Die Nachbarn schlafen - noch. Aber ich bin bereits auf dem Weg zu meinem Testwagen von Renault. Ein Diesel von der Art von Selbstzündern, die morgens beim Kalt­start sagen, was sie fühlen, und zwar so laut, dass die Nachbarschaft mitfühlt. Der Ärger beginnt schon beim Einstei­gen: Das Zweischlüsselsystem ist unpraktisch. Die Öffnungstaste im Türgriff verkantet leicht, das Zündschloss liegt versteckt. Dann die Startprozedur: Der Diesel springt nach kurzer Vorglühzeit an, hämmert sein Stakkato in die mor­gendliche Stille. Dabei sind die starken Vibrationen noch störender als die laute Arbeitsweise.
Alles rappelt und schüt­telt, sogar die bequemen, etwas zu weichen Sitze. Zum Trost: Der Renault ist aufgrund der kantigen Karosserie ein Vorbild an Übersichtlichkeit. Die Kotflü­gelecken sind vom Fahrersitz aus gut zu erkennen. Das ermöglicht zentimeterge­naues Rangieren, wenn auch die Len­kung etwas schwergängig ist. An der ersten roten Ampel zeigt sich der Schwachpunkt der ansonsten exak­ten und leichtgängigen Schaltung: Der Rückwärtsgang soll durch eine Sperre gesichert sein. Doch beim Einlegen des benachbarten ersten Ganges geht die Fahrt rückwärts los. Die Sperre funktio­nierte beim AUTO BILD-Testwagen nicht. Das trübt den Eindruck der ansonsten guten Schaltung.
Typisch französisch präsentiert sich der Renault auf holprigen Stadtstraßen – er rollt komfortabel dahin. In der unteren Mittelklasse durchaus keine Selbstver­ständlichkeit! Der Dieselmotor ist natürlich kein Kraft­protz, dreht jedoch in den unteren Gängen leicht hoch, ist elastisch und lässt sich da­her schaltfaul fahren. Das Geräusch des Motors ist wenigstens zum Innenraum hin gut gedämmt. Im Stadtverkehr und auf der Landstraße ist der frontgetriebene Diesel-Renault in seinem Element. Das Fahrverhalten ist problemlos. Wird eine Kurve mal zu schnell angegangen, schiebt der Franzose über die Vorderräder, bremst sich so von selbst.