Mercedes S 123 mit 5,6-Liter-V8
Traumkombi: der Mercedes 560 TE, den es nie gab

Tuner Ronald Roesen quetschte den legendären Mercedes-V8 in den 123er-Kombi. Das Ergebnis ist spektakulär: 272 PS und jede Menge Show!
Bild: Christian Bittmann/AUTO BILD
Er war fast ein Alleskönner, früher, dieser Mercedes 123, Baujahr 1982: Als 300 TD Turbodiesel war er sparsam, ohne ganz langsam zu sein, als T-Modell – also Kombi – auch praktisch, mit Stahlschiebedach, Klimaanlage, vierfachen Fensterhebern und schwarzer Lederausstattung auch ziemlich edel.
Aber aufregend? Oder wirklich schnell? Nein, das war dieser 125-PS-Mercedes nicht.

Sechs Chromzierstäbe pro Seite am Kühlergrill und weiße Blinkergläser sind Geschmackssache. Diese Mercedes T-Klasse (ver-)trägt Avantgarde.
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Optik-Tuning am Mercedes S 123
Als Auto-Restaurator Ronald Roesen aus Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein) das Exemplar gekauft hatte, störte er sich anfangs nur an der bürgerlichen Optik. Er lackierte die Karosserie in "Anthrazitmetallic" (Farbcode 172), zog einen schwarzen Dachhimmel ein, montierte ein Nardi-Lenkrad und dunkelte die Seiten- und Heckscheiben ab.

Sollten Sie jemals einen 123er-T mit doppeltem Endrohr vor sich auf der Autobahn sehen: Genießen Sie den kurzen Anblick.
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Ein Mercedes ohne Türschlösser?
Roesen baute die vorderen Türgriffe mit Schließzylindern aus, setzte statt ihrer jene der hinteren Türen ohne Schließzylinder ein. Und rüstete eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung nach.

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Tieferlegung und dreiteilige AMG-Räder auf Maximalbereifung waren dann Ehrensache.

AMG-Tiefbettfelgen mit anaboler Extrembereifung – jedenfalls für 123er-Verhältnisse. 255/40-17 hinten, 225/45-17 vorn!
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So viel Show rund um einen Diesel? Zum Originalmotor passte die Optik nach Roesens Vorstellung nun nicht mehr.
So kam der 560er-V8 in den S 123
Tuner Zufall führte ihn 2007 zu einem verrosteten, aber technisch einwandfreien Mercedes 560 SEC (C 126). Der inspirierte Roesen zu einer Organverpflanzung: Er entnahm dem Coupé den V8, das Automatikgetriebe, die Abgasanlage und die Achsen mitsamt Bremsanlage – und operierte all das in den 300 TD.

Maßarbeit: V8 im Motorraum der Mercedes 123. Zwischen Abgaskrümmer und Stehwände passt kein Daumen mehr.
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Es wurde eine ganz große, lange OP. Der V8 vom Typ M 117 passte haarscharf in den Motorraum. Aber dann die Anpassungsarbeiten: Abgasanlage, Motoraufhängung, Motor- und Automatikkühler, Heiz- und Klimaanlage aus dem Mercedes S 123 (wie der Kombi vom W 123 Mercedes-intern heißt). Wie sich das anfühlt und anhört, erzählen wir weiter unten.
Wie fährt sich der Tuning-Mercedes nun?
Das Ergebnis der Operation: ein Kracher! Schon die Optik ist eine Schau – mit zugekniffenen Augen geht das Tuning fast noch als zeitgenössisch durch.
Und wie fährt sich der Kombi mit 272 PS? "Der 560 TE strotzt vor Kraft", schreibt Kollege Lars Busemann in AUTO BILD KLASSIK 7/2025. "Beim Fahren erwischt man sich dabei, immer wieder das rechte Pedal durchzutreten, sich darüber zu freuen, wie immens die Fuhre nach vorn geht, um bei spätestens 100 km/h wieder zu verzögern, um das soeben Erlebte wiederholen zu können."

Das kleine Nardi-Lenkrad mag konservative Mercedes-Fans schockieren. Mutige belohnt es mit einem Hauch von Direktheit.
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Und der Sound? "Der 560 TE gibt mehr akustisch wahrnehmbare Lebenszeichen von sich als ein Serien-560 – von welchem er die Abgasanlage geerbt hat. Sie wurde nur in der Länge gekürzt. Aufdringlich? Niemals. Gänsehaut? Immer."

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Macht der V8 den Mercedes 123 perfekt?
Also der ideale 80er-Jahre-Mercedes? Das sieht Lars Busemann anders: "Entspanntes Cruisen wie im 560 SE liegt dem dicken Teewagen nicht. Zu sehr wummern die breiten Räder, zu hart federt das Fahrwerk. Forciertes Fahren [...] ist auch nicht des Kombis Domäne. Eine Frage des Zustands? Vielleicht. Aber eventuell auch des Konzepts. Jede klassische Mercedes-Baureihe ist dort zu Hause, wo die Antriebseinheit deren Wesenskern perfekt trifft."

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Das heißt für dieses Auto: "Ein nachgerüsteter V8 zerreißt das harmonische Konzept des komfortablen Funktionsautos. Das Auto wird schneller, als es konstruktiv je vorgesehen war. Die fraglos vorhandene Fahrsicherheit wird mit Härte erkauft."

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Wie dieser Mercedes 560 TE (S 123) im Vergleich mit einem ebenfalls handgemachten Mercedes 500 SEC 5.6 (C 107) und einem originalen Mercedes 560 SE (W 126) abschneidet, lesen Sie hier.
Technische Daten: Mercedes 560 TE (S 123)
Motor V8, vorn längs, eine oben liegende Nockenwelle je Zylinderbank, zwei Ventile pro Zylinder ● Hubraum 5547 ccm ● Leistung 200 kW (272 PS) bei 4800/min ● max. Drehmoment 430 Nm bei 3750/min ● Beschleunigung 0–100 km/h 7,4 s ● Höchstgeschwindigkeit 228 km/h ● Antrieb Vierstufen-Wandlerautomatik, Hinterradantrieb ● Länge/Breite/Höhe 4725/1786/1425 mm ● Verbrauch 16 l SP/100 km ● Gewicht 1740 kg ● Neupreis des Basisfahrzeugs 300 TD (8/1982) 34.431 Mark
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