BMW 635 CSi (E24): Rennwagen bleibt bei Versteigerung stehen
Warum will niemand diesen Promi-BMW haben?

Diesen BMW 6er mit legendärer Lackierung fuhren einst Thierry Sabine und Thierry Boutsen in der Gruppe A – trotzdem will ihn niemand für 125.000 Euro kaufen.
Bild: Alexis Ruben/Artcurial
Es gibt ja BMW-Fahrer, die ihre Autos schminken – sodass sie stärker aussehen, als sie sind. M-Logos ohne M-Motor, Spoiler am Diesel, Tieferlegung von Vier- oder Dreizylindern.

Beim Serien-Sechser sind unterm Kofferraumdeckel tatsächlich das Reserverad und ein Schalldämpfer mit zwei Endrohren – nicht beim Rennwagen.
Bild: Alexis Ruben/Artcurial
Ein BMW-Rennwagen mit bescheidener Optik
Bei diesem BMW ist es umgekehrt: Die Deko auf dem Lack zeigt den Serienmotor, Seriensitze vorn und hinten und ein schweres Reserverad – tatsächlich aber ist dieser BMW 635 CSi von 1984 ein Rennwagen – mit rund 300 PS statt den serienmäßigen 218, einem Rennschalensitz, ohne Beifahrer- oder Rücksitze und natürlich ohne Reserverad. 2025 sollte das Auto auf der Oldtimermesse Rétromobile in Paris vom Auktionshaus Artcurial versteigert werden. Aber: Es blieb stehen.
Wie kann das sein? Der BMW 6er an sich ist sehr gefragt, die Lackierung weckt Nostalgie (siehe unten), und mindestens zwei der drei Rennfahrer, die ihn pilotierten, sind vor allem im französischen Sprachraum prominent. Thierry Sabine aus Frankreich (1949 bis 1986) gilt als Vater der Rallye Paris-Dakar; der Belgier Thierry Boutsen (67) gewann drei Formel-1-Rennen und stand 15-mal auf dem Treppchen. Der dritte Pilot dieses Wagens, der Franzose Claude Ballot-Léna (1936 bis 1999), war Dauerteilnehmer an den 24 Stunden von Le Mans und schaffte es 1977 auf Platz 3.
Das Auto ist immerhin so prominent, dass Minichamps davon mal ein 1:18-Modell auflegte.

Die Grafik mit Sitzen, Federbeinen und anderen Teilen wurde eingesetzt als Werbung für "Original BMW Teile". Tatsächlich hat der Rennwagen großenteils andere Teile unterm Blech.
Bild: Alexis Ruben/Artcurial
Wahrscheinlich kamen drei Faktoren zusammen: Erstens verbinden Motorsport-Fans die Namen Sabine und Boutsen eher mit anderen Fahrzeugen als mit dem BMW, Ballot-Léna holte mit dem BMW keinen Sieg. Zweitens hatte das Auto zu Wettbewerbszeiten zusätzlich einige rote, lila und blaue Streifen, die hier fehlen. Und drittens ist das Auto teuer. Als Mindestpreis rief Artcurial 125.000 Euro auf. Für die Geschichte wohl zu viel.
BMW 6er als Werbeträger in den 80ern
Die Linien auf dem Lack kommen Ihnen bekannt vor? Dann erinnern Sie sich wahrscheinlich an den Sechser, der Mitte der 80er in der Tourenwagen-Serie Gruppe A fuhr: Der hatte die gleiche Grafik, die Einzelteile unterm Blech darstellte. Sponsor BMW ließ dazu den Slogan "Original BMW Parts" aufbringen, im deutschen Sprachraum "Original BMW Teile". Wobei sie ein Teil vergessen hatten: den originalen Bindestrich.

3,5-Liter-Reihensechszylinder, laut Prüfstandsmessung 300 PS, riesiger Schacht für Ansaugluft, Domstrebe.
Bild: Alexis Ruben/Artcurial
BMW trat im Tourenwagensport nicht selbst an, sondern unterstützte in diesem Fall den Rennstall des Modeschöpfers Paco Rabanne. Die Werkstatt Bodard hatte laut Artcurial dieses Exemplar mit der Fahrgestellnummer 1382003 aufgebaut: mit einer Motorsport-Karosserie vom Werk (Nummer 5371/146/11).
Die Wartung während der Rennen übernahm aber das BMW-Autohaus von Gérard Bleynie in Mirabeau (Südfrankreich). Zwei Autos traten in der Herstellermeisterschaft 1983 und 1984 an. Dies ist laut dem Auktionshaus eins davon.

Leergeräumtes Cockpit, Alpina-Lenkrad, Drehzahlmesser bis 8000/min, langer Schaltstock.
Bild: Alexis Ruben/Artcurial
1985 kaufte Noël Dupas den Wagen und nahm damit noch bis 1989 an Rennen teil – dann blieb der BMW E24 in der Garage stehen.
Nach 26 Jahren wurde der BMW E24 wiederbelebt
Erst 26 Jahre später, 2015, hörte man wieder von diesem 635 CSi: Charly Cauchois belebte den BMW, ein bekannter Fahrer im historischen Motorsport. Er ließ den CSi nach Gruppe-A-Spezifikation restaurieren. Lohn der Arbeit und der Investition: der zweite Platz im Gesamtklassement der Europa-Bergmeisterschaft 2016 und der Klassensieg 2017.

Von wegen "Original BMW Teile": Schalensitz von BPS, viel mehr ist auch nicht übrig im Innenraum. Überrollkäfig mit Carbon.
Bild: Alexis Ruben/Artcurial
Nächster Besitzer war wieder ein Fan von Wettbewerbs-BMW – er holte in Oldtimerrennen 2023 und 2024 mehrere Podiumsplätze. Wie es scheint, ließ er den Motor neu aufbauen. Auf dem Prüfstand leistete er im März 2024 glatte 300 PS bei 7000/min. Ein Beispiel dafür, dass nicht jeder Oldtimer nur an Wochenenden zu gemütlichen Spazierfahrten herausgeholt wird.
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