Geheimnis um Porsches Kult-Sitzbezug "Pascha" gelüftet
Nur für große Paschas

Ende der 70er gab es Porsche 928, 911 und 924 mit dem kultigen Polsterstoff "Pascha". Jetzt enthüllt ein Buch: "Pascha" war erst gar nicht als Sitzbezug geplant!
Bild: Sveinn Baldvinsson / AUTO BILD
Welche Substanzen muss man nehmen, um auf so ein Design zu kommen? Es sind nur gerade Linien. Nur Rechtecke. Aber sie sehen so aus, als würden sie auf dich zukommen. Oder dich in die Tiefe ziehen wollen. Als würdest du im Drogenrausch auf ein Schachbrett starren.

Auch das Außendesign des Porsche 928 war spacig – in so ein Auto passen Pascha-Stoffe besser als in einen Toyota Corolla. Hier ein Porsche 928 S von 1983, dem letzten Jahr, in dem Porsche "Pascha" anbot.
Bild: Sveinn Baldvinsson / AUTO BILD
Ein Design wie im Drogenrausch
Wir denken an das Filmplakat von "Fear and Loathing in Las Vegas". Und an den Satz aus diesem Film: "Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Mescalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, 'nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher …"

Nicht nur die Sitze, auch die Seitenverkleidungen vorn und hinten gehörten zur Pascha-Option. Hier die Variante in Braun-Grau, obwohl das Grau eher Beige aussieht. (Ja, richtig gesehen: Der Handbremshebel ist links vom Fahrersitz.)
Bild: Sveinn Baldvinsson / AUTO BILD
Vielleicht ist es gut, dass man am Steuer eines Porsche der späten 70er- oder frühen 80er-Jahre nicht auf diesen Polsterstoff starrt. Weil man ja draufsitzt. Und wir empfehlen dringend, sich während der Fahrt auch nicht vom Beifahrersitz oder den Türverkleidungen ablenken zu lassen.
Porsche brachte "Pascha" 1977, erst im 928
1977 nahm Porsche dieses Stoffdesign ins Programm, zum Start des Porsche 928. Die meisten Auto-Fans dürften beim Anblick dieses Musters sofort an den Oldtimer 928 denken – aber es war in allen Baureihen erhältlich, also auch im Porsche 911, Porsche 924 und später im Porsche 944. Erst 1983 nahm Porsche es aus dem Programm.
Der Name: "Pascha". Wie ein Spitzenbeamter im Osmanischen Reich. Oder – nicht nur Friedrich Merz kennt das Wort – wie ein Spätgeborener, der sich aufführt wie ein Spitzenbeamter. Vielleicht passend; denn wer als ausgeprägt bescheiden gilt, gönnt sich in der Regel keinen Porsche mit dieser auffälligen Ausstattung.

Hier die schwarzweiße oder hellgrauschwarze Variante in einem Porsche 928 von 1977.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Der Pascha-Stoff gilt als Op-Art
Porsche war mit dem "Pascha"-Dekor 1977 nicht mal an der Spitze der Stilrichtung: Schon in den 60er-Jahren war in der Kunst die "Op-Art" schwer angesagt – "optische Kunst", Bilder und Skulpturen, die mit abstrakten Mustern überraschende Effekte hervorriefen. Aber: Kein Autohersteller hat diese Kunstrichtung dermaßen prominent ins Auto geholt wie Porsche.
Der Erfinder von Porsches "Pascha"-Design
Der Mann, der "Pascha" erfand, war beides: freier Künstler – und Designer für Porsche. Erich Strenger hieß er. Porsche-Fans kennen ihn, denn die Grafiken und Layouts, die er in seiner Werbeagentur schuf, prägten 40 Jahre lang den öffentlichen Auftritt von Porsche.

Der Künstler und Grafiker Erich Strenger arbeitete von 1951 bis 1988 für Porsche. Hier steht er an einem Porsche 924 S.
Bild: Delius Klasing Verlag
Und tatsächlich war das Muster gar nicht als Auto-Stoff gedacht. Sondern als Kunstwerk. Erich Strenger hatte schon 1971 so ein Muster hergestellt, als Siebdruck in Schwarz und Silber.
Irgendwer kam er dann darauf, dass die Kunden auf dieser Kunst sitzen sollen. Und so ließ Porsche sie als Veloursstoff weben. Das Muster im Porsche-Unternehmensarchiv stammt von der Firma Schöpf in Stammbach (Unterfranken), die heute vor allem Busse und Bahnen mit Polsterstoffen beliefert.

Fund aus dem Porsche-Unternehmensarchiv: zwei Urmuster für den Veloursstoff "Pascha", ausgegeben am 28. September 1977. Hier heißt die obere Variante noch nicht "Hellgrau-Schwarz", sondern "schwarz/weiß".
Bild: Porsche-Unternehmensarchiv
Porsche bot vier Farbkombinationen an
Vier Farbkombinationen gab es über die Jahre in den Preislisten: Hellgrau-Schwarz, Braun-Grau, Blau-Grau und Weinrot-Grau. Nebenbei bot Porsche auch Seidenschals in diesem Design an. 2023 wurde einer für nur 83 Euro versteigert.
Ob Erich Strengers Frau auch so einen Schal trug? Jedenfalls trug sie einen respekteinflößenden Doppelnamen: Sie hieß Ursula Strenger-Oberst.

Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Ikonisches Porsche-Design: "Pascha" schlägt "Pepita"
Es hatte zuvor schon ein Polsterstoff-Design gegeben, das typisch war für Porsche: das schwarzweiße "Pepita" in den Porsche 911 und 912 der 60er-Jahre. Aber das war damals generell in Mode, ja: Der Porsche kopierte das trendige Design von der Modewelt. "Pascha" steht – mehr noch als "Pepita" – für Porsche und nur für Porsche.

Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD

Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Jetzt kann man "Pascha" wieder kaufen
Heute bietet Porsche "Pascha" wieder an: leider nicht als Sitzbezug, aber auf T-Shirts, Hoodies, Regenschirmen, Kofferraumtaschen, Bechern und Schlüssel-Etuis.
Ein Buch voller Porsche-Anekdoten
Wer auf solche Fußnoten der Porsche-Geschichte steht, für den haben wir einen Buchtipp: Für "Porsche Archive(s) unlocked" hat Autor Jan-Henrik Muche rund 100 Unterlagen, Fotos und Gegenstände aus dem Porsche-Archiv hervorgeholt und beschrieben. Er hat auch die Herkunft des "Pascha"-Musters aus Erich Strengers Kunstgrafik enthüllt.

Bild: Heel Verlag
Welche Substanzen man nehmen muss, um auf ein Design wie "Pascha" zu kommen, können wir den Urheber leider nicht mehr fragen: 1993 starb Erich Strenger mit 70 Jahren.
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