Lada Niva: Gebrauchtwagen
Nur gut, wenn er nicht im Gelände war

– AUTO BILD Archiv-Artikel 21/1987: Als Neuwagen sind Geländeautos nach wie vor in Mode. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt aber lassen sie sich immer schwerer verkaufen. Besonders der Lada Niva.
Noch nie war der Zeitpunkt so günstig, einen Geländewagen aus Zweit- oder Dritthand zu kaufen. Das Angebot ist groß, die Nachfrage klein. Besonders hart betroffen sind Verkäufer von älteren Lada‑Niva-Modellen. Selbst gut erhaltene Exemplare lassen sich derzeit nur unter Listenpreis an den Mann bringen. Doch aufgepasst: Wer einen gebrauchten Geländewagen kauft, kann nicht vorsichtig genug sein. Denn in der Regel begnügen sich Besitzer dieser Fahrzeuge nicht allein damit, dass im Prospekt die Geländetauglichkeit ihres Fahrzeugs beschrieben steht. Einige von ihnen probieren den Allradantrieb in einer nahe gelegenen Kiesgrube aus.
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Und weil's so viel Spaß macht und man nicht genug davon bekommen kann, wird's so oft wie möglich wiederholt – erst ganz behutsam und zu guter Letzt mit allen vier Rädern in der Luft. Dem Lada Niva bekommen solche Freiflüge selten gut. Nur ein einziger Gewaltmarsch über Stock und Stein kann dem Russen so nachhaltig zusetzen, dass hinterher der Defektteufel erbarmungslos zuschlägt. Schauen Sie also auf jeden Fall unter den Wagen, wenn Sie sich für einen gebrauchten Niva interessieren. Zeigen sich dort nur die geringsten Anzeichen von Bodenberührungen an Achsen, Motorölwanne, Differentialgetrieben oder am Bodenblech, dann überlegen Sie sich den Kauf lieber zweimal.
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Im Zweifelsfall ist es ratsam, die Finger von einem geländeerprobten Exemplar zu lassen. Auch dann, wenn es oberhalb des Bodenblechs tadellos aussieht. Als Gebrauchtwagen-Interessent sollte man sich beim Lada Niva grundsätzlich vor ungepflegten Exemplaren in acht nehmen. Zeigt sich hier und da bereits der erste Rostansatz, dann dauert es in der Regel nicht mehr lange, bis sogar tragende Teile faustgroße Löcher haben. Gemessen am westlichen Standard, sind Korrosionsschutz-Vorsorgemaßnahmen in Russland weitgehend unbekannt. Umso wichtiger ist es für den Niva-Fahrer, sein Fahrzeug frühestmöglich zu konservieren.
Feuchbiotop im Fußraum
Lassen Sie sich also von dem Verkäufer zeigen, was er gegen die rote Blechpest unternommen hat. Anderenfalls dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihnen der Wagen im Alter von vier bis fünf Jahren buchstäblich unter dem Po wegrostet. Lada-Karosserien sind nicht nur stark rostgefährdet, sie klappern auch gerne und neigen zur Undichtigkeit. Kleinere Pfützen im Fußraum nach Regenfahrten treten also genauso häufig auf wie rappelnde Türen. Eine weitere Schwäche des Russen zeigt sich bei Dunkelheit. Niva-Fahrer stehen mit der Elektrik ihres Gefährts auf Kriegsfuß, bis sie die anfällige Lada-Technik gegen solche aus den Bosch-Regalen ausgetauscht haben.
Komfort wie ein russischer Panzer
Eine gravierende Niva-Schwachstelle haben die russischen Techniker selbst beseitigt. Seit Anfang 1982 kommen verstärkte Differentialgetriebe zum Einsatz, die jetzt wenigstens dem gemäßigten Geländebetrieb standhalten. Geblieben ist jedoch bei den Vorderachsen der frühzeitige Verschleiß der Antriebsgelenke und der Spurstangenköpfe. Achten Sie bei der Probefahrt auf unzulässig großes Spiel. Wobei Sie nicht erschrecken sollten, wenn sich das Auto nur mit großer Kraft lenken lässt. Auch das knüppelharte Fahrwerk ist normal. Mit defekten Stoßdämpfern haben die Schläge beim Durchfahren von Straßenunebenheiten jedenfalls nichts zu tun. Überhaupt: Einen gebrauchten Lada Niva sollten nur jene Käufer in Betracht ziehen, die bereit sind, auf Fahrkomfort zu verzichten und die mit den bauartbedingten Schwächen des Russen leben können. Weitere Voraussetzung ist, dass Sie eine Lada-Vertretung in Ihrer Nähe haben, es sei denn, Sie können sich in der Not selbst helfen.
Gesamturteil: bedingt empfehlenswert
Gesamturteil: bedingt empfehlenswert
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