Mercedes W 123

Pro & Kontra: Wenn Autos an Verstorbene erinnern

Sind Autos gute Erinnerungsstücke?

Wenn Menschen Fahrzeuge von geliebten Verstorbenen bewahren, ist das herzerwärmend, muss aber nicht immer gut sein. Zwei Kollegen debattieren darüber.

"Autos sind wie Schatztruhen, die Erlebtes konservieren"

Ja, bitte: Margret Meincken wärmen Autos das Herz.

Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass das Auto vielleicht sogar die beste Erinnerung an einen Verstorbenen ist. Nichts be­wahrt doch die schönen Momente, die Erlebnisse in Kindheit und Jugend, mit der großen Liebe oder den eigenen Kindern, besser als das Auto. Und ich wette, lie­be Leser, jeder von Ihnen kann sich an Ausflüge, Urlaube, ja, viel­leicht sogar Pannen mit diesem Auto erinnern. Es ist eine Art Zeitkapsel, die diese schönen Erinnerun­gen konserviert. Wie beruhigend ist es da, wenn diese Zeitkapsel in der eigenen Garage steht. Schon beim Einstei­gen umhüllt einen wohlige Geborgenheit. Dann startet man den Motor, dieses ver­traute Geräusch, fährt die alten Strecken, durchlebt diese Momente noch ein­mal, ist der verstorbenen Person ganz nah. Dieses Auto ist eben nicht nur ein Auto, sondern eine Schatz­truhe, in der ein ganzer Lebensabschnitt ruht. Mit all seinen Erlebnissen, Gerü­chen und Gefühlen. Da­rüber hinaus ist es auch ein Stück Zeitgeschich­te, das den Stand der Technik, den Komfort und die Eleganz der da­maligen Zeit do­kumentiert. An­gesichts der heuti­gen, charakterlosen Neufahrzeuge ist der ver­erbte Oldtimer da doch von besonderem Wert. Mindestens ideell. Übrigens: Das Auto mei­nes verstorbenen Vaters fehlt mir bis heute. Deshalb sage ich: Ja, Erinnerungen dürfen ruhig an Autos hän­gen. Für Menschen, die sich für Oldtimer begeis­tern, sind sie vielleicht das wertvollste Erb­stück von allen.

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"Man soll sich an den Menschen erinnern. Nicht an sein Auto"

Nein, danke: Henning Hinze warnt vor fehlgeleiteter Liebe.

Menschen sind dafür ge­macht, Menschen zu lie­ben. Wenn Sie Autos "lie­ben" (und das steht hier jetzt bewusst in Anfüh­rungszeichen!), dann hat das in Wahrheit oft ziem­lich direkt mit Menschen zu tun: mit Erinnerun­gen an Kinderferien bei Oma und Opa, an jung­erwachsene Freiheiten mit Freunden oder an Wochenend­-Autowäschen mit Papi, der endlich mal Zeit hat. Die Situation verknüp­fen wir dann intuitiv mit einem Gegenstand, der Er­wachsene und Kinder glei­chermaßen fasziniert und damit als gedanklicher Treffpunkt der Generatio­nen dient. Geheimnisvolle Mechanik, aufregende Äs­thetik und der Ausdruck des eigenen Charakters sind schließlich alters­unabhängig interessant. Dieser Mechanismus ist so alt wie die Oldtimerei und macht viel von ihrem Charme aus. Daran ist ab­solut nichts Schlechtes. Sich bei der Benutzung ei­nes Gegenstandes an je­manden zu erinnern, kann ein schönes Gefühl sein. Skeptisch werde ich aber, wenn die Erin­nerung so sehr auf einen Gegen­stand fokussiert wird, dass beide im Kopf und im Herzen irgend­wann miteinander verschmelzen. Dann "liebt" der Menschen tat­sächlich einen Gegen­stand, und das macht in Wahrheit unglücklich. Der Liebende kann dann näm­lich weder den Menschen noch den Gegenstand los­lassen und wird zum Ge­fangenen der Erinnerung. Deshalb finde ich: Erin­nerung gehört in den Kopf und ins Herz und nicht in die Garage. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

Autoren: Margret Meincken,

Stichworte:

Oldtimer

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