Mercedes W 123

Pro&Kontra: Vorkriegsautos im Verkehr

Mit Vorkriegsautos auf die Straße?

Schnauferl sind technisch interessant, passen aber schlecht in den modernen Verkehr. Über die Frage, ob Vorkriegsautos im Alltag Spaß oder Stress bedeuten.

"Der Spaß macht den Stress allemal wett"

Ja, bitte: Peter Michaely fordert Respekt vorm Alter.

Klar, fast niemand kann sich einen Mercedes SSK oder einen Bugatti 35 in die Garage stellen – Legenden, die so viel Dampf haben, dass kundige Fahrer mit ihnen selbst moderne Autos alt aussehen lassen. Aber weniger ist genug! Vor ein paar Jahren habe ich die Bertha-Benz-Fahrt unter die Räder genommen – und zwar in einem Benz 8/20 PS von 1913 aus dem Mercedes-Museum. 59 Jahre Altersunterschied lagen zwischen dem Veteranen und mir. Er war wie ein Großvater, der mich auf den Schoß nahm und mir erzählte, wie es sich anfühlt, als Autos noch angekurbelt werden mussten, Straßen noch bessere Feldwege waren und Bremsen diesen Namen kaum verdienten. Lenken als Kraftakt, Schalten als Kunst: Wer wissen will, was Fortschritt ist, muss erlebt haben, wie sich Vorkriegsoldtimer fahren! Das ist eine andere Welt, aber eine, in der sich Autobegeisterte schnell zu Hause fühlen.

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Schnauferl auch im Alltag bewegen?

Pro und Kontra: Vorkriegsautos
Natürlich kann man mit einem Auto wie dem Benz nicht einfach so im heutigen Verkehr mitschwimmen. Und ja, es nervt, wenn Fahrer moderner Autos sich rücksichtslos verhalten, sei es aus Unkenntnis oder Neid. Aber das ist nicht meine Schuld oder die der uralten Autos. Nein, da sind die Vernunft der anderen gefragt und Rücksicht und Respekt vor dem Alter. Am Ende ist es beeindruckend, wie hart die Automobilisten der Frühzeit im Nehmen waren. Dieser Spaß, am Lenkrad zu malochen, macht den Stress, aus der Zeit gefallen zu sein, allemal wett.

"Schnauferl im Alltagsverkehr sind zu gefährlich"

Nein, danke: Lars Jakumeit warnt vor Risiken.

Kaiser Wilhelm II. nahm an, das Automobil sei eine vorübergehende Erscheinung. Wie man sich doch irren kann! Keine 100 Jahre nach seiner Abdankung waren laut Kraftfahrt-Bundesamt 63,7 Millionen Kraftfahrzeuge in Deutschland zugelassen. Deutlich zu viele, um noch guten Gewissens Alltagsfahrten mit einem Vorkriegsoldtimerzu unternehmen. So wie der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Pferdekutsche und Automobil irgendwann zu gravierend wurde, bedeuten bereits die statistisch gemittelten 152 PS eines 2017 in Deutschland neu zugelassenen Pkw eine permanente Überforderung der historisch wertvollen Vorkriegstechnik. Der Verkehr ist einfach zu schnell geworden – mit einem lahmen Vorkriegsoldie und seiner völlig aus der Zeit gefallenen Beleuchtungs-, Signal- und Fahrwerkstechnik kommt man da allzu rasch unter die Räder. Theoretisch mag es ja ein charmanter Anachronismus sein, an sonnigen Wochenenden die Garage aufzusperren und mit einem Schnauferl loszutuckern. Ich gönne jedem die Freude daran, aus dem Vollen gefräste Mechanik zu bedienen und Geschwindigkeit ungefiltert zu erleben; ich kann sie selbst durchaus nachvollziehen. Nur ist der heutige Straßenverkehr dafür einfach der falsche Ort. Mit einem Schnauferl im alltäglichen Verkehrsgewühl bestehen zu wollen ist Masochismus. Wer so was tut, führt das Oldtimerhobby ad absurdum und macht es unnötig gefährlich. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

Autoren: Peter Michaely , Lars Jakumeit

Stichworte:

Oldtimer

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