"Autos sind wie Schatztruhen, die Erlebtes konservieren"

Martin Puthz
Ja, bitte: Margret Meincken wärmen Autos das Herz.
Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass das Auto vielleicht sogar die beste Erinnerung an einen Verstorbenen ist. Nichts be­wahrt doch die schönen Momente, die Erlebnisse in Kindheit und Jugend, mit der großen Liebe oder den eigenen Kindern, besser als das Auto. Und ich wette, lie­be Leser, jeder von Ihnen kann sich an Ausflüge, Urlaube, ja, viel­leicht sogar Pannen mit diesem Auto erinnern. Es ist eine Art Zeitkapsel, die diese schönen Erinnerun­gen konserviert. Wie beruhigend ist es da, wenn diese Zeitkapsel in der eigenen Garage steht. Schon beim Einstei­gen umhüllt einen wohlige Geborgenheit. Dann startet man den Motor, dieses ver­traute Geräusch, fährt die alten Strecken, durchlebt diese Momente noch ein­mal, ist der verstorbenen Person ganz nah. Dieses Auto ist eben nicht nur ein Auto, sondern eine Schatz­truhe, in der ein ganzer Lebensabschnitt ruht. Mit all seinen Erlebnissen, Gerü­chen und Gefühlen. Da­rüber hinaus ist es auch ein Stück Zeitgeschich­te, das den Stand der Technik, den Komfort und die Eleganz der da­maligen Zeit do­kumentiert. An­gesichts der heuti­gen, charakterlosen Neufahrzeuge ist der ver­erbte Oldtimer da doch von besonderem Wert. Mindestens ideell. Übrigens: Das Auto mei­nes verstorbenen Vaters fehlt mir bis heute. Deshalb sage ich: Ja, Erinnerungen dürfen ruhig an Autos hän­gen. Für Menschen, die sich für Oldtimer begeis­tern, sind sie vielleicht das wertvollste Erb­stück von allen.

"Man soll sich an den Menschen erinnern. Nicht an sein Auto"

Jan-Henrik Muche
Nein, danke: Henning Hinze warnt vor fehlgeleiteter Liebe.
Menschen sind dafür ge­macht, Menschen zu lie­ben. Wenn Sie Autos "lie­ben" (und das steht hier jetzt bewusst in Anfüh­rungszeichen!), dann hat das in Wahrheit oft ziem­lich direkt mit Menschen zu tun: mit Erinnerun­gen an Kinderferien bei Oma und Opa, an jung­erwachsene Freiheiten mit Freunden oder an Wochenend­-Autowäschen mit Papi, der endlich mal Zeit hat. Die Situation verknüp­fen wir dann intuitiv mit einem Gegenstand, der Er­wachsene und Kinder glei­chermaßen fasziniert und damit als gedanklicher Treffpunkt der Generatio­nen dient. Geheimnisvolle Mechanik, aufregende Äs­thetik und der Ausdruck des eigenen Charakters sind schließlich alters­unabhängig interessant. Dieser Mechanismus ist so alt wie die Oldtimerei und macht viel von ihrem Charme aus. Daran ist ab­solut nichts Schlechtes. Sich bei der Benutzung ei­nes Gegenstandes an je­manden zu erinnern, kann ein schönes Gefühl sein. Skeptisch werde ich aber, wenn die Erin­nerung so sehr auf einen Gegen­stand fokussiert wird, dass beide im Kopf und im Herzen irgend­wann miteinander verschmelzen. Dann "liebt" der Menschen tat­sächlich einen Gegen­stand, und das macht in Wahrheit unglücklich. Der Liebende kann dann näm­lich weder den Menschen noch den Gegenstand los­lassen und wird zum Ge­fangenen der Erinnerung. Deshalb finde ich: Erin­nerung gehört in den Kopf und ins Herz und nicht in die Garage. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!