Die Ape (zu Deutsch Biene) der Rollerfirma Piaggio ist eine Vespa (Wespe), die zum Arbeitsdienst vergattert wurde und nicht zum süßen Papagallo-Leben, also zum Auf- und Absummen vor den Eisdielen und Dorfbrunnen, an denen sich die hübschen Mädchen rumtreiben. Mit der Ape werden weder Gianna noch Gina umschwärmt, auf ihrer Ladefläche hinten liegen Zementsäcke und Betonmischer vielleicht auch Kisten mit frischem Obst. In ihr sitzen griesgrämige alte Männer.
Piaggio Ape 50
Mit 50 Kubikzentimeter Hubrum gilt die Ape 50 als Moped. In Italien ist sie der Basistransporter der Mikrowirtschaft.
Die Ape vereinigt die Nachteile des Motorrads (kippt um) mit denen des Autos (ist breit), sie ist weder für Reisen noch für AUTO BILD KLASSIK-Tests prädestiniert. Aber sie ist vielseitig. Der malerische Kran unseres leicht mitgenommenen 1990er Modells lässt sich in drei Minuten demontieren, dann ist die Ape ein Pick-up. Als genügsamer Kleinsttransporter schont sie den Geldbeutel. Ihr Motor hat bloß 50 Kubikzentimeter Hubraum, damit in Italien schon 14-Jährige randürfen, die das Gerät erbarmungslos tunen. Wer das überlebt, den bringt auch sonst nichts mehr um. Serienmäßig lassen sich dem Ape-Motor drei PS abtrotzen. Zur Messung der Beschleunigung braucht man daher keine Stoppuhr, sondern einen Kalender. Ihre eingetragene Spitze beträgt 38 km/h, wobei unser Abschlepper gut eingefahren war. Mit ordentlich Anlauf hat unser Testwagen fast 50 geschafft, nach Tacho, und ich raunte ihm zu: "Du darfst der Ferrari F50 meines Herzens sein."

Die Ape kann fast nichts – wie herrlich!

Piaggio Ape 50
Die Rollerschaltung führt nach kurzer Zeit zu Krämpfen im Handgelenk und auf Dauer zu einer Sehnenscheidenentzündung.
Der Vorteil der Ape ist: Man darf immer Vollgas fahren, denn man lebt mit ihr in einer eigenen Welt ohne Geschwindigkeitsbeschränkungen. All die Zahlen in den runden Schildern erreicht sie eh kaum! Und wenn, dann hängt man sich den Strafzettel zu Hause übers Bett. 40 km/h fühlen sich in Sachen Straßenlage wie eine Acht-Minuten-Runde um die Nordschleife des Nürburgrings in einem Porsche an. Routinierte Apisten legen sich mit in die Kurve, das mindert die Neigung der Biene, sich zu überkugeln. Beim Slalom schlingert sie wild mit den Hinterrädern, und der tapfere Pilot rudert am Lenker wie ein Wildwasser-Kanute, leicht gebeugt, denn das ist die einzig denkbare Sitzposition für Nordeuropäer, weil die Kabine lächerlich niedrig ist, gestaltet nach dem Gardemaß italienischer Kleinbauern der 50er-Jahre. Und was ist mit dem Spaß in der Ape? Wir haben selten so viel gelacht. In ihrer statusfreien Niedlichkeit und naiven Nicht-Perfektion ist sie eine Parodie auf unser ernsthaftes Leben und in der Welt des Verkehrs eines der letzten echten Abenteuer.

Fazit

Weniger Motorfahrzeug geht kaum: ein Mann, eine Ladefläche, ein Verkehrshindernis. Mancher Radfahrer oder Hund ist schneller, vor allem bergauf. Erschreckend ist die Verarbeitungsqualität der dreirädrigen Vespa-Schwester, aber wir haben uns dennoch selten so gefreut. Es ist Fahren wie in der Urzeit des Autos.