Die Highlights von Zagato

100 Jahre Zagato Autodesign: Highlights und Interview

Mailänder Blechmaßschneiderei

2019 feiert das letzte unabhängige italienische Designstudio 100. Geburtstag mit exklusiven Celebration-Modellen. Ein Interview mit dem Zagato-Firmenchef.
Begonnen hat der Weltruhm von Zagato in den 1930er-Jahren durch eine Zusammenarbeit mit einem anderen großen italienischen Namen: Alfa Romeo! Firmengründer Ugo Zagato setzte als gelernter Flugzeug-Karosseriebauer als Erster im Automobilbereich auf Leichtbau und Aerodynamik. Bis heute soll dieses Grundprinzip der Funktionalität Bestandteil des Zagato-Designs sein. Mit den Siegen des Alfa Romeo 6C 1500 SS und Alfa Romeo 8C 2300 manifestierte sich diese Idee und der Name Zagato auch im Rennsport. Zu den legendärsten Schöpfungen zählt der Alfa Romeo TZ aus den 1960er-Jahren. Eine Neuinterpretation entstand 2010 als Alfa Romeo TZ3 zum 100-jährigen Bestehen der Marke Alfa Romeo.
Bis heute verließen über 400 Kreationen für mehr als 40 Hersteller die Werkshallen in Mailand. AUTO BILD zeigt die Highlights und traf sich mit Firmenchef Dr. Andrea Zagato am neuen Stammsitz in Rho, einem Mailänder Stadtteil, zum Gespräch.
AUTO BILD: Wie wichtig ist die Zagato-Grundidee von Leichtbau und Aerodynamik heute noch?
Dr. Andrea Zagato: Das Gewicht ist heute nicht mehr so relevant wie früher. Damals machten 200 Kilogramm weniger Fahrzeuggewicht den Unterschied über Sieg und Niederlage aus. Heute verfügen wir über Motoren die so viel Leistung liefern, dass dies nicht mehr relevant ist. Aber die Aerodynamik, besonders unter dem Auto, ist heute wichtiger als früher.
Was ist der Kern des Zagato-Designs?
Es ist die Philosophie des Designs von Mailand. Jede Kultur hat ihre Designinterpretation. Funktionalität ist oft im deutschen Design zu finden, Art-Deco-Elemente im französischen Design. Das Zagato-Design basiert auf dem italienischen Design von Mailand, und  Zagato folgt immer dem Grundsatz "Weniger ist mehr". Die reine Schönheit findet sich im Essenziellen eines Objektes wider.

Die Highlights von Zagato

Wird bei Zagato mehr digital oder traditionell auf Papier gezeichnet?
Wichtig ist mir zuerst, dass alle die Designidee "minimalism functional" verstehen. Nicht die Details sind wichtig. Der Lifecycle eines Autos ist kurz, wenn es mit zu vielen Details designt wird. Um die Grundidee des funktionalen Designs eines Objektes, eines Autos, besser sehen und verstehen zu können, haben wir einen großen Kino-Bildschirm installiert. In Groß lässt es sich besser erklären als auf einem kleinen Stück Papier. 

Dr. Andrea Zagato (rechts) im Gespräch mit AUTO BILD-Autor Bernd Schweickard.

Ist es schwieriger, ein Massenauto oder ein Einzelstück zu designen?
Ich selbst mag Einzelstücke gar nicht so gerne. Kleinserien ja, aber keine reinen Showcar-Einzelstücke. Bei Großserienprodukten leidet natürlich die Freiheit. Dieses Fahrzeugdesign wird vom Marketing geprägt. Die sagen, was zu tun ist und was nicht. Man nähert sich dann in einem Prozess an, damit am Ende ein schönes Auto entsteht, was alle mögen, aber niemand möchte für dieses Design sinngemäß sterben. Es ist wie ein großes Restaurant, was alle mögen, aber keiner empfindet das Essen dort als ein Erlebnis. Wir sind eher wie ein kleines Restaurant, das seit 100 Jahren nur eine kleine Menükarte besitzt. Aber unsere Kunden mögen unsere kleine beständige Karte und kommen gerne immer wieder.
Fühlen Sie manchmal großen Druck, etwas atemberaubendes designen zu müssen?
Wir haben ganz großes Glück, diesen Beruf ausüben zu dürfen und empfinden jeden Morgen, wenn wir aufwachen, mehr Glück als Druck.
Zagato Design polarisiert. Wie gehen Sie mit Kritik um?
Zuerst, es ist nicht wichtig, jedem zu gefallen! Es ist wie mit dem Restaurant. Es ist wichtig, dass es den wiederkehrenden Kunden gefällt, was man macht. Denn wir möchten mit diesen Kunden unsere Leidenschaft teilen. Das Gefühl dieser Kunden macht das Ergebnis aus. Denn wenn man probiert, jedem zu gefallen, jedem Trend zu entsprechen, wird man austauschbar. Beständigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg.
Haben Sie als Kind realisiert, wie groß Ihr Familienname im Autobusiness ist?
Nein, das habe ich zuerst gar nicht bemerkt. Erst als ich Anfang der 1990er-Jahre zum Pebble Beach Concours d’Elegance reiste, entdeckte ich eine völlig andere Welt. Die Welt der wohlhabenden Sammler und Autoliebhaber, fern der Welt der normalen Autokonsumenten. Und dass Kreationen mit dem Namen Zagato dort besonders im Fokus standen.
Was kommt in der Zukunft, eine Überraschung?
Für die nächsten fünf Jahre planen wir einige Neuheiten. Es gab noch nie ein SUV von Zagato. Vielleicht ist es nun an der Zeit. Oder ein Zagato-Elektroauto, nachdem wir in den 1970er-Jahren bereits mit dem Zele ein Stadt-Elektroauto verkauft haben.
Sehen Sie mehr Möglichkeiten im Design bei einem Elektroauto?
Absolut. Es gibt keine thermischen Dinge, auf die man achten muss und viel weniger Bauteile. Dies gibt uns Designern viel mehr Freiheit beim Gestalten.
Haben Sie noch berufliche Träume?
Mein Traum wäre sicherlich, nochmals ein Auto zusammen mit Alfa Romeo zu kreieren. Der Marke, mit der alles begann. Es sollte dann mein Meisterstück in meiner Karriere sein.
100 Jahre Zagato. Welches ist ihr liebstes Zagato-Modell?
Es ist immer das Fahrzeug, das ich als nächstes bauen werde.
Herr Zagato, vielen Dank für das nette Gespräch. 
In der Bildergalerie sehen Sie die Highlights aus 100 Jahren Zagato-Design. 

Autor: Bernd Schweickard

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