Sein Besitzer ist Apotheker. Lothar Newels zirkelt seinen Rudolph Spyder gekonnt durch die Kurven des Rheintals bei Bonn. Herr Newels, mit welchem Medikament könnte man die Wirkung dieses Autos vergleichen? "Hm." Er überlegt, dann schüttelt er den Kopf. "Alle nicht verfügbar."
Besitzer des Rudolph Spyder am Steuer.
Besitzer Lothar Newels ist zwei Meter groß – er passt in die zweite Version des Rudolph Spyder, den Spyder S.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Es gibt Dinge, die kann nun mal nur ein Sportwagen. So einer wie dieser. Flach, leicht, offen, mit straffem Fahrwerk und direkter Lenkung. Viel Leistung wäre dazu nicht mal nötig. Mit dem Fünfventil-Turbomotor aus dem ersten Audi A4 (B5) hat ein Rudolph Spyder mindestens 150 PS. Der von Lothar Newels tendiert dank Tuning von Alfons Hohenester gegen 200 PS. Auf 810 Kilogramm.
Rudolph Spyder
Der Fünfventil-Turbo-Vierzylinder von Audi hängt in selbst entwickelten Gitterrohrrahmen, der feuerverzinkt und schwarz lackiert ist. Der Spyder basiert also nicht auf irgendeiner Serien-Plattform.
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Warum kennt kaum jemand dieses Auto? Vielleicht, weil sein Erfinder und Erbauer, Ralf Rudolph, nicht viel Wind um seinen stürmischen Roadster machte.

Der Erfinder: Ralf Rudolph

Nach der Lehre zum Elektroniker fing er ein Maschinenbaustudium an, erzählt er beim Fototermin im gemütlichen Tonfall der Eifel, und produzierte von 1984 an GFK-Kotflügel für Oldtimer. Zusätzlich stellte er auf Käfer-Basis GFK-Autos im Look des Karmann-Ghia her. Er schätzt, dass er 30 komplette Autos und an die 160 Bausätze verkauft hat.
"Irgendwann war ich der Käfer-Technik und der 50-PS-Motoren überdrüssig. Und habe mir überlegt, dass es vom Porsche-Rennwagen RS-60 keinen Nachbau gibt." Also entwickelte er einen: den Spyder. Mit GFK-Karosserie, klar.
Erfinder und Konstrukteur Ralf Rudolph
Ralf Rudolph hat den Rudolph Spyder konstruiert, designt und produziert.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD

Rudolph Spyder in Kleinserie

Gut zwei Jahre tüftelte er, vor allem am Formenbau. 1998 war das Auto serienreif. Der TÜV Süd erstellte das Mustergutachten – mit Testfahrten auf der Nordschleife: "2500 Kilometer unter Rennbedingungen. Der Prüfer gab die Rundenzeiten vor, danach wurde mit fluoreszierendem Lack geprüft, ob es Risse gab."
Rudolph Spyder fahrend von hinten
Exklusives Flacheisen: 1,08 Meter flach, zischt der Rudolph Spyder S am Scheitelpunkt der Kurve vorbei. Vier Rückleuchten vom Coupé Fiat, zwei Endrohre.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Bei der Geräuschprüfung krachte ein TÜV-Prüfer mit dem Auto in den Graben, erzählt Rudolph. "Da hatte ich Tränen in den Augen."
Kofferraum von im Rudolph Spyder
Im Kofferraum: Tank, Heizung, Bremskraftverstärker und Bremsflüssigkeitsbehälter. Bleibt noch Platz für eine Zahnbürste und ein kleines Handtuch.
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Der TÜV zahlte, der Spyder kam auf den Markt – noch sechs Zentimeter flacher und acht Zentimeter kürzer als unser Foto-Auto.
"Da kam ein Kunde, groß und schwer, der war traurig, dass er nicht hineinpasste. Also habe ich den Spyder S entworfen", mit 2,40 statt 2,32 Meter Radstand, Kurbelfenstern statt Steckscheiben aus Macrolon und einem Targabügel zum Aufschrauben.
Rudolph Spyder
Mehr als genug: das reduzierte Cockpit mit sechs Rundinstrumenten, einem Radio, fertig. Den Silbermetallic-Ton und die Lederfarbe Ascot-Braun hat sich Besitzer Lothar Newels vom Porsche Carrera GT abgeguckt. Schalensitze mit Hosenträgergurten.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Glück für Lothar Newels. Denn er ist zwei Meter groß. Sein Kopf ragt nur ein bisschen über den Scheibenrahmen, weil der Fahrersitz für ihn direkt an den Boden geschraubt ist, ohne Konsole, nicht verschiebbar.
VDO-Tacho im Porsche-Stil bis 300 km/h, Drehzahlmesser ohne roten Bereich. In der Mittelkonsole sitzen zusätzlich Öltemperatur- und -druckanzeige.
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Er schätzt am Spyder, dass er "ein nicht auftragendes Fahrzeug ist. Er wirkt nicht prollig. Und er ist keine eierlegende Wollmilchsau mit elektrischem Verdeck und Anhängerkupplung." Wenn der Targabügel nicht drauf ist, lässt sich auch kein Verdeck schließen.
gelochte Fensterkurbel im Rudolph Spyder
Das Urmodell hatte Steckscheiben aus Macrolon, der größere Spyder S hat Kurbelfenster. Luxus!
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Warum Rudolph nach 20 Autos aufhörte

20 Spyder stellte Rudolph her, dann hörte er auf – nicht wegen Insolvenz, das ist ja das typische Ende solcher Sportwagen-Start-up-Geschichten, sondern wegen der Zulassungsregeln. Seit der Abgasnorm Euro 5 wird es komplizierter, zulassungsfähige Autos zu bauen. "Heute müssen Sie mit dem Motor alle Steuergeräte des Spender-Autos übernehmen, bis hin zu den Fensterhebern, weil alles so vernetzt ist", sagt Rudolph. "Das hat dazu geführt, dass fast alle Kit-Car-Hersteller das Handtuch geworfen haben."
Werkstatt von Rudolph
In Obergartzem in der Eifel baute Ralf Rudolph unter anderem GFK-Karosserien im Karmann-Ghia-Stil, den Diardi im Stil des Lotus Seven (verdeckt), ...
Bild: privat
Rudolph Spyder C
... den Spyder (hier das letzte von 20 Exemplaren, Modell Spyder C) ...
Bild: privat
E-Auto für die FH ­ Dortmund in ­Karmann-Optik
... und ein Elektroauto für die Fachhochschule­ Dortmund in­ Karmann-Ghia-Optik.
Bild: privat
Ende der Geschichte?
Vielleicht nicht: Rudolph hat noch die Formen, um die Spyder-Karosserien herzustellen, die Schweißlehren für die Rahmen, "alles, was dazugehört". Wenn ihm jemand all das abkauft, könnte es wieder neue Spyder geben. "Wenn ein Start-up käme mit Elektroantrieb und ein Auto bräuchte, wäre es wieder interessant."
Denn: kein Verbrenner, keine Abgasnorm. Fünf Elektro-Spyder wurden schon gebaut. Aber als wir noch mal das Heck hochklappen und den Audi-Vierzylinder sehen, lächelt Ralf Rudolph. "War 'ne schöne Zeit."

Technische Daten

Technische Daten
Motor
Reihenvierzylinder (AWT) Mitte längs, zwei obenliegende Nockenwellen, fünf Ventile pro Zylinder, elektronische Einspritzung, Turbolader, Ladeluftkühlung
Hubraum
1781 ccm, Bohrung x Hub 86 x 81 mm
Leistung
ca. 142 kW (193 PS) bei 5900/min
max. Drehmoment
k. A
Beschleunigung 0–100 km/h
k. A.
Höchstgeschwindigkeit
214 km/h
Antrieb
Fünfgang-Schaltgetriebe, Hinterrad
Verbrauch
k. A.
Länge/Breite/Höhe
3820/1600/1080 mm
Radstand
k. A.
Leergewicht
810 kg
Neupreis
(2009) ab 37.000 Euro (mit 150 PS)

Kommentar

Respekt an Ralf Rudolph und sein kleines Team, was sie da auf die Beine gestellt haben! Dass ein so schnelles, so schönes und vor allem so sel­tenes Auto heu­te kaum mehr wert ist als sein Neupreis, zeigt: Bekanntheit weckt Begehren – Kunden suchen eher nach einem YES! Roadster oder einem Artega als nach diesem Geheimtipp.