Gegenüber seinem Vorgänger gradliniger und weniger amerikanisch gestaltet, punktet der Nachfolger des P1 mit zeitloser Eleganz. Die Erinnerungen sind gut an den Opel Rekord P2, der kein Käfer war und trotzdem lief und lief.
Diether Rodatz
Ältere Semester, denen die Kaltstarthilfe Choke noch etwas sagt, erinnern sich wehmütig an Winterzeiten. "Schock" (so nannte ihn der Volksmund) gezogen, Schlüssel gedreht. Die damals üblichen Sechs-Volt-Starter reagierten meist mit schneller Kälte-Kapitulation. Ijuh, iijuh, iiijuh – keuchten die Anlasser nach eiskalten Nächten. Und wo sogar Fiat-Fahrer (mit Zwölf-Volt-Netz!) lange aufgegeben hatten, da erwachten Opel-Motoren mit dem anscheinend allerletzten Zündfunken zum Leben. Spätestens hier muss der Spruch "Opel, der Zuverlässige" erfunden worden sein. Der Rekord P2 weckt sofort solche Erinnerungen. Trotz frühlingshafter Temperaturen. Da ist sie: Die nach dem Anspringen aus dem Vorderwagen tönende, unverkennbare Mischung von Mechanik- und Verbrennungs-Geräuschen, die ab Tempo 100 jede Unterhaltung gefährdet.
Zu schnelle Drehs an der Lenkung erwidert die weich gefederte Karosserie mit Schaukelbewegungen.
Bild: Sven Krieger
Neben dem Gasfuß jaulen die Zahnflanken des Dreiganggetriebes – das sich prima schalten lässt. Auch die Lenkung arbeitet präzise. Zu schnelle Drehs erwidert die soft gefederte Karosserie jedoch mit schaukeligen Lowrider-Hüben. Besinnen wir uns also wieder aufs Reisen. Denn als noch die Käfer mit maximal 34 PS die Straßen dominierten, da war so ein Rekord mit 50 PS ganz weit vorn. Wenngleich auch er schon an leichten Steigungen zu ächzen beginnt. Also griffen Vielfahrer zum 1,7-Liter, der zwar nur fünf oder zehn PS mehr leistet, aber viel mehr Drehmoment entwickelt. Bis zum 100 PS starken Rekord A L6 sollen nur drei Jahre vergehen. Ältere Semester erinnern sich gut an den sensationellen Sport-Rekord. Und an den P2, der kein Käfer war und trotzdem lief und lief und lief.
Die übersichtliche Karosserie macht Parken zur Freude. Chrom, wohin das Auge blickt. Wo es selten hinschaut, da regiert zeitgenössisch schlichte Technik – die bis heute als unverwüstlich gilt. Ein wahrer Oldtimer.