Pro und Kontra: Braucht Kulturgut viel Geld?

Pro und Kontra: Braucht Kulturgut viel Geld?

— 04.12.2013

Oldtimer – ein Hobby nur für Wohlhabende?

Einen Old- oder Youngtimer zu erhalten kostet Geld. Sollten es deswegen nur Zeitgenossen mit dickem Konto tun? Zwei AUTO BILD-Redakteure streiten darum – und fragen nach Ihrer Meinung.

DEUVET-Präsident Peter Schneider sagt es deutlich: "Ein Auto, das zum Oldtimer reifen soll, aber im Alltag benutzt wird, ist gleichbedeutend damit, dass nicht die finanziellen Mittel vorhanden sind, um das Fahrzeug in diesem Zustand zu erhalten." Fakt ist: Laut der Deutschen Automobil-Treuhand geben Oldtimer-Besitzer pro Jahr im Schnitt 1437 Euro für Wartung und Reparaturen aus, Youngtimer-Besitzer nur 205 Euro. Aber warum? Weil die Youngtimer weniger Kosten verursachen? Weil die Besitzer weniger Geld haben? Oder gar weil sie geizig sind? Da gibt es genug Stoff für Diskussionen.

"Ein Klassiker kostet Geld – sonst wird er zum Gebrauchten"

Stefan Voswinkel, Redakteur: Klar, zunächst hört es sich hart an, was Deuvet-Präsident Peter Schneider sagt. Aber mal ganz ehrlich: Natürlich hat er recht. Auto fahren kostet nun mal Geld – und einen Young- oder Oldtimer zu erhalten noch viel mehr. Schließlich wurden Autos damals nicht so haltbar konstruiert wie moderne Pkw heute. Rostschutz war häufig ein Fremdwort und Inspektionen öfter fällig. Wer also einen Klassiker im Alltag nutzt, muss mit hohen Unterhaltskosten rechnen. Zumal Ersatzteile – wenn sie denn verfügbar sind – meist ebenso heftig ins Geld gehen wie die Preise für Werkstätten, die sich mit solchen Autos auskennen. Ich habe in meinem Bekanntenkreis zahlreiche Leute, die sich hier verspekuliert haben und von den günstigen Versicherungstarifen und niedriger Steuereinstufung haben blenden lassen. Die Folge: Ihre Autos gammeln nach einigen Wintern vor sich hin, weil für eine Blechreparatur kein Geld vorhanden ist. Durch UV -Einstrahlung im Sommer sind Armaturenbretter gerissen, Sitze verschlissen. Sie ahnen es: für Ersatz natürlich keine Kohle. Ganz ehrlich: So verkommt jedes Auto, das eigentlich das Potenzial zum Klassiker der Zukunft hätte, schlicht zu einem schnöden Gebrauchtwagen – und reift sicher nicht zu automobilem Kulturgut.

"Klassiker dürfen kein Hobby für Reiche werden"

Frank B. Meyer, stellv. Chefredakteur: Leute, die nichts von Oldtimern verstehen, pflegen zwei falsche Klischees. Die einen glauben: Reiche Angeber kaufen Chromschlitten und verdienen noch daran, weil sie ja so eine tolle Wertanlage sind. Die anderen glauben: Cool, ich hol mir einen Oldie und fahre praktisch umsonst, ohne Steuern, Versicherung und Wertverlust. Beides ist Quatsch. Einen Klassiker zu fahren kostet Geld. 191 Euro Oldtimer-Steuern sind kein Pappenstiel, und für ein Alltagsauto, egal wie alt, gibt es keine Klassiker-Police. Viel teurer aber sind Reparaturen. Die wenigsten Autos legen so im Wert zu, dass sie alle Kosten auffangen. Heißt das, dass Normalverdiener die Finger von Young- und Oldtimern lassen sollen, wie Peter Schneider andeutet (siehe Text oben)? Im Gegenteil! Wenn reiche Knöppe ihre feinen Coupés und Cabrios hirnlos überrestaurieren lassen und in Garagen verstecken, wem nützt das? Dem Erhalt von technischem Kulturgut kaum. Kulturgut, das ist erstens die ganze Bandbreite vom Subaru Justy bis zum Ferrari 250 GTO. Zweitens muss Kulturgut sichtbar sein, auf der Straße, nicht nur sonntags. Drittens ist Kulturgut für alle da. Einem Studenten den Youngtimer zu missgönnen, ist so widerlich, wie einem Hartz-IV-Kind die Geige wegzunehmen.

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