Lada lebt

Lada Nova 1.6i Lada Nova 1.6i

Lada lebt

— 26.06.2009

Der Lada Nova kehrt zurück

Uralt-Modell als Neuwagen: Vor 13 Jahren verschwand der kantige Russen-Klassiker vom deutschen Markt. Jetzt ist er wieder zu haben – als Grauimport. Für nur 6999 Euro.

Es war im Jahr 1996, als er in Deutschland abtrat. Als hoffnungslos veraltetes Relikt einer ewig gestrigen Auto-Kultur. Verhöhnt, rücksichtslos verbraucht und entsorgt, schnell vergessen. Lada Nova ... war da nicht mal was? Allerdings, es war was. Und ist nach wie vor. In Togliatti an der Wolga, der weltweit größten Autofabrik, wird der Ur-Lada noch immer gebaut – in größeren Stückzahlen als seine leidlich moderneren Brüder. Einzige Neuerung: Seit Russland 2005 die Euro-2-Norm einführte, ist eine Multipoint-Einspritzung von Bosch Standard. Das wusste auch Slawa Beier, als er seine leicht verrückte Idee gebar: Mit dieser Technik, so der Spätaussiedler aus Kasachstan, müsste sich Euro 4 erzielen lassen – Bedingung für eine Renaissance in Deutschland.

Die Skepsis ist verständlich

Nur für Fans, die es herzhaft lieben: rustikales Armaturenbrett und schwergängige Lenkung.

Beier ist Autoverkäufer bei der Firma Car Wash Point in Niederlangen, Emsland. Einer Waschanlage mit angeschlossenem Autohandel. Er importiert einen Nova-Neuwagen, macht sich gemeinsam mit seinem jungen, gewieften Kfz-Meister David Schulte an die Arbeit. Jetzt liegt, zum Erstaunen vieler Experten, das Resultat vor: ein Oldtimer mit aktueller deutscher Zulassung – als praktisch billigster Neuwagen überhaupt. Ab 6999 Euro kostet die Ostkutsche. Ob sie das wert ist? Mal so gesagt: Ein 2003er Golf fürs gleiche Geld fährt sicherer, wohl auch zuverlässiger. "Aber kommt es einzig darauf an?", fragt Christian Gooßen. Die Skepsis ist verständlich. Denn der Sportwissenschaftler aus Borken ist nebenbei Technik-Referent des deutschen Lada-Clubs (lada-welt.de).

Der Oldie-Fahrspaß ist noch immer voll da

Vorsichtig modernisiert: Den Vierender krönt jetzt ein Multipoint-Management.

Wir treffen ihn bei der feierlichen Präsentation des Euro-4-Nova beim Car Wash Point. Was liegt näher, als dass der Fachmann den neuen Alten für uns testet? Zunächst lobt Gooßen die Verarbeitung. Die sei klar besser als in den 90ern. Außerdem habe die Bosch-Elektronik nicht den klassisch-herzhaften Motorlauf kastriert, sagt er erfreut: "Der kernige Sound ist noch genauso da wie der flotte Antritt." Knackige Fünfgangschaltung, rustikales Fahrwerk – "ja, exakt so muss sich der Oldie anfühlen", meint der Lada-Fan. Wir sind da kritischer. Die servolose Lenkung wehrt sich standhaft gegen kräftiges Kurbeln, die Billigst-Verkleidungen verraten die Herkunft des Wagens genauso wie scheppernde Türen. Eines aber geben wir gern zu: Der Oldie-Fahrspaß ist noch immer voll da. Wie auch die Nachfrage nach dem werksfrischen Veteranen: Fünf Bestellungen hat Slawa Beier am Ende des Tages im Sack. Was Lada-Kenner Gooßen kaum überrascht. Uns hingegen schon – wie vieles am 2009er Lada Nova. Schade nur, dass wir für dieses liebenswerte Angebot etwas zu vernünftig sind ...
Technische Daten Lada Nova 1.6i
Motor Vierzylinder, vorn längs
Ventile Zwei pro Zylinder
Hubraum 1568 cm³
Leistung 53 kW (72 PS) bei 5600/min
max. Drehmoment 120 Nm bei 3000/min
Antrieb Hinterrad
Getriebe Fünfgang
Bremsen Scheiben vorn, Trommeln hinten
Reifen 175/70 R 13
Länge/Breite/Höhe 4130/1620/1445 mm
Radstand 2425 mm
Leergewicht 1020 kg
Kofferraumvolumen 385 l
Tankinhalt 39 Liter
Spitze 155 km/h
0–100 km/h in 16,5 s
Verbrauch EU-Mix 8,5 l Normal

CO2 197 g/km
Preis 6999 Euro

Vom Fiat 124 zum Lada Nova

Am 1. April 1966 debütiert der Fiat 124 als Nachfolger des 1300. Gleichzeitig hilft Fiat der Sowjetunion beim Aufbau der staatlichen Autofabrik Awtowas. Am 22. April 1970 (Lenins 100. Geburtstag) läuft die Vorserie des 124-Lizenzbaus Shiguli 2101 an. Entgegen dem Fiat-Vorbild hat der 60-PS-Motor eine oben liegende Nockenwelle. Ab 1971 wird der 2101 in den Westen exportiert – als Lada 1200. Anfang 1973 kommt der Lada 1500 (Shiguli 2103) mit Doppelscheinwerfern und 75 PS dazu, 1974 der Lada 1300. Derweil wird das Vorbild Fiat 124 vom 131 Mirafiori abgelöst. 1980 folgt der Nova (Typ 2105) mit Rechteck-Scheinwerfern dem 1500 – und bleibt bis heute außen unverändert. 1986 läuft der 1200 mit Rundscheinwerfern aus. Insgesamt wurden bislang fast 20 Millionen Shiguli/Lada in klassischer Form gebaut. Seit Juni 2009 ist der Nova wieder bei uns erhältlich (carwashpoint.de).
Autor:

Wolfgang Blaube

Fazit

Ein Auto für Klassiker-Fans, denen der Mut zum Oldtimer fehlt: Das sagen wir. Die keine Lust zum Restaurieren haben, ergänzt Lada-Spezialist Christian Gooßen. So oder so: Wer auf jegliche Moderne verzichten kann und hart im Nehmen ist, wird den Nova womöglich mögen. Wobei ein etwas skurriler Geschmack und Risikofreude nicht schaden.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.