Sie wollten schon immer einen Zweisitzer aus den 60er-Jahren haben, am liebsten fast geschenkt? Na bitte, hier ist Ihre Chance: Dieser wird verlost, jedes Los kostet nur fünf Euro.
Allerdings: Sie wollten schon immer einen Lieferwagen mit 17 PS haben? Nein? Verständlich. Sehen Sie sich dieses Goggomobil trotzdem mal an. Jede Wette: Wenn Sie damit durch die Gegend knattern, sehen Sie ständig lächelnde Menschen.
Verblechte hintere Seitenscheibe beim Goggo
Manche Käfer-Fahrer suchen verzweifelt nach historischen Dachgepäckträgern als Accessoire – bei diesem Liefer-Goggo war der Dachträger immer schon dabei. Blech statt Fenster führte auch in Spanien zu verbilligter Kfz-Steuer.
Bild: Goggo-und Glasfahrergemeinschaft Dingolfing

Was für ein Auto ist das?

Das Goggo war eines der erfolgreichsten Kleinstwagenmodelle der 50er- und 60er-Jahre in Deutschland. Das Goggo? Fans sagen zum Motorroller, der Goggo hieß, "der Goggo"; da das Auto offiziell Goggomobil hieß, nennen die in der Wolle gewirkten Goggoisten es "das Goggo". Die meisten sagen aber "der Goggo" auch zum Auto.
Dieses Exemplar hier – gebaut 1963, erstmals zugelassen 1964 – ist aber etwas ganz Spezielles und in Deutschland wahrscheinlich einzigartig: die spanische Lieferwagen-Variante Comercial. Statt einer Rücksitzbank hat das Wägelchen eine hölzerne Ladefläche – nicht gerade perfekt zugänglich, zugegeben. Praktischer ist da schon der Dachgepäckträger: Da das Auto so winzig ist, muss man Ware nicht so furchtbar hoch hieven. Für die spanische Zulassung als Lieferwagen (also mit geringerer Kfz-Steuer!) hat der Comercial statt hinterer Seitenscheiben Blech.
Cockpit des Goggomobils
Elfenbeinfarbenes Lenkrad, ein paar verstreute Schalter, Tacho bis 120 (Angeber!). Tempo 90 schafft er aber. Auf zum Kunden!
Bild: Goggo-und Glasfahrergemeinschaft Dingolfing
Wer 17 PS für schwach hält, sollte mal ein Goggo mit den üblichen 250 Kubik und 13,6 PS fahren. Dieser kleine Spanier hat den souveränen und seltenen 350-cm³-Motor. Und das Autochen ist – ohne Ladung – nur 390 Kilogramm leicht, sodass es damit ganz respektabel in die Gänge kommt.
Zweizylinder-Zweitaktmotor des Goggomobils
Zweizylinder-Zweitaktmotor im Heck mit 350 Kubik, 17 PS, Gebläse und Dynastartanlage. Der Verbrauch wird mit 5,3 Liter Gemisch angegeben.
Bild: Goggo-und Glasfahrergemeinschaft Dingolfing

Warum wurden Goggos zu Lieferwagen umgebaut?

Angesichts der winzigen und schlecht zugänglichen Ladefläche innen fragt man sich schon: WARUM? Tja, zum einen gab es Anfang der 60er-Jahre sicherlich einen Bedarf von Betrieben für billige Autos. Da es in industriearmen Spanien bis 1957 nur sehr wenige Autos gab, war auch ein Gebrauchtwagenmarkt nicht vorhanden.
Hintere Ladefläche im Lieferwagen Goggomobil Comercial
Rücksitzbank für Straftäter? Nein, das ist die Ladefläche. Wirklich. Eher für Päckchen als für Pakete geeignet. Es gibt ja noch den Dachgepäckträger. Kategorie der Fahrt: Leichttransport mit Unterbreite.
Bild: Goggo-und Glasfahrergemeinschaft Dingolfing
Zum anderen gab es seit 1957 in Spanien dieses eine Modell, das fast als einziges die Straßen bevölkerte: den Seat 600. Er war größer und stärker als das Goggomobil, damit war das Goggo als viersitzige Limousine nicht sehr konkurrenzfähig. Nun stellte die kleine Autofabrik Munguía in der Nähe von Bilbao aber von 1962 bis 1966 Goggomobile in Lizenz her. Sie suchte also ihr Heil in der Nische: baute verlängerte Limousinen und diesen betont schlicht ausgestatteten Comercial; später kamen sie auf die bessere Idee, dem Goggo einen Blechkasten auf den Buckel zu konstruieren, ähnlich wie bei der Kastenente – diesen Wagen nannte der Hersteller Furgoneta.

Woher stammt dieses Goggomobil?

"Da im Spanien der 60er- bis 80er-Jahre Nutzfahrzeuge normalerweise komplett aufgebraucht wurden, kann man heute eigentlich nur noch mit Riesenglück ein solches Mobil als Ruine in einem Olivenhain finden", schreibt die Goggo- und Glasfahrergemeinschaft Dingolfing, die dieses Exemplar verlost. Und: "Dieser Comercial ist das einzige Fahrzeug dieser Art in Deutschland. Es gelangte auf Umwegen von Spanien über die Niederlande zum jetzigen deutschen Besitzer. Präsentiert wird es mit den originalen alten Kennzeichen des Erstbesitzers in Valencia."
Goggo Comercial von schräg vorn, Fahrerseite
Goldstaub: Die originalen alten Kennzeichen des Erstbesitzers in Valencia sind noch am Auto!
Bild: Goggo-und Glasfahrergemeinschaft Dingolfing
Szenekenner haben dieses Auto schon 2019 auf der Classic-Gala Schwetzingen gesehen oder 2022 in der Glas-Sonderausstellung im Automuseum Central Garage in Bad Homburg.
Die Firma Uwe Staufenberg – Händler für Goggomobil-Ersatzteile – hat das Auto nun für die Verlosung gestiftet. Diese Firma hat ihren Sitz in einer autoverrückten Gegend Schwabens: in Weiler zum Stein, sieben Kilometer von der AMG-Heimat Affalterbach entfernt.

Wie kann man das Goggo gewinnen?

Die Goggo- und Glasfahrergemeinschaft Dingolfing (GFG) in Bayern verlost dieses Auto. Pfingsten 2025, also vom 6. bis 9. Juni, feiert der Glas Automobilclub International in der Goggo-Stadt Dingolfing ein großes Geburtstagsfest, denn das Goggomobil wird 70. Dort kann man bis zum 7. Juni Lose kaufen. Leider hat die GFG den Versand von Losen schon beendet und bietet keine Online-Verlosung an; wer Pfingsten zufällig nicht in Dingolfing verbringt und niemanden dort hat, hat dieses Mal Pech gehabt.

Was passiert mit dem Erlös?

"Der Reinerlös wird an die Lebenshilfe Dingolfing-Landau e. V. und an die TfK, Technik für Kinder e. V., Technikhaus Dingolfing, übergeben", meldet die GFG.