Toyota Camry XL Turbodiesel

Toyota Camry XL Turbodiesel: Test

— 28.03.2011

Ein Diesel der Mittelklasse

AUTO BILD Archiv-Artikel 21/1987: In Deutschland sind Diesel-Autos der Mittel­klasse besonders beliebt. Also bietet Toyota seinen Camry nun auch mit einem Turbodiesel-Motor an. Ein gutes Angebot?

In einem Auto mit Dieselmotor ist das Vorglühen aller Tage Anfang. Da macht auch der Toyota Camry XL Turbodiesel keine Ausnahme. Und doch ist der Japa­ner ein Ausreißer – im guten Sinne. Denn die Wartezeit ist bei ihm sehr kurz. Nach wenigen Sekunden erlischt die Kontrolleuchte und gibt den Start frei. Erster Gang, zweiter Gang, dritter Gang ... Schalten macht Spaß in dem großen Toyota. Wie von selbst rasten die Gänge ein. Der erste Ampelstop: Vom typischen Dieselnageln – beim Start noch deutlich vernehmbar – ist nichts mehr zu hören. Der Motor läuft so leise, dass man ihn zumindest in diesem Punkt zu den Klassenbesten zählen kann.

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Weitere angenehme Eigenschaften des Camry Turbodiesel zeigen sich auf den nächsten Kilometern durch die Stadt. Die serienmäßige Servolenkung lässt sich im Stand mit einem Finger drehen. Das erleichtert das Einparken ungemein. Genau wie die recht übersichtliche Stufenheck-Karosserie. Die Kupplung lässt sich auch von zarten Damenfüßen problemlos niedertreten und gut dosieren. Mit den Bedienungselementen findet sich selbst der Camry-Neuling auf An­hieb zurecht. Tacho und Drehzahlmes­ser sind schön groß und übersichtlich geraten. Und im Dunkeln sind sogar die Schalter für Nebenfunktionen beleuch­tet. Das war nicht immer so bei Toyota.

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Im Stadtverkehr kommt man bequem und zügig voran. Auf der Landstraße zeigen sich dann aber die ersten Schwä­chen des Camry Turbodiesel. Hier fällt auf, dass der 84 PS starke Motor unter 2000 Touren etwas schlapp ist. Erst dann setzt der Turbolader ein, macht ihm Beine bis zur Höchstdrehzahl von 5000/min. Jetzt zeigt sich auch, dass die in der Stadt so angenehme Lenkung bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr zielgenau arbeitet. Und die erste flott ge­fahrene Kurve offenbart Abstimmungs­schwächen des Fahrwerks. Gnadenlos schiebt der Camry über die eingeschla­genen Vorderräder zum Kurvenaußen­rand. Ihn wieder auf den richtigen Kurs zu bringen ist gar nicht so einfach.

Federungskomfort nicht klassengemäß

Hinzu kommt, dass das Fahrwerk bei schneller Fahrt auf Landstraßen und Autobahnen etwas von seinem Komfort einbüßt. Querrillen und Kopfsteinpfla­ster werden jetzt erheblich schlechter geschluckt als eben noch in der Stadt. Dennoch – mit dem Toyota Camry Tur­bodiesel geht man gern auf große Fahrt. Warum? Der Verbrauch ist mit 8,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer er­freulich gering. Und der Innenraum lädt durchaus zu längerem Verweilen ein. Die Vordersitze sind groß und dick gepol­stert, auch auf langen Etappen sehr bequem. Die Rücksitzbank ist hier kein Platz zweiter Güte. Gemütlich gepol­stert, bietet sie reichlich Platz für drei Kinder oder zwei Erwachsene.

Stoff statt Plastik

Glückli­cherweise haben es sich die japanischen Innenraumgestalter auch verkniffen, den Camry mit übermäßig viel Plastik auszustatten. Sitze und Türen sind mit einem tweedähnlichen Stoff bezogen. Außerdem ist das Ganze so sauber und ordentlich verarbeitet, dass selbst beim zügigen Fahren über Kopfsteinpflaster nichts dröhnt und klappert. Klimatisierungsprobleme gibt's im Camry weder im Winter noch im Som­mer. Sinken die Temperaturen unter null Grad, sorgt die kräftige Heizung für warme Luft. Im Sommer wird es dank der recht steil stehenden Seitenscheiben nicht so heiß wie in vielen anderen modernen Autos der Mittelkasse.

Ein 250 D ist 13.000 Mark teurer

Die XL-Ausstattung (den Turbodiesel gibt es nur in dieser Version) ist zwar komplett, aber nicht so opulent wie bei japanischen Autos sonst üblich. Dreh­zahlmesser, Servolenkung und eine Fernbedienung für Tankdeckel und Kof­ferraum sind serienmäßig. Aber elektri­sche Fensterheber oder eine Zentralver­riegelung gibt's nicht einmal gegen Auf­preis. So gesehen scheint der Einstandspreis von 26.290 Mark für den Toyota Camry XL turbo D nicht gerade niedrig. Doch europäische Konkurrenzmodelle wie der Mercedes 250 D (90 PS, 39.045 Mark) oder der Renault 25 Turbo D (86 PS, 32.550 Mark) kosten immer noch etli­che Tausendmarkscheine mehr. Also – ein akzeptables Angebot, der Camry Turbodiesel: eine brave Familien­limousine ohne aufregende Höhepunkte und ohne gravierende Schwächen. Um es auf zwei Worte zu bringen: guter Durchschnitt.

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Autor: Andreas Borchmann

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