Mercedes SL, Porsche 911, Ford Mustang: Die üblichen Autos, die man auf Oldtimerrallyes antrifft, sind zumeist ausgewachsene Edel-Klassiker. Auch auf der ersten Salzburger-Land-Klassik vom 11. bis zum 13. September 2025 sind diese Oldies gut vertreten.
Aber in dem kurzen Starterfeld von ca. 75 Oldtimern und Youngtimern fahren rund um Wagrain auch fünf Kleinwagen zwischen 4,06 Meter und 3,25 Meter mit, teils putzig, teils fetzig. Das Irre daran: Jedes dieser Exemplare hat eine Geschichte zum Staunen.

Renault R5 Turbo 2: seit 1985 im Erstbesitz

Zieleinlauf der Oldtimer bei der Salzburger-Land-Klassik in Wagrain im Pongau (Österreich): Der perlmuttweiße R5 Turbo 2 röhrt durch den Zielbogen, kurvt auf den Parc fermé, den Parkplatz, der vorm Hotel Adapura für die Teilnehmerautos reserviert ist. Besitzer Christian Lischi (62) und Copilotin Sabine Brand (57) steigen aus dem überbreiten Mittelmotor-Sportwagen aus.
Christian Lischi und Sabine Brand am Renault R5 Turbo 2 Baujahr 1985
Christian Lischi und Sabine Brand vor ihrem Renault R5 Turbo 2 Baujahr 1985.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Der Reporter fragt Christian Lischi, wann er den Wagen – Baujahr 1985 – gekauft hat. Der sieht dem Reporter tief in die Augen und sagt akzentuiert: "1985."
Tatsache: Vor 40 Jahren war die Knallbüchse der erste Neuwagen des jungen Schweizers – und er hat sie bis heute behalten.
Mit 22 Jahren einen so heißen Sportwagen kaufen zu können, teuer wie eine Mercedes S-Klasse, darum kann man Christian Lischi noch heute beneiden. Er betont lieber, dass der Turbo 2 fast ein Schnäppchen war: Rund 10.000 Franken günstiger als der R5 Turbo 1 sei er gewesen, weil beim "Zweierli" Renault 5 Turbo 2, anders als der Turbo 1, Dach und Türen nicht aus Aluminium waren und weil der Innenraum aus dem normalen Frontmotor-R5 stammte.
Außerdem, so Lischi, sei das Modell 1985 ein Ladenhüter gewesen: "Wer wollte damals schon 30.000 Franken für einen Zweisitzer ausgeben?"
Der 1,4-Liter-Mittelmotor leistet dank Turbolader "offiziell" 160 PS, sagt der Mann aus Romanshorn am Bodensee. Und tatsächlich? "Weiß ich nicht." Er grinst.
Renault R5 Truboi 2 von hinten
Die Kotflügel hinten machen den R5 Turbo mit Mittelmotor 14 Prozent breiter als den normalen Renault 5 mit Frontmotor und Frontantrieb.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Gewöhnt man sich irgendwann an so einen Wagen und empfindet ihn als normal? Christian Lischi: "Nein, für mich ist er immer etwas Besonderes geblieben."
Lischi und Sabine Brand setzen den R5 Turbo 2 intensiv auf Oldtimerrallyes ein: Die Salzburger-Land-Klassik ist dieses Jahr schon ihre achte Rallye. Sabine Brand, die Schwäbin, liebt es, sagt aber auch: "Jetzt hab ich keine Kohle mehr." Und lacht.

Daihatsu Cuore: seit 1990 im Erstbesitz des AUTO BILD-Gewinners

Dramatischer Ausfall bei der Hamburg-Berlin-Klassik 2024: Drei Kilometer vorm Start riss der Zahnriemen des Daihatsu Cuore.
Besitzer Udo Walter aus Burgstädt bei Chemnitz war tief enttäuscht – denn das ist nicht irgendein Cuore, sondern das Exemplar, das er 1993 (Udo war 27) bei AUTO BILD gewann!
Conrad Walter und Udo Walter am Daihatsu Cuore
Conrad Walter (links) trägt nach dem Zahnriemenriss einen Hoodie mit Motorkontrollleuchte; Vater Udo Walter hatte 1990 das Dekor mit wegfliegenden Quadraten entworfen und damit bei AUTO BILD den Daihatsu Cuore gewonnen.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
2016 ließ er den Daihatsu Cuore wider jede wirtschaftliche Vernunft restaurieren, ein Herzensprojekt. Dumm nur, dass niemand an den Zahnriemen dachte.
Und nun? Wegschmeißen? Kam für Udo Walter nicht in Frage. "Der wird repariert, klar. Eine andere Lösung gibt’s nicht. Man kann doch wegen so was nicht sagen: Okay, das war’s dann. Das Auto macht Spaß, allein schon, weil es eine Geschichte hat, die man nicht ersetzen kann. Es gehört zur Familie."
Jetzt kommt die gute Nachricht: Es hat geklappt. Walter (59) hat den Daihatsu Cuore gerettet, seine Werkstatt hat die krummen Ventile rausgeschmissen und den 41-PS-Dreizylinder revidiert.
Lebkuchen mit Logo der Salzburger-Land-Klassik
Zum Anbeißen: Lebkuchen mit Logo der Salzburger-Land-Klassik.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Mit Sohn Conrad (37) tritt er nun bei der Salzburger-Land-Klassik an. Der Dreizylinder mit 874 Kubik und 41 PS kämpft wacker gegen die Steigungen. "Dafür", betont Conrad Walter am Freitagabend, "sind wir jetzt anderthalb Tage für 20 Euro Spritgeld gefahren."

VW Käfer 1600i: in zehn Minuten repariert

Auf einmal kippte das Gaspedal um. Klock, aus. Der Käfer nahm kein Gas mehr an. Frank Krasemann (51) ließ ihn ausrollen – und malte sich schon aus, wie lange er auf das Rallye-Pannenhilfeteam vom AvD warten müsste. Aber er hatte Glück: Die Retter in Rot waren direkt hinter ihm.
Frank Krasemann mit seinem VW Käfer 1600i
Frank Krasemann mit seinem VW Käfer 1600i. Bilstein-Fahrwerk, Hackmesser-Räder und Optik-Tuning hatte schon der Vorbesitzer dem Mexiko-Käfer gegönnt.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Das Glück blieb: "Vier Mann sind in meinen Käfer gekrabbelt, zwei in den Innenraum, zwei unter die Haube", erzählt er. Und, strahlend: "Nach zehn Minuten waren die fertig! Der VW Käfer lief wieder. Wie in der Formel 1!"
Der 1,6-Liter-Einspritzer nahm also mit rund 50 PS und Prasselsound die nächsten Alpensteigungen in Angriff.
Alles gut? Nein: Da war auf einmal dieses Geräusch. Ein Quietschen, vorn rechts, unten. Was kann das sein? Frank und Ehefrau Sandra Krasemann (52) suchen, rätseln… und lachen: Im Beifahrerfußraum steht eine große EcoFlow-Powerbank – Sandras Fuß wippt auf und ab, und ihr Schuh scheuert an dem Gerät.
Frank Krasemann mit seinem VW Käfer 1600i
Die Anhängerkupplung erleichterte Franks Kaufentscheidung: "Auf dem Land braucht man einen Anhänger."
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Ungewohnt sind die Steigungen und Serpentinen der Salzburger-Land-Klassik für Mensch und Maschine: Frank und Sandra Krasemann leben in Ostfriesland, zwischen Leer und Aurich. Da bekommt der Mexiko-Käfer nur ebene Straßen unter die Räder, und die Lenkung wird nur selten benutzt. Frank gibt zu: "Mir taten von der Kurverei am ersten Rallyetag die Schultern weh."

Peugeot 205 GTI: zweimal in derselben Zeitschrift

Die lieben Kollegen der österreichischen Autozeitschrift autorevue sind nicht weniger oldtimerbegeistert als wir von AUTO BILD. Redakteur Michael Ziehenberger zum Beispiel, geboren 1992, wuchs inmitten von Kleinwagen wie dem Peugeot 205 auf. Auf der Suche nach dem Zugang zu alten Autos fiel ihm das auf – und 2019 kaufte er sich einen 205. Nicht irgendeinen, sondern diesen feinen Peugeot 205 GTI 1.9.
Michael Ziehenberger und Maximilian Solta am Peugeot 205 GTI 1.9
autorevue-Redakteur Michael Ziehenberger und Vermarkter Maximilian Solta am Peugeot 205 GTI 1.9.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Erst danach blätterte er durchs Archiv der autorevue und suchte nach Artikeln über den 205. Ah, da: Nicht lange vor seinem Kauf hatte sein Kollege Martin Stubreiter über den Peugeot 205 eine Kaufberatung geschrieben. Als Foto-Auto hatten sie einen 205 GTI 1.9 aufgetrieben. Nicht irgendeinen, sondern diesen. Genau das Exemplar, das damals gleichsam beruflich zum Magazin kam, wohnt jetzt privat beim Redakteur. Zufälle gibt’s.
Peugeot 205 GTI 1.9 von schräg hinten
Der 205 GTI gehörte zuvor einer Kollegin vom Grazer Blatt "Kleine Zeitung".
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD

VW Polo G40: Traumwagen der Generation Z

Boomer alter Schule wissen: Die Jugend von heute taugt nichts. Die hängen den ganzen Tag am Handy rum. Wenn’s hochkommt, wollen die ein Elektroauto mit 360-Grad-Bildschirm, aber lieber doch einen E-Roller. Work-Life-Balance wollen sie, und wenn sie doch mal den Hintern hochkriegen, werden sie Influencer oder Content Creator.
Bei der Salzburger-Land-Klassik sitzen im VW Polo G40 aus dem Team Volkswagen Classic zwei Körnchen Wahrheit: Fahrer Fabio Becvar ist 23 und Content Creator, Copilot Lukas Tobler ist 26 und fotografiert Autos, hauptsächlich Neuwagen, hauptsächlich für Social Media.
Fabian Becvar und Lukas Tobler am VW Polo G40 Baujahr 1992
Fabian Becvar (links) und Lukas Tobler am VW Polo G40: "sehr puristisches Fahren".
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Aber, liebe Boomer, bevor Ihr nun "wusste ich’s doch!" ruft und weiterscrollt, haltet Euch fest. Denn Fabio, der zehn Jahre nach dem 1992er Polo geboren wurde, sagt nach zwei Rallyetagen am Steuer diesen Kernsatz: "So sollte ein Auto heute sein."
So wie der VW Polo G40: leicht, kompakt, für das Gewicht relativ stark, mit relativ weichen Sitzen, aber "wirklich gutem Seitenhalt", der richtige Mittelweg aus Sport und Komfort, schnell und gleichzeitig bequem.
Lukas empfand bis jetzt "immer Faszination, aber nie einen Zugang" zu Oldtimern. Das hat sich auf der Salzburger-Land-Klassik geändert. "Der Polo begeistert Passanten sehr. Das finde ich in der heutigen Zeit interessant, denn in einem neuen Sportwagen sieht man von außen eher mal einen Mittelfinger."
Vorbereitet haben die beiden Wiener sich auch auf die Unterhaltungselektronik: Der Polo hat ein Kassettenradio. Die jungen Männer haben aber keine MusiCassetten. Volkswagen Classic trieb für sie noch das Michael-Jackson-Album "Dangerous" auf Kassette auf. "Wir haben also brav Michael Jackson gehört", berichtet Lukas, und die Boxen haben sie nicht begeistert.
Darüber dürfen die Boomer gern schmunzeln.

Kommentar

Ich liebe es an Oldtimerveranstaltungen besonders, wenn nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ antreten, sondern eine bunte Mischung aus alten und jungen, teuren und günstigen, bekannten und vergessenen Klassikern.
Kleinwagen gehören für mich auf jede Rallye, jedes markenoffene Treffen und jede Messe. Denn erstens wurden sie meist mit besonders viel Gehirnschmalz konstruiert; zweitens wecken sie bei viel mehr Besuchern Erinnerungen; und drittens unterstreichen die günstigen Modelle, dass Oldtimerei kein Hobby nur für Reiche und Schnösel ist.