in Beschlag legten. Ich musste die große Heckklappe öffnen. Und sie stöhnten auf, als sie die "Bellissima Macchina" (die tolle Maschine) vor sich sahen: den ziemlich flachen V12 mit der riesigen Beatmungsanlage darüber, die für einen auffälligen riesigen roten Buckel hinter der Heckscheibe sorgt. Sie nötigten mich, den Motor mal eben anzulassen und horchten verzückt, wie er im Leerlauf vor sich hinbrabbelte. Der Testarossa ist, fürwahr, ein Traumauto wie es nur wenige gibt. Die Gefühle, die er auslöst – beim Fahrer und Betrachter – schwemmen schnell alles weg, was vernünftig ist.

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