Benz & Cie. sind Anfang des 20. Jahrhunderts der größte Automobilhersteller der Welt, die Fahrzeuge sind zuverlässig, die Kunden zufrieden. Da gibt Firmengründer Carl Benz 1909 grünes Licht für ein ehrgeiziges Projekt: Er möchte ein Fahrzeug, dass alle bisherigen Geschwindigkeitsrekorde einstellt – Flugzeuge und Schienenfahrzeuge eingeschlossen! Technische Basis für das Rekordfahrzeug ist der Grand-Prix-Benz, doch dessen Motor ist mit 150 PS zu schwach, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen. Die Lösung: Die Techniker erweiterten den Hubraum des Vierzylinders – auf unglaubliche 21.504 ccm! Das 407 Kilogramm schwere Aggregat leistet nun 200 PS bei 1600 U/min und wird in das überarbeitete Fahrgestell des Benz-Grand-Prix-Wagens eingebaut, der Blitzen-Benz ist geboren.

Der Blitzen-Benz war zu schnell für die Rennstrecken

Blitzen Benz
Bild: Werk
Am 8. November 1909 präsentiert Benz-Werksfahrer Victor Hémery den Blitzen-Benz in England auf der gerade erst eröffneten Rennstrecke von Brooklands. Und stellt dabei gleich einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord auf: Mit fliegendem Start erreicht er über einen Kilometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 202,648 km/h. Damit durchbricht Hémery erstmals in Europa die magische Marke von 200 km/h. Doch bei den Rekordfahrten des offiziell Benz 200 PS genannten Wagens ergibt sich ein Problem: Keine europäische Rennstrecke ist für das Tempo von über 200 km/h ausgelegt. Benz findet taugliche Strecken in den USA, und rasch steht fest, dass die Reise dorthin gehen wird.

Doppelt so schnell wie ein Flugzeug

Ein kluger Schachzug, denn die Vereinigten Staaten waren schon vor 100 Jahren ein besonders wichtiger Markt. 1911 engagiert Benz den ehemaligen Buick-Rennfahrer Bob Burman als Werksfahrer. Burman tritt am 23. April 1911 in Daytona Beach an, der breite und lange Strand eignet sich wunderbar für die Rekordversuche. Er erzielt auf der fliegenden Meile eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 225,65 km/h, auf dem fliegenden Kilometer 228,1 km/h – ein neuer Landgeschwindigkeitsrekord, der bis 1919 ungeschlagen bleibt. Damit ist der Benz doppelt so schnell wie ein Flugzeug der damaligen Zeit, auch der Schienenfahrzeug-Rekord von 1903 (210 km/h) ist übertroffen. Heute existieren nur noch drei Exemplare des Blitzen-Benz. Ein 1935er Blitzen-Benz ist im Mercedes-Benz-Museum zu besichtigen.