Die wichtigste Nachricht für Autofahrer und -käufer im ganzen deutschsprachigen Raum am 24. Februar 1986 war: AUTO BILD ist da! Die erste Zeitung, die sich nicht nur an Nockenwellen-Auskenner und Verdichtungsexperten richtete, sondern an alle, die Auto fahren. Verständlich, bodenständig, voller Autos, aber auch voller Tipps für den Alltag.
Das Zweitwichtigste war, was in der AUTO BILD-Erstausgabe drinstand. Die 72 Seiten waren proppevoll mit spannenden Themen.
Ein Mazda als Titelthema? Warum kein Porsche, Mercedes oder VW?
Medienprofis, die sich mit Autos auskennen, kratzten sich aber verwundert die Köpfe: ein Mazda als Titelthema der AUTO BILD-Erstausgabe? Warum in drei Teufels Namen?
Die Redaktion hätte ja auch den wahnwitzigen Porsche 959 groß auf der Titelseite zeigen können, den VW Golf 2 GTI 16V, den Mercedes 300 TE (S 124) mit dem ausgefuchsten Allradantrieb 4matic oder die Zeichnung vom Opel-Rekord-Nachfolger zusammen mit der Nachricht, dass er Omega heißen wird. Alle vier waren populäre Autos.
Starke Themen in der AUTO BILD-Erstausgabe 9/1986, die auch als Titel-Aufmacher infrage kamen: Fahrbericht Porsche 959, ...
Bild: intern AUTO BILD
... Mercedes 300 TE 4matic (S 124) mit neuartigem Allradantrieb, ...
Bild: intern AUTO BILD
... VW Golf 2 GTI 16V im Vergleich mit dem Achtventiler ...
Bild: intern AUTO BILD
... und der Opel Omega A, den AUTO BILD mit einem retuschierten Foto enthüllte (auf dem technischen Stand der damaligen Bildbearbeitungs-Möglichkeiten).
Bild: intern AUTO BILD
Stattdessen setzte die Chefredaktion den Mazda RX-7 auf den Titel. Klingt unlogisch.
Hintergrund: Warum andere Autos vielleicht besser gewesen wären
Denn Journalisten möchten ja mit ihren Medien möglichst viele Menschen erreichen – Leser, User, Hörer, Zuschauer. Und Verlage wollen das auch. Deshalb sehen Sie, liebe Leser, auf den Titelseiten von Autozeitschriften und den Startseiten von Auto-Websites immer wieder die ganz populären Autos und Themen. Und so toll ein Mazda RX-7 auch ist: Kein Auto aus Japan hat in Deutschland je mehr Menschen gefesselt als ein Über-Porsche, ein neuer Mittelklasse-Mercedes oder ein VW Golf GTI.
Längst verziehen ist der kleine Fehler auf der Titelseite: Der Fahrbericht des Mazda RX-7 startete nicht auf Seite 64, sondern auf Seite 66.
Bild: intern AUTO BILD
Dazu kommt: Der Opel Omega wurde in der AUTO BILD-Erstausgabe auf etwa einer Seite in einer ausführlichen Meldung vorgestellt, der VW Golf GTI 16V auf knapp drei Seiten, der Mercedes S 124 4matic auf drei Seiten, der Porsche 959 auf dreieinhalb Seiten – dem Mazda RX-7 aber gönnte die Redaktion hinten auf Seite 67 nur eine halbe Seite.
Bis auf die beiden Frontansichten auf dem Titel und im Artikel lieferte die Erstausgabe der AUTO BILD keine weiteren Fotos. Wir reichen 40 Jahre später diese Ansicht von Seite und Heck nach, mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns und Bitte um Vergebung.
Bild: Mazda
Der Ex-Chefredakteur packt aus, warum es der Mazda RX-7 wurde
Ein Kollege von damals berichtet aus seiner Erinnerung, der Stellvertretende Chefredakteur (und spätere Chefredakteur) der AUTO BILD, Peter Felske, hätte einen kurzen Draht zur Mazda-Pressestelle gehabt – und die hätte es AUTO BILD erlaubt, vor den anderen Autozeitschriften für die AUTO BILD-Erstausgabe eine Testfahrt für einen ersten Fahrbericht zu unternehmen.
Peter Felske wurde 1988 Chefredakteur von AUTO BILD und blieb es bis 2006.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Fragen wir Peter Felske, warum er den Mazda RX-7 zum Titelhelden gemacht hat. "Die zweite Generation des RX-7 ist in dem Jahr im Februar neu gekommen", erklärt er uns. "Wir hatten die Bilder exklusiv bekommen. Kam dazu, dass er so schön rot war, das hilft auch auf der Titelseite."
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Interessant war der Mazda RX-7 der Baureihe FC/FC3S natürlich schon: Fans exotischer Technik wollen möglichst viel über Wankelmotoren lesen, aus deutscher Sicht war (und ist) der Mazda RX-7 ein Gegner des Porsche 944, und Sportwagen sind für viele Leser spannender als Limousinen.
Dem langfristigen Erfolg geschadet hat die Titel-Entscheidung AUTO BILD jedenfalls nicht. Aus dem Stand wurde AUTO BILD Marktführer in Deutschland, bald auch in Europa.
Der Fahrbericht vom Mazda RX-7 im Originaltext
Der originale Fahrbericht des Mazda RX-7 (Baureihe FC3S) in der AUTO BILD-Erstausgabe 9/1986.
Bild: intern AUTO BILD
Und da Sie, lieber User, sich offenbar für den Mazda RX-7 interessieren, hier noch mal der originale Text aus der Erstausgabe:
Mazda – Fahren wie im Sportflugzeug
Allen Wankelgegnern zum Trotz bleibt Mazda als einziger Automobilhersteller der Welt dem Kreiskolbenmotor treu. Mehr noch: Der neue RX-7 stößt jetzt in eine Klasse vor, die bisher Hubraumriesen vorbehalten war.
Unter der flach abfallenden Haube sitzt beim RX-7 die kompakte Wankeleinheit. Der 150 PS starke Zweischeiben-Motor wird von einer elektronischen Benzineinspritzung gespeist. Auto Bild fuhr den Wankelsportwagen, der noch dieses Frühjahr für weniger als 40.000 Mark an den Mann gebracht werden soll. Als direkter Gegenspieler muß er sich gegen den 41.950 Mark teuren Porsche 924 S behaupten.
Spitze über 210 km/h
Erster Fahreindruck: Der neue RX-7 läuft noch vibrationsfreier als sein 115 PS starker Vorgänger. Seine Laufkultur entspricht der einer modernen Nähmaschine und läßt sich mit herkömmlichen Kolbentriebwerken nicht mehr vergleichen. Beim Tritt aufs Gaspedal setzt sich das japanische Coupé vehement in Bewegung. Die Sprintübung auf die 100er-Marke erledigt es in weniger als neun Sekunden. Echte 215 bis 220 Spitze dürften realistisch sein.
Weniger Benzin-Durst
Daß das Motorpotential auch ordentlich auf den Asphalt gebracht wird, dafür haben die Mazda-Techniker gesorgt. An den Hinterrädern mußte die ehemals starre Achse einer modernen Schräglenker-Konstruktion weichen. Bei der Bremsanlage kommen vorn und hinten innenbelüftete Scheibenbremsen zum Einsatz.
Gegenüber seinen Vorläufern soll der Motor auf mehr Sparsamkeit gedrillt worden sein. Inwieweit das gelungen ist, wird Auto Bild demnächst in einem Test prüfen.
"Von vorn ein bißchen 924 – von hinten ein bißchen 928. Der neue Mazda RX-7 sieht den beiden Porsche verblüffend ähnlich. Das Werk gibt 210 km/h als Spitze an. Eine Untertreibung. 220 km/h stimmt eher."