Der Vorsprung durch Technik ist noch kein Werbespruch, aber es gibt ihn bereits. Als der Audi 80 im Juli 1972 auf den Markt kommt, ist er das modernste Auto im VW-Konzern. Audi-Entwickler Ludwig Kraus hatte das Glück, mit einem leeren Blatt Papier beginnen zu dürfen – am Ende steht ein hochmoderner Fronttriebler, sehr leicht und trotzdem solide gebaut, mit vorbildlicher Raumökonomie. Der Audi 80 bietet innen mehr Platz als sein noch aus der DKW-Ära stammender Vorgänger Audi 60/75, obwohl er beachtliche 20,5 Zentimeter kürzer ist. Die schlichte, saubere Linienführung wirkt selbst 40 Jahre später noch nicht verstaubt, das Interieur mit dem Holzdekor hochwertig und attraktiv.
Audi 80 GL
Als Zweitürer mit ungeteilter hinterer Seitenscheibe wirkt der Audi 80 besonders elegant.
Ganz neue Motoren treiben den Audi 80 an, Vierzylinder wie aus dem Schulbuch – mit dem damals modernen Zahnriemenantrieb für die Nockenwelle. 55 PS bilden die Basis, 30 mehr ziehen den GL voran, von außen an den Halogen-Doppelscheinwerfern zu erkennen. Selbst für heutige Begriffe wirkt die 914-Kilogramm-Limousine munter. Daran ändert auch die Dreistufenautomatik nichts, die sich der Käufer unseres Testwagens damals für 950 Mark bestellt hat. Sie fällt durch spontane Reaktionen und schnelle, wenn auch nicht ganz ruckfreie Gangwechsel auf. Das selten georderte Komfort-Extra passt gut zum Motor, der schon bei geringen Drehzahlen kräftig durchzieht und auch beim Ausdrehen leise und kultiviert läuft.

Test: Kleinwagen der 70er

Dem Vorderradantrieb haben die Audi-Techniker durch einen Trick Manieren beigebracht. Die neuartige Vorderachsgeometrie mit dem sogenannten negativen Lenkrollradius minimiert die spürbaren Antriebseinflüsse und fördert die Spursicherheit, wenn auf unterschiedlich griffigem Untergrund gebremst werden muss. Das Ergebnis überzeugt noch heute: So handlich und fahrsicher ist keiner der Rivalen. Die Verbundlenker-Hinterachse des Audi gehört ebenfalls zum Prinzip der genialen Einfachheit. Die geringen ungefederten Massen lassen sich leicht im Zaum halten, womit ein Federungskomfort erzielt wird, von dem Starrachsen-Verfechter der 70er-Jahre nur träumen können.

Von

Götz Leyrer