Oldtimer: Behindertengerechter Fahrzeugumbau
Mit Stil mobil

Sie springen Fallschirm, fahren Motorrad und laufen Ski – obwohl sie im Rollstuhl sitzen. Da kann auch ein Oldtimer keine Hürde sein. Karl Stückle zeigt seinen behindertengerechten Mercedes-Benz 280 SE 4.5, Lothar Budwill seinen Käfer.
- Barry Noggins
Ein letzter Schwenk. Noch 25 Meter bis zur Landung. "Ich hatte einfach den Wind falsch eingeschätzt", sagt Lothar Budwill (38) aus Gottmadingen. Die Bö beschleunigte seinen Fallschirm. Es kam ein harter Schlag. Und ein anderes Leben. Vor sechs Jahren war das. Die Ärzte schauten besorgt: Inkomplette Querschnittslähmung, lautete wenig später ihre Diagnose. Lothar Budwill lag noch im Krankenhaus, als er seinen DKW 1000 Sp verkaufte. Mit Hobbys, glaubte er, sei nun Schluss. Doch heute ist er im Winter auf Pisten unterwegs, in einem Spezialsitz auf einem Monoski. Mehrere Fallschirmsprünge hat er bereits wieder hinter sich, und weil er Glück im Unglück hatte, dazu viel trainierte, kann er heute kurze Strecken zu Fuß gehen.
Alles ist original an dem Käfer 1300 von 1973

Bild: Markus Brass
Große Herausforderung beim Mercedes 280 SE 4,5: die Kupplung

Bild: Markus Brass
Die Hebelei, ein Standardgerät, liegt perfekt in der Hand. Ergonomisch günstig sitzt sie am Mitteltunnel der S-Klasse. "Es musste kein zusätzliches Loch gebohrt werden", betont Stückle. Nach hinten stützt sich das System, das die Firma Reha Autotechnik Heinrich montierte, direkt an der Sitzaufnahme ab. Nach dem Lösen einiger Schrauben lässt es sich ausbauen, ohne Spuren zu hinterlassen. Der Originalzustand des Klassikers bleibt gewahrt. Doch mit diesen Lösungen ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. "Mit individuellen Ideen lässt sich nahezu jeder Klassiker auf reinen Handbetrieb umrüsten", sagt Felix Liehr aus Schorndorf.
Der Spezialist für behindertengerechte Fahrzeugumbauten hat einen mechanischen Handgasring konstruiert, der dem Fahrer erlaubt, beide Hände am Lenkrad zu lassen. Bei Oldtimern ohne Servolenkung ist das eine große Hilfe. Eine große Herausforderung ist jedoch die Kupplung. Es gibt zwar Systeme mit Stellmotoren, die über die Motordrehzahl angesteuert werden. "Bis das Kuppeln überhaupt funktioniert, muss man endlose Stunden programmieren und testen", weiß Felix Liehr, "und perfekt wird es nie."
Besonders bei Temperaturschwankungen reagiert die Konstruktion empfindlich, klagen Benutzer. Deutlich zuverlässiger arbeitet eine ingeniöse Lösung, die auf Hydraulik setzt. "Mit Elektronik allein kommt man nicht überall weiter", sagt Peter Grundmann aus Dortmund. Der Maschinenbauer, der seit 40 Jahren als technischer Berater des André Citroën Clubs fungiert, hat bereits vor Jahren eine hydraulische Kupplungsbetätigung entwickelt. Sie hat sich in der Praxis bestens bewährt. Nur preiswert ist sie leider nicht: Allein 1500 Euro kosten die Industriepumpe und das Material, dazu addieren sich endlose Stunden des Tüftelns und Anpassens. "Es braucht viel Geduld und Erfahrung", sagt Peter Grundmann, "dafür funktioniert es am Ende auch."
Adressen
• Felitec Fahrzeugtechnik für Behinderte Felix Liehr, Wiesenstraße 72, 73614 Schorndorf, Telefon 0 71 81-4 58 32
• REHA Autotechnik Ralf Heinrich, Talweg 1, 69253 Heiligkreuzsteinach, Telefon 0 62 20-12 99
• Petri + Lehr Hans-Böckler-Straße 1, 63128 Dietzenbach, Telefon 0 60 74-7 28 76 10
• Költgen Behindertengerechter Fahrzeugumbau Oberbernrader Straße 407, 47804 Krefeld, Telefon 0 21 51-70 12 36
• Peter Grundmann Technischer Referent des André Citroën Clubs, Telefon 02 31-4 05 43
• REHA Autotechnik Ralf Heinrich, Talweg 1, 69253 Heiligkreuzsteinach, Telefon 0 62 20-12 99
• Petri + Lehr Hans-Böckler-Straße 1, 63128 Dietzenbach, Telefon 0 60 74-7 28 76 10
• Költgen Behindertengerechter Fahrzeugumbau Oberbernrader Straße 407, 47804 Krefeld, Telefon 0 21 51-70 12 36
• Peter Grundmann Technischer Referent des André Citroën Clubs, Telefon 02 31-4 05 43
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