Fahrbericht Volvo Jakob

Volvo ÖV4 Jakob: Fahrbericht

Autofahren wie vor 100 Jahren

In den 1920ern erregte der Volvo Jakob Aufsehen. Wie fährt sich so einer eigentlich ein Jahrhundert später? AUTO BILD hat's ausprobiert.
Jakob steht bereit. Der älteste Volvo, dessen Prototyp am Jakobstag 1927 vorfuhr – daher der Spitzname. Als Aufseher fährt Lars Nilsson aus der Museumswerkstatt mit. Große Hände, strenger Blick: Bau keinen Mist!

Lenkpräzision war vor 100 Jahren ein Fremdwort

Nicht ganz leicht auf Kurs zu halten: Die Lenkung des Volvo funktioniert wie eine Wünschelrute.

Wie Lars, den alle Larrö nennen, ziehe ich den rechten Schuh aus. Das Gaspedal ist ein kleiner Knopf, eingezwängt zwischen Bremse und Schalthebel. Da passt kein Schuh dazwischen. Der Volvo macht feuchtere Hände als jeder Ferrari. Der hat wenigstens Bremsen, Elektronik und Ersatzteile vom Band. Jakob hat davon nichts. Die Bremse wirkt nur hinten, die Lenkung wie eine Wünschelrute. Auweia! Die drei Gänge sind unsynchronisiert. Wie war das noch? Raufschalten mit zweimal kuppeln, um die Zahnräder zu besänftigen, runterschalten mit Zwischengas. Und viel Gefühl. Die Kupplung schnappt so plötzlich wie ein Krokodil. Jetzt der zweite Gang, zweimal kuppeln. Das Krokodil beißt zu, Jakob (offiziell: ÖV4) kracht. Wie peinlich.

Am Ende gelingen nur zwei leise Gangwechsel

Schwer zu schalten: Das unsynchronisierte Dreigang-Getriebe erfordert sehr viel Übung.

Beim Abbiegen fehlt mir für den Blinker gerade die Aufmerksamkeit. Als ich euphorisch den dritten Gang drin habe, muss ich auch zweimal runterschalten. Zwischengas geht nicht, das Krokodil beißt weiter. Jakob beschwert sich kratzend, Larrös Blicke durchbohren mich wie glühende Schwerter. Sorry! 28 PS hat der Jakob, statt versprochener 90 km/h schafft er 60, aber die enorm schweißtreibend. Nach einem Kilometer gelingt der erste lärmfreie Schaltvorgang. Langsam beginne ich, die Fahrt zu genießen. Lenke schon gegen, bevor er aus der Spur läuft. Guter Jakob, lieber Jakob. Der einzige fahrfähige von über 200 Stück, so fing Autobau in Schweden an. Am Schluss zwei leise Gangwechsel, ich bin der König! Und kann mich an jeden Meter erinnern. Vergiss jeden Ferrari. Scusi, Ferrari. Larrö guckt beim Aussteigen entspannt. Ein warmer Händedruck. "Gut gemacht!" Zwei Wörter, mehr wert als eine Eins im Abi.
Das Fazit Was für ein Erlebnis: Der Jakob zeigt, wie simpel und haltbar Volvo anfing. Und welche Fortschritte die Marke und das Autofahren seitdem gemacht haben.

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