Kinofilm: Mit dem Auto um die Welt
Die Frau aus Stahl

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Clärenore Stinnes war jung, solo und wagemutig - was lag näher, als auf Weltreise zu gehen? Ihre Tour mit einem Adler-Automobil begann 1927, dauerte zwei Jahre und machte sie berühmt. Jetzt startet ein Kinofilm über das Abenteuer.
Das erste SUV war ein Adler Standard 6: Zum puren Vergnügen fuhr Clärenore Stinnes, Tochter des Ruhr-Industriebarons Hugo Stinnes, damit von 1927 bis 1929 durch Matsch, Schnee, Wüsten und Gebirge einmal um den ganzen Erdball. Das war zuvor keinem Menschen gelungen. Wie auch? Selbst im Deutschen Reich gab es damals weniger als 5000 Automobile. Noch weniger verbreitet waren Straßen in der Welt von damals, so dass zur Fortbewegung immer wieder Menschen, Zugtiere und Schienen zu Hilfe genommen werden mussten. Und nicht selten spannte sich Fräulein Stinnes, damals 26, selbst vor ihr zwei Tonnen schweres Fahrzeug, um die Karre mal wieder aus dem Dreck zu ziehen. Die kleine, energische Frau aus Mülheim an der Ruhr war nicht nur finanziell, sondern auch in physischer und moralischer Hinsicht der Motor der gesamten Unternehmung. "Fräulein Stinnes muss aus Stahl sein", notierte der Kameramann Axel Söderström während der Reise in sein Tagebuch. Das war keineswegs nur bewundernd gemeint; zwischenzeitlich muss der gemütliche Schwede seine Expeditionsleiterin und Arbeitgeberin abgrundtief gehasst haben. Was ihn letztendlich aber nicht hinderte, die Begleiterin nach der Heimkehr zu heiraten. Doch dazwischen stehen unendliche Strapazen, zermürbende Grenzformalitäten, brutale Wegelagerer, glutheiße Wüsten und eisige Gebirgszüge. Und Pannen, immer wieder Pannen.
Für den Dreh wurde ein historisches Auto gekauft und restauriert

Bild: Real Fiction Film
Fräulein Stinnes wählte einen Adler Standard 6 als Expeditionsauto

Bild: Real Fiction Film
Außenaufnahmen in Marokko
Produktionsgesellschaft und Adler-Totengräber wurden sich einig, und der Torso wechselt den Besitzer. "Es waren nur noch Chassis, Motor, Lenkrad und einige andere Teile dran", berichtet Anina Diener. Doch unglaublich: "Der Motor sprang sofort an!" Anschließend wurde dafür gesorgt, dass der Adler wieder wie ein Adler aussah: In wenigen Wochen baute eine Restaurierungs-Werkstatt das über 80 Jahre alte Auto von Grund auf. Dann ging es damit auf große Tour; per Trailer nach Marokko. Denn natürlich konnte für den Film nicht die ganze Welt bereist werden, so entstanden die meisten Außenaufnahmen in Nordafrika – ob nun vor dramatischer Gebirgskulisse der Anden, in der Wüste Gobi oder bei einer Pause in der Türkei... Und der Adler schien die Abenteuer seines Vorfahren unbedingt nachempfinden zu wollen: Immer wieder ging er kaputt, musste geschleppt werden, verlangte nach neuen Zündkerzen. "Wir hatten so viele dabei, und dann waren doch keine mehr da, und wir mussten halb Marokko danach durchsuchen", erzählt die Szenenbildnerin. Eigentlich sollte als Mechaniker der Restaurierungswerkstatt mitkommen, doch als Ersatz musste ein Baubühnenmechaniker aus Dieners Team den Adler stets aufs Neue zurechtflicken. "Der Arme – tagsüber hatte er seinen regulären Job, und nachts lag er unterm Auto..."
Die packendsten Film-Bilder sind immer noch die Original-Szenen

Bild: Real Fiction Film
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