Das Goldene Lenkrad beim Mauerfall 1989
Während der Verleihung fiel die Mauer

Drinnen gab es Goldene Lenkräder, draußen fiel die Mauer: So erlebten Walter Momper, Strietzel Stuck und Friede Springer den 9. November 1989.
Bild: Unternehmensarchiv Axel Springer SE und Paul Glaser / picture alliance / zb
Im Schicksalsjahr 1989 fiel die Verleihung des Goldenen Lenkrads auf den 9. November – ausgerechnet! Und ausgerechnet im Axel-Springer-Hochhaus in Berlin wurde gefeiert, wenige Meter von der Berliner Mauer entfernt. Drinnen gab es Goldene Lenkräder, draußen fiel die Mauer.

Axel Springer hatte das Hochhaus von 1959 an ins alte Berliner Zeitungsviertel bauen lassen – 1961 zog die DDR zwölf Meter daneben die Mauer hoch. Das Foto wurde von Ost-Berlin aus aufgenommen und ging in die Stasi-Unterlagen.
Bild: BSTU
Walter Momper erfuhr von Schabowskis Pressekonferenz

Friede Springer, Walter Momper und Springer-Vorstandschef Peter Tamm bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads 1989. Noch ist die Mauer zu.
Bild: Karin Costanzo
Einer der Gäste der Verleihung: Walter Momper, Regierender Bürgermeister von West-Berlin. Gegen 19 Uhr kam Bruno Waltert, Chefredakteur der Berliner Morgenpost, eilig dazu – er berichtete von der Pressekonferenz mit Günter Schabowski, in der er Ausreisefreiheit für die DDR-Bürger ankündigte ("Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzüglich").
"Mein erster Gedanke war: 'Warum hat er uns nicht vorher Bescheid gesagt?'", sagte Momper später. Schabowski hatte zugesagt, die West-Berliner Seite im Falle einer neuen Reiseregelung zu informieren.
Vom Goldenen Lenkrad direkt in die Weltgeschichte
Momper ging zu Gastgeberin Friede Springer "mit den Worten: 'Ich glaube, die DDR macht heute Abend die Mauer auf.' Sie hielt das für einen Witz."

Am frühen Abend: Walter Momper und Rennlegende Fritz Huschke von Hanstein. Wer kennt die Dame rechts?
Bild: Thierlein / ullstein bild
Friede Springer, damals Vize-Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer AG, erzählte 2012: "Ihm fiel das Besteck aus der Hand – und er fragte: 'Was mache ich jetzt?' Da riet ich ihm: 'Sie müssen ins Schöneberger Rathaus!'" Walter Momper fuhr zum Sender Freies Berlin, ins Studio der Abendschau – "weil ich wusste, dass die von vielen Ost-Berlinern gesehen wurde." Dort riet er den Zuschauern, Trabis und Wartburgs stehenzulassen: "Bitte, wenn Sie zu uns kommen, kommen Sie mit der S-Bahn, kommen Sie mit der U-Bahn."

Vor glänzender Kulisse nehmen die Preisträger ihre Goldenen Lenkräder entgegen.
Bild: Unternehmensarchiv Axel Springer SE
Noch war die Grenze geschlossen. Doch die Nachricht verbreitete sich, immer mehr Menschen zogen zu den Übergängen. Bald hielt es auch die Gäste des Goldenen Lenkrads nicht mehr im Festsaal.
Strietzel Stuck und Prinz Poldi nahmen ein Taxi zur Mauer
Jurymitglied und Rennfahrer Hans-Joachim Stuck ist heute noch ergriffen, wenn er erzählt: "Jemand hat gesagt, wir müssten mal aus den Fenstern schauen, die Mauer ist offen."

Hans-Joachim Stuck (unten links) und Leopold Prinz von Bayern (Mitte) verabschieden sich bald von den jungen Damen und fahren zur Berliner Mauer.
Bild: Karin Costanzo
Strietzel Stuck und Leopold Prinz von Bayern nahmen ein Taxi zum Grenzübergang Bornholmer Straße. Stuck: "Die Menschen haben geweint, Wildfremde haben sich in den Armen gelegen. Ein Wahnsinn, das werde ich nie vergessen."
Der Prinz spazierte ohne Ausweis in die DDR
Prinz Poldi: "Gegen 23 Uhr sind wir einfach nach Ost-Berlin rübergegangen. Dabei hatte ich nicht mal einen Ausweis dabei. Es war wie in einem fremden Land."
Ein Zeitungsschnipsel als Souvenir der Freiheit
Karsten Rongsted, Mitarbeiter im Axel-Springer-Verlag, ging in der Nacht am Ku'damm in eine Gaststätte "und hatte druckfrische Zeitungsexemplare unterm Arm. Immer wieder kamen Ost-Berliner zu mir, und ich musste ihnen ein Stück abreißen: 'Ich brauch doch einen Beweis, dass ich im Westen war!'"
Die Nacht, die alle Gäste vereinte
Peter Maahn, der das Goldene Lenkrad jahrelang für BamS organisierte, erinnert sich: "Die meisten sind bis in den frühen Morgen eingetaucht in das Geschehen, jeder hat – erst an der Mauer und später irgendwo in der Stadt – seine ganz persönlichen Bekanntschaften und Erfahrungen gemacht. Und obwohl unsere Feier so ein frühes Ende fand, hat das Ereignis unsere Gäste und uns doch auf besondere Weise vereint – es war die einzigartige Krönung."

Bild: Paul Glaser, Berlin
Ach so: Die Goldenen Lenkräder gingen übrigens an Mazda 323 (Baureihe BG), Honda Accord (4. Generation), Citroën XM, Mercedes SL (R 129) und BMW K1.
In unserer nächsten Episode im Countdown zum Goldenen Lenkrad 2026 berichten wir vom Rennfahrer Harald Ertl, der bei der Verleihung 1978 wie auf glühenden Kohlen saß und sich spektakulär auf eine schnelle Abreise vorbereitet hatte.
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