50 Jahre Goldenes Lenkrad
Mercedes A-Klasse: Goldenes Lenkrad trotz Elchtest-Debakel

1997 kippt die Mercedes A-Klasse (W 168) beim Elchtest. Warum sie nach drei dramatischen Wochen trotzdem das Goldene Lenkrad bekommt.
Bild: Hans Scherhaufer / BamS
Ganz schlechtes Timing: Die Jury des Goldenen Lenkrads testet alle 24 Kandidaten Mitte Oktober 1997. Ergebnis in der Klasse II: Der Mercedes A 160 aus der ersten Baureihe der A-Klasse (W 168) gewinnt mit nur 4,8 Punkten Vorsprung vor dem VW Golf. In der Wertung Fahrverhalten und Fahrsicherheit liegt der Mercedes in seiner Klasse nur auf Platz drei.
Die Jury gibt Gold – dann fällt die A-Klasse aufs Dach
Wenige Tage später, am 21. Oktober 1997, fährt die schwedische Autozeitschrift "Teknikens Värld" einen der folgenreichsten Tests der Automobilgeschichte: Im Elchtest kippt die A-Klasse! Gleich danach verbreitet Teknikens Värld den Kipper über Fernsehen und Nachrichtenagenturen.
Beim Elchtest weicht das Auto abrupt einem gedachten Hindernis aus und kehrt sofort in die ursprüngliche Spur zurück. Dieser Test gehört bis dahin noch nicht zum Testprogramm beim Goldenen Lenkrad.
Der Termin für die Verleihung des Goldenen Lenkrads steht längst fest: der 12. November. Was nun?
Mercedes baut ESP serienmäßig ein
Am 29. Oktober kündigt Daimler-Benz an, künftig alle A-Klassen serienmäßig mit anderen Reifen auszuliefern – und vor allem mit dem Stabilitätsprogramm ESP, das ein Schleudern weitgehend verhindert, indem es durch gezielte Bremseingriffe das Fahrzeug stabilisiert.
Rauno Aaltonen fährt 38 Nachtests
Beim Goldenen Lenkrad muss der Klassenprimus also nachsitzen: Der Axel-Springer-Verlag fordert von Daimler-Benz einen Testwagen mit ESP und den anderen Reifen. "Rallye-Professor" Rauno Aaltonen testet so eine A-Klasse am 7. November 1997 auf einem Flugplatz bei München. Die Redaktion baut die Pylonen nach dem Vorbild von Teknikens Värld zum Elchtest auf, Rallye-Profi Aaltonen fährt 38 (!) Durchgänge von Elch- und Slalomtests bei verschiedenen Geschwindigkeiten und bei unterschiedlicher Beladung.

Rauno Aaltonen fährt ausgiebige Tests mit der A-Klasse, wie sie nach dem Debakel ausgeliefert wurde – hier der Bericht aus der BILD am SONNTAG vom 16. November 1997.
Bild: BILD am SONNTAG
Warum die A-Klasse den Preis behalten darf
Aaltonens Urteil: Die A-Klasse mit ESP sei "ein sicheres, auch von normalen Autofahrern zu beherrschendes Fahrzeug. Das ESP verhindert nicht nur zuverlässig kritische Fahrzustände, sondern ist außerdem in der Lage, innerhalb der physikalischen Grenzen Fahrfehler zu korrigieren."

Die Verleihung des Goldenen Lenkrads an die A-Klasse nach dem Elchtest-Debakel war 1997 umstritten.
Bild: dpa
Also entscheidet die Redaktion, dass die A-Klasse das Goldene Lenkrad verdient – auch wenn damit dieses eine Mal nicht das Auto prämiert wird, das an den Testtagen als Testwagen teilnahm.
Jürgen Hubbert nimmt sichtlich bewegt das Goldene Lenkrad an

Als Jürgen Hubbert das Goldene Lenkrad bekommt, stehen ihm Tränen in den Augen.
Bild: Hans Scherhaufer / BamS
Bei der Verleihung nimmt Mercedes-Pkw-Vorstand Jürgen Hubbert (Foto ganz oben) das Goldene Lenkrad entgegen und kämpft mit den Tränen. "Wir werden alles daransetzen, dass die Menschen, die uns ihr Vertrauen schenken, nicht enttäuscht werden." Spontan erhebt sich VW-Chef Ferdinand Piëch, um Hubbert als Erster zu gratulieren.

Ferdinand Piëch bekommt 1997 das Ehrenlenkrad für seine Verdienste. Auf die Frage nach der nächsten großen Sicherheitsinnovation sagt er damals: "Ein Radarsystem, das erkennt, was der Verkehr vor einem tut."
Bild: Niels Starnick / BamS
Jörg Kachelmann liefert die Pointe des Abends
Am selben Abend fragt Moderatorin Susan Stahnke den Meteorologen Jörg Kachelmann, wie das Wetter wird. Er: "Ich fürchte, es kippt."
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