Kompakt, scheinbar vor Kraft strotzend – so steht er da: der neue Mittelklasse-Audi. Dabei ist die Modell-Palette, bis auf die Spitzenmotorisierung (jetzt 1,9 Liter, bislang 1,8 Liter) und die Tatsache, dass es ihn jetzt ausschließlich viertürig gibt, ganz die alte geblieben. Doch Audis Achtziger des Jahrgangs 1986/87 sieht einfach viel stärker aus als der Vorgänger. Die Form der Karosserie und jedes Detail sind ein Diktat der Aerodyna­mik. Das sieht man, und das spürt man. Ein cW-Wert von 0,29 kommt schließlich nicht von ungefähr. Schon die Hand, die die Audi-Tür öffnet, schlupft quasi unter die Haut der Karosse­rie. Der Audi 80 ist glatt wie ein Aal – auch im Bereich des Wagenbodens. Doch, bitte, steigen Sie erst einmal ein und betrachten Sie das Gefährt von innen.
Der erste Eindruck: Alle Achtung! Alles wirkt irgendwie nobel. Von wegen Billig-Plastik. Die schwarze Cockpit-Verscha­lung fließt auch in die Türverkleidung über, wie man das sonst fast nur in der Nobel-Klasse kennt. Der Fahrer und vor allem auch der Beifahrer fädeln die wohlbehüte­ten Beine in halbrunde Zellen ein. Der Bei­fahrer fühlt sich als echter Copilot. Der Audi 80 1,9 E, in dem AUTO BILD die ersten Kilometer zurücklegt, bietet vorne hervorragenden Sitzkomfort: Ausgeprägte Seitenwülste drücken unten sanft an die Schenkel und stützen oben die Rippen. Al­lerdings: Bei den Basismodellen gilt das nur mit Abstrichen. In allen gleich per­fekt: die Deutlichkeit der Instrumente. Keine Uhr, kein Schalter, der getadelt werden musste. Und beim Blick nach hinten bleibt nichts unerkannt: Das kurze Stum­mel-Heck begünstigt präzises Einparken. Beim neuen Audi 80 wurde vieles besser und größer.
Allerdings: Der Kofferraum wurde um ein Fünftel kleiner. Fassungs­vermögen: 401 Liter nach VDA-Quadermessung. Bei den Frontantriebsmodellen blieb er glattflächig und durch die niedrige Ladekante gut beladbar. Apropos Stummel-Heck. Das hat auch seine Tücken. In der quattro­-Ausführung zum Beispiel offenbart sich ein mickriges und zudem zerklüf­tetes, schlecht zu beladenes Gepäck­abteil. Zwar ist die Lade­kante auf Stoßfänger-Höhe, aber 325 Liter sind einfach zu wenig. Die Normalversion bietet immer­hin 401 Liter und eine ebene Ladefläche. Die Rückbank lässt sich nicht umklappen. Der Tank steht hinter den Rücksitzen – ergo: Durch­laden Fehlanzeige. Gegen harte Extra-Mark gibt's als Notlösung einen fünf Liter kleineren Tank mit zwei Höckern, damit we­nigstens ein Paar Ski rein­ passen. Und noch ein Karosse­rie-Manko: Der Einstieg nach hinten ist denkbar eng.