Der Dachverband der Oldtimerklubs hat eine große Zeit hinter sich – ob er große Zeiten auch vor sich hat, weiß heute niemand. Zwei Redakteure sind da unterschiedlich optimistisch. Und was ist Ihre Meinung?
Rund 260.000 Oldtimer sind in Deutschland mit H-Kennzeichen zugelassen, etwa noch einmal so viele rollen ohne H oder stehen abgemeldet in Garagen und Scheunen. Dazu kommt rund eine Million Youngtimer. Für ihre Besitzer sind diese Klassiker ein Hobby. Für Werkstätten, Händler, Teileproduzenten und viele Profis mehr sind sie ihre Existenzgrundlage. Die Oldtimerbranche setzt allein in Deutschland etwa sechs Milliarden Euro pro Jahr um, Zehntausende Arbeitsplätze hängen davon ab. Der Deuvet vertritt in erster Linie die Besitzer (genauer: den Teil, der in Deuvet-Mitgliedsklubs organisiert ist) und ihre Hobby-Interessen. Wobei die Profis nicht immer, aber oft die gleichen Interessen haben.
"Dem Gesetzgeber muss jemand auf die Finger gucken!"
Frank B. Meyer will einen starken Deuvet.
Bild: Markus Heimbach
Frank B. Meyer, stellv. Chefredakteuer der AUTO BILD KLASSIK: "Als Oldtimerfahrer müsste ich eigentlich ständig auf die Gesetzgebung aufpassen, damit sie mir nicht auf originelle und unerwartete Weise das Auto stilllegt. Das würde sie nämlich tun – und gar nicht mal böswillig. Oft genug wären Oldtimer beinahe als Kollateralschaden einer durchaus sinnvollen Neuregelung zum Opfer gefallen. Dass das nicht passiert ist, verdanken wir dem Deuvet. Und er denkt weit in die Zukunft. Wie zum Beispiel werden sich ältere Autos in den satellitenvernetzten Autoverkehr der Zukunft einordnen? Muss ich Elektronik und Airbags nachrüsten – oder den Klassiker aus dem Verkehr ziehen? Wenn wir nicht aufpassen, droht uns diese Wahl. Und wir als Individuen können nicht so gut aufpassen wie der Deuvet. Oder was passiert, wenn die Öffentlichkeit den Oldtimer aus irgendeinem Anlass plötzlich nicht mehr als sympathisch wahrnimmt, sondern als Nervtöter und Umweltverschmutzer? Wer schützt uns davor, dass wir nach einem unverschuldeten Unfall gekreuzigt werden, weil wir mit Sechs- Volt-Elektrik fahren und deshalb angeblich nicht zu sehen sind? Klassiker- Fahrer brauchen eine starke, selbstbewusste Interessenvertretung. Wenn das der Vorstand eines Tages erkennt, dann hat der Deuvet wieder eine Zukunft. Das wünsche ich mir."
"Es läuft nicht mehr, es kostet nur noch"
Thomas Wirth sieht den Deuvet in Not.
Bild: Goetz von Sternenfels
Thomas Wirth, Autor bei AUTO BILD KLASSIK und autobild.de: "Der Deuvet war eine Größe, hat manches für uns erkämpft. Danke dafür, Deuvet! Doch heute erinnert der Dachverband an einen Gebrauchten mit Unfallschaden. Verbeult, klappernd – irgendwie läuft’s nicht mehr, sondern kostet nur noch. Doch das ist der direkte Weg ins Aus. Ein paar hehre Absichten, vermischt mit skurrilen Ideen, genügen nicht, um die Rolle als oberster Interessenvertreter der Klassiker-Szene souverän zu erfüllen. Was bringt uns ein Dachverband, der sich vor allem im Selbstmitleid über seine eigene Bedeutungslosigkeit verliert? Dabei passiert gerade ziemlich viel da draußen, lieber Deuvet. Und ihr? Habt euch vom ADAC die Butter vom Brot nehmen lassen, seid völlig abgetaucht. Wir, die Szene, brauchen eine starke, agile, clevere, eloquente Lobbyarbeit. Und zwar dringend, damit uns übereifrige Regulierer in Brüssel oder Berlin nicht versehentlich zum Abstellen der Motoren zwingen. Nur kann ich nicht glauben, dass sich der verbliebene Rest- Deuvet selbst aus dem Sumpf zieht, sich aus eigener Kraft erneuert. Neue Allianzen könnten helfen. Nicht nur altgediente Klub-Veteranen sollten sich engagieren. Sondern alle, die Klassiker mögen."
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