Mercedes 560 SEL

Mercedes 560 SEL: Test

— 17.02.2011

122.094 Mark für ein neues Leben

AUTO BILD Archiv-Artikel 7/1987: Majestäten, Staatsmänner und Pop­stars – sie alle lassen sich im Mercedes 560 SEL chauffieren. AUTO BILD be­schreibt die teuerste deutsche Serien­limousine von der Rückbank aus.

Darf ich bitten, mein Herr?" fragte der graumelierte Herr, knallte die Hac­ken der auf Hochglanz polierten Halbschuhe zusammen und öffnete den hinteren Wagenschlag des Mercedes 560 SEL. AUTO BILD-Chefredakteur Peter J.Glodschey als Chauffeur einer der teuer­sten Serienlimousinen der Welt – das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Wir spielen "Ball paradox", für einen Tag bestimme ich, wo's langgeht. Noch schnell ein paar Blicke der stau­nenden Passanten inhaliert, und dann nichts wie rein ins Traumschiff. Die schwe­re Wagentür fällt hinter mir ins Schloss wie eine Zugbrücke. Die Sorgen des Alltags bleiben draußen.

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Sich für ein paar Stunden im Luxus lümmeln dürfen. Ein paar Kilo­meter für den letzten Enkel von Rockefel­ler gehalten werden. Ich sitze. Falsch. Ich throne. Meine Augen wandern genüsslich durch den In­nenraum. So sieht also die automobile Welt der oberen Zehntausend aus. Erlese­nes Wurzelholz, Schalter, Hebel und eine gewienerte Mittelkonsole, die der Befehls­zentrale eines Raumschiffs gleicht. Kurz­um: eine fahrende Chefetage. Von diesem Sitz werden Konzerne geleitet, Aktienpa­kete geschnürt und Chefredakteure diri­giert: "James, wir können." Zur Rennwoche nach Baden-Baden, zum Diner ins Elsass oder lieber gleich zum Zocken nach Monte Carlo?

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Ach, eigentlich ist's mir egal, wohin die Reise geht. Auf Kommando wandert der lederbezogene Schalthebel der Viergangautomatik über die mattschwarze Schaltkulisse. Bei D wie Drive (Fahren) rastet er ein. Fast unmerk­lich, wie ein Ozeanriese, der vom Kai ablegt, setzt sich der nahezu zwei Tonnen schwere Daimler in Bewegung. Im hinte­ren Chefabteil ist lediglich ein zurückhal­tendes, sonores Flüstern des Achtzylinder-Triebwerks zu vernehmen. "Geht's nicht ein wenig flotter?" Chauf­feur Glodschey tritt das Gaspedal kurz bis zum Anschlag. Die Sänfte aus Untertürk­heim zeigt, dass sie unter ihrem eher biederen Blechkleid heißblütiges Tempe­rament verbirgt.

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Autor: Tomas Hirschberger

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