Citroën XM: Korrosions- und Rostschutz
Mit diesen Rostschutzmaßnahmen hält der Klassiker länger

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Unser französischer Klassiker Citroën XM fährt durch den Winter. Auf die Strapazen der kalten Jahreszeit bereiten wir ihn gründlich vor.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Wir hören schon einige schimpfen: "Wie könnt ihr nur solch ein hervorragend erhaltenes Exemplar mit einer solch geringen Laufleistung im Winter fahren?" Substanziell richtig gute Citroën XM sind mittlerweile extrem rar geworden. Unser Turbodiesel mit einer Laufleistung von aktuell knapp 114.000 Kilometern zählt fraglos zur oben genannten Kategorie. Liebe Leser, wir geben alles, damit der nahezu rostfreie Karosseriezustand des XM so gut bleibt, wie er ist! Der Lack ist bereits keramikversiegelt, nun kümmern wir uns um den Unterboden, Hohlräume und Falze.

Der Aufwand einer professionellen Konservierung ist immens. 90 Prozent der Kosten entfallen auf die geleistete Arbeit.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Und zwar selbst. AUTO BILD KLASSIK-Mitarbeiter und Rostschutz-Experte Stefan Wüpper hat die dazu erforderliche technische Ausstattung: Kompressor, Druckbecherpistole und Schmelztopf mit Abflusshahn sind die wichtigsten Komponenten, wenn man mit Korrosionsschutzfett arbeiten möchte. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Möglichkeiten, Hohlräume und Unterboden eines Autos nachträglich vor Rostbildung zu schützen: Wachs oder Fett. Korrosionsschutzfett hat eine geniale Eigenschaft: Es kriecht exzellent, in heißen Sommern auch noch Monate oder Jahre nach der Verarbeitung. Damit gelangt es überallhin, saugt sich tief in Falze und legt sich schützend auf die gesamte Oberfläche. Es unterwandert sogar bereits vorhandenen Rost und verhindert weiteres Fortschreiten der Korrosion.
Anders dagegen Wachs: Es ist zäher, weniger kriechfähig, tropft dafür im Sommer nicht nach. Und Wachs haftet länger auf dem Untergrund. Im Spritzwasserbereich wird Fett schneller abgewaschen. Auch in der Verarbeitung unterscheiden sich beide Materialien. Fett lässt sich nur bei rund 100 Grad spritzen, Wachs schon bei Raumtemperatur. Auf den nächsten Seiten lesen Sie, wie Sie rostlos glücklich werden!
Die Vorbereitung
Vor- und Nachbereitung einer professionellen Hohlraumkonservierung kosten viel Zeit. Wichtig: eine warme Werkstatt mit Hebebühne. Angrenzende Flächen müssen mit Folien vor Fettnebel geschützt werden. Erster Schritt ist eine gründliche Reinigung von Radhäusern und Unterboden mit einem Dampfstrahler – idealerweise auf der Hebebühne. Danach muss es trocknen. Nun Radhausschalen und Motorverkleidungen demontieren. Beim XM haben wir auch das Reserverad ausgebaut – und gleich entsorgt. Es ist von 1990!
Vorsicht bei Plastikverkleidungen! Wenn nicht ersichtlich ist, wie sie demontiert werden, Erkundungen einholen. Liegt alles frei, mit Bürste, Besen und/oder Druckluft alles reinigen. Auch Hohlräume durchblasen! In unserem Fall war es spannend, was wir so alles fanden: Im hinteren Radlauf des XM hat ein Nagetier seinen Wintervorrat an Eicheln angelegt. Was in einem derart gefüllten Hohlraum in Kombination mit Feuchtigkeit dauerhaft passiert wäre? Ein Biotop wäre entstanden!
Werksseitig vorhandene Hohlraumstopfen wie hier am Längsträger werden herausgenommen und nach erfolgter Versiegelung durch neue, elastische Stopfen ersetzt. Oft zerbröseln die Stopfen beim Versuch, sie zu entfernen.

Die Schweller zählen zu den wichtigsten korrosionsgefährdeten "Schutzgebieten" der Karosserie. Da der XM ausgerechnet hier keine werksseitigen Öffnungen hat, bohren wir oben Löcher unterhalb der Einstiegsleisten.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Vorsicht bei der Demontage: Während Motor- und Radhausverkleidungen einfach auszubauen waren, hatten wir Skepsis bei den Türverkleidungen. Die Wasserablaufbohrungen an den Tür-Unterseiten sind so üppig bemessen, dass wir hier mit der Sonde in die Tür gehen – mit geringer Produktmenge, um die Abläufe später nicht zu verstopfen.
Hinter der Radhausschale verbergen sich nicht selten ganze Moor-Landschaften. In unserem Fall war die Masse aus Erde noch eine Woche nach dem Abstellen in der beheizten Werkstatt feucht! Radhausschalen sollten zur Kontrolle alle paar Jahre ausgebaut werden.
Die Arbeitsfläche rings um den Fett-Topf wird unweigerlich zu einem Schlachtfeld – deswegen ist es wichtig, die Oberseiten und Flanken des Autos, Arbeitsflächen und auch sich selbst zu schützen.

Stefan Wüpper verwendet Mike Sanders Korrosionsschutzfett für die Hohlräume des XM und Fluid Film für die Radhäuser und den Unterboden.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Mike Sanders muss auf rund 100 Grad Celsius erwärmt werden. Dann wird es so flüssig, dass es mit der Druckbecherpistole für kurze Zeit sprühbar ist. Während der Arbeiten wird eine Menge von rund vier Kilogramm Fett in einem großen Topf permanent auf 100 bis 120 Grad Celsius gehalten. Werkzeuge wie Pistolen, Düsen und Druckbehälter werden vor dem Konservieren erwärmt. Unterlässt man dies, besteht die Gefahr, dass das Fett zu schnell abkühlt und die Pistole „spuckt“. Nicht vergessen: den Druck des Kompressors im Auge behalten. Pflicht: Schutzkleidung.
Das Konservieren
Auch den Werkstattboden haben wir abgedeckt, denn die unvermeidlichen Fettflecken sind sehr hartnäckig. Stefan Wüpper beginnt an den Anbauteilen: Motorhaube, Kofferdeckel, Türen. Bei jedem Karosserieteil unterbricht er: Er wechselt jedes Mal die Düse und den Druckbehälter, füllt heißes Fett auf. So ist sichergestellt, dass das Fett stets heiß genug ist, um sich optimal mittels sauberem Werkzeug verteilen zu können.
In den Radhäusern verarbeitet Stefan Fluid Film – ebenfalls ein Fett, aber mit anderen Eigenschaften als Mike Sanders. Es hat bei Raumtemperatur eine flüssigere Konsistenz als Mike Sanders und lässt sich dann auch spritzen oder pinseln. Ältere Schichten von Unterbodenschutz lassen sich mit Fluid Film wieder plastifizieren. So kann ein alter, originaler Unterbodenschutz erhalten werden, wenn dieser noch haftet und nicht unterrostet ist. Fluid Film dringt in Alterungsrisse ein, versiegelt bereits entstandenen Rost und bildet zusammen mit der alten Schicht einen neuen Schutz.
25 einzelne Durchgänge zählte Stefan am Ende: Kotflügel, Türen, Schweller, Längsträger, A-, B- und C-Säulen, Hauben vorn und hinten, Querträger vorn und hinten, diverse weitere Hohlräume ... Fluid Film härtet nicht aus und bleibt ebenfalls kriechfähig. Im ungeschützten Spritzwasserbereich sollte es bei regelmäßig genutzten Alltagsfahrzeugen einmal jährlich erneut aufgesprüht werden: Es wäscht sich ab im Lauf der Zeit.

Ein Heißluftföhn ist ein wirkungsvolles Hilfsmittel: Besonders im Bereich von Leitungen lässt sich vorher aufgebrachtes Fett anhand des heißen Luftstrahls optimal verteilen.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
In einer Fachwerkstatt hätte die Versiegelung des XM mindestens 2000 Euro gekostet. Los geht es ab 1000 Euro – je nach Fahrzeuggröße, Demontageaufwand und Karosseriezustand. Beinahe ein Klassiker: Bei der Demontage kommen bislang unbekannte Roststellen zum Vorschein. Dann müssen auch Karosseriebauer und Lackierer ran ...
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