Mercedes 300 CE (W 124) auf Oldtimer-Auktion
300er-Mercedes-Coupé: Schnäppchen oder Benz mit Haken?

Bild: Anglia Car Auctions
Die 124er-Baureihe von Mercedes hat einen Ruf wie Donnerhall – zu Recht. Welcher wäre der perfekte 124er? Ein 300er-Benziner ist die wohl schönste Motorisierung – Dreiliter-Reihensechser, 180 PS stark und herausragend laufruhig. Am liebsten mit Automatik, denn die etwas hakeligen Schaltgetriebe passen nicht richtig in dieses kultivierte Auto.
Auch wenn die begehrtesten Modelle die nach der ersten Modellpflege im September 1989 ("Mopf 1") und vor der zweiten Mitte 1993 ("Mopf 2") sind: Auch die späten "Mopf 0"-Exemplare sind begehrt, schon weil die Sechszylindervarianten noch Reihenmotoren hatten.
Welche Karosserie? Ästheten schwanken zwischen dem T-Modell, das zugleich praktisch ist, und dem glattflächigen und eleganten Coupé. Dann aber bitte mit Metallic-Lack und Alu-Rädern.

Coupé-Karosserie, blaumetallic, "Gullydeckel"-Räder – ist das der perfekte 124er Mercedes?
Bild: Anglia Car Auctions
Ist dies der perfekte 124er?
Tja, und genau so ein Auto wird am Wochenende 25./26. Januar 2025 versteigert: Mercedes 300 CE Coupé, Baujahr 1989, Erstzulassung Januar 1990, blaumetallic, "Gullydeckel"-Räder – und auf dem sechsstelligen Zähler stehen nur etwa 81.000 Kilometer. Fahrbereit, die Hauptuntersuchung gilt bis Oktober. Schätzpreis: circa 3000 bis 4200 Euro!

Sogar der Dreiliter-Reihensechszylinder ist drin, einer der begehrtesten Motoren.
Bild: Anglia Car Auctions
Wartet hier ein Superschnäppchen?
Ist dieser blaue 300 CE also eine einmalige Gelegenheit? Na ja: Erstens ist es eine Versteigerung, da kommen auf den Hammerpreis noch acht Prozent Aufgeld ("premium") und 20 Prozent Mehrwertsteuer auf die Händlermarge. Hier der Link zur Auktion, die nicht gerade um die Ecke stattfindet, sondern in King's Lynn – in England, bei Anglia Car Auctions. Landesüblich ist der Wagen ein Rechtslenker. Sehr bequem, um bei uns vom Bordstein aus einzusteigen, aber sehr unbequem an der Schranke im Parkhaus. Und: So einen RHD-Mercedes auf dem Kontinent wieder loszuwerden, ist eine echte Herausforderung.

Der 300 CE ist ein Rechtslenker, versteigert wird er in England.
Bild: Anglia Car Auctions
Der nächste Haken: Wer den Wagen ersteigern und in der EU zulassen möchte, halst sich bürokratischen Aufwand auf. Der braucht das United Kingdom UK Registration Certificate und vom Hersteller die europäische Konformitätsbescheinigung. An der deutschen Grenze sind noch zehn Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer fällig. Und mit dem Import ist die britische MoT nicht mehr gültig, der Wagen braucht sofort eine deutsche Hauptuntersuchung. Man kann das Import-Procedere auch Profis überlassen – aber das würde so viel kosten, dass es sich in diesem Fall nicht lohnt.
Schönes Urlaubsauto?
Und wenn man den Benz einfach in King's Lynn ersteigert und ihn im Vereinigten Königreich lässt? Sei es als Schlitten für eine längere Reise dort (um ihn danach dort zu verkaufen), sei es als Ferienauto am eigenen Cottage oder sogar als neuen Klassiker nach einem Umzug?
Das könnte passen. Sehen wir uns die Fotos des Exilstuttgarters also mal genauer an: Rost und eine Delle am Kotflügel vorn rechts, das wird eine größere Baustelle. Mehr Schlimmes können wir auf den Fotos erst mal nicht entdecken: etwas Rost innen an der Motorhaube, kaputte Haubenmatte, falsche Blinker, falsche Heckleuchten, falsches Radio. Pipifax, schnell behoben. Auch Ersatz für den Polsterstoff am Fahrersitz ist lieferbar.

Rost am Kotflügel: Da wartet Arbeit auf den nächsten Besitzer.
Bild: Anglia Car Auctions
Auf der Haben-Seite: Metallic, Gullydeckel, Automatik, Schiebedach, Mittelarmlehne, Antenne, elektrische Fensterheber und – warum auch immer im Coupé – Kopfstützen hinten! 1989 hätte er mit dieser Ausstattung in Deutschland mehr als 72.000 Mark gekostet. Perfektionisten und Luxusfreunde bemängeln allenfalls, dass ihnen hier Lederpolster und Klimaanlage fehlen würden.

Laut Auktionshaus hat der 300 CE nur 81.000 Kilometer runter – warum ist aber beim Fahrersitz die Wange so abgeschabt?
Bild: Anglia Car Auctions
Ist der Kilometerstand echt?
Aber eine Sache beschäftigt uns noch: Auf der Walze stehen nur 50.363 Meilen, also rund 81.000 Kilometer, nach 35 Jahren und vier Besitzern eine enorm niedrige Laufleistung – trotzdem ist die Sitzwange am Fahrersitz aufgescheuert. Dabei sind die Stoffe sehr widerstandsfähig. Ist da ein dicker Mensch mit kratziger Jacke alle paar Meilen aus- und eingestiegen? Oder hat jemand an der Walze gedreht?
Die Berichte der Hauptuntersuchungen seit 1999 liegen dem Auto jedenfalls bei, verspricht das Auktionshaus, nebst weiteren Rechnungen. Mal sehen, bei welcher Summe Ende Januar der Hammer fällt. Hier der Link zur Auktion.
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