Autohäuser in Deutschland
Mal nobel, mal normal

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AUTO BILD Archiv-Artikel 13/1987: Ein Volks-Wagen, eine Edel-Karosse – zwei Autos, zwei Welten: nüchterne Sachlichkeit beim Familienwagen trifft vornehme Verspieltheit und dicke Teppiche im besonders noblen Autohaus.
Nein, ich bitte Sie – wir verkaufen doch keine Autos. Wir helfen nur. Wir helfen unserem Kunden bei seiner Überlegung, einen Riesen-Unsinn zu machen. Nein, Autos verkaufen wir wirklich nicht. Allenfalls versorgen wir ihn mit einem Wagen." So spricht, wohltemperiert wie der Moét & Chandon auf den Mahagoni-Tischen, Hans Günter Lehmann (49), Inhaber von Europas vornehmstem und nobelstem Autohaus. In Köln, Aachener Straße 86 bis 88 "versorgt" Herr Lehmann seine Klientel mit Rolls-Royce – und wenn es denn unbedingt sein muss, auch mit den gehoben ausgestatteten Jaguar-Fahrzeugen. Nein, er ist beileibe kein Autohändler, "denn bei mir wird nicht gehandelt".
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Unter der fünfzackigen Goldkrone Royal Motors wird gespielt, sinnlich gespielt mit der Lust des Kunden am Geldausgeben. Niemals würde Hans Günter Lehmann von seiner Zielgruppe sprechen. Pfui! "Ich ziele doch auf niemanden, schließlich will ich ja nichts von meinen Kunden, die wollen ja etwas von mir." So darf denn noch lange nicht jeder bei Herrn Lehmann ein- und ausgehen, selbst wenn er 400.000 Mark in bar für einen Rolli im Koffer hat. Der Herr Geschäftsführer erinnert sich noch mit Abscheu an den Tag, als drei Männer aus dem Hamburger Kiez-Milieu "bei mir Einlass begehrten: Ich habe sie nicht hereingelassen, obwohl sie alle einen Rolls-Royce kaufen wollten."
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Nein, das könne er sich nicht erlauben, derartige Herrschaften zu bedienen. Wenn sich das bei seinen Kunden herumspräche, dann würden all die Udo Jürgens, Tina Turners, Fürsten und Prinzen von Sowieso hinter vorgehaltenen Champagnergläsern tuscheln: "Seht, der hat das nötig, bei dem können wir auch nicht mehr verkehren." Wer bei Lehmann verkehrt, der muss in der Tat erst durch ein langwieriges und strenges Ritual beweisen, dass er zur Créme de la créme gehört. Es gibt keine Verkaufsgespräche und keine Vorverhandlungen. Man stolpert auch nicht sogleich, kaum dass man die Begierde auf einen Rolls-Royce in seinem Herzen entdeckt hat, tölpelhaft zum Lehmann und fragt etwa mit ausgestrecktem Zeigefinger: "Was kost'n der da?"
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