Mercedes 560 SEL: Test
122.094 Mark für ein neues Leben

AUTO BILD Archiv-Artikel 7/1987: Majestäten, Staatsmänner und Popstars – sie alle lassen sich im Mercedes 560 SEL chauffieren. AUTO BILD beschreibt die teuerste deutsche Serienlimousine von der Rückbank aus.
- Tomas Hirschberger
Darf ich bitten, mein Herr?" fragte der graumelierte Herr, knallte die Hacken der auf Hochglanz polierten Halbschuhe zusammen und öffnete den hinteren Wagenschlag des Mercedes 560 SEL. AUTO BILD-Chefredakteur Peter J.Glodschey als Chauffeur einer der teuersten Serienlimousinen der Welt – das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Wir spielen "Ball paradox", für einen Tag bestimme ich, wo's langgeht. Noch schnell ein paar Blicke der staunenden Passanten inhaliert, und dann nichts wie rein ins Traumschiff. Die schwere Wagentür fällt hinter mir ins Schloss wie eine Zugbrücke. Die Sorgen des Alltags bleiben draußen.
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Sich für ein paar Stunden im Luxus lümmeln dürfen. Ein paar Kilometer für den letzten Enkel von Rockefeller gehalten werden. Ich sitze. Falsch. Ich throne. Meine Augen wandern genüsslich durch den Innenraum. So sieht also die automobile Welt der oberen Zehntausend aus. Erlesenes Wurzelholz, Schalter, Hebel und eine gewienerte Mittelkonsole, die der Befehlszentrale eines Raumschiffs gleicht. Kurzum: eine fahrende Chefetage. Von diesem Sitz werden Konzerne geleitet, Aktienpakete geschnürt und Chefredakteure dirigiert: "James, wir können." Zur Rennwoche nach Baden-Baden, zum Diner ins Elsass oder lieber gleich zum Zocken nach Monte Carlo?
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Ach, eigentlich ist's mir egal, wohin die Reise geht. Auf Kommando wandert der lederbezogene Schalthebel der Viergangautomatik über die mattschwarze Schaltkulisse. Bei D wie Drive (Fahren) rastet er ein. Fast unmerklich, wie ein Ozeanriese, der vom Kai ablegt, setzt sich der nahezu zwei Tonnen schwere Daimler in Bewegung. Im hinteren Chefabteil ist lediglich ein zurückhaltendes, sonores Flüstern des Achtzylinder-Triebwerks zu vernehmen. "Geht's nicht ein wenig flotter?" Chauffeur Glodschey tritt das Gaspedal kurz bis zum Anschlag. Die Sänfte aus Untertürkheim zeigt, dass sie unter ihrem eher biederen Blechkleid heißblütiges Temperament verbirgt.
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