Report: Charta von Turin
Wird jetzt alles anders?

Die FIVA, der Weltverband der Oldtimer-Clubs, folgt ab sofort einer neuen Leitlinie – der "Charta von Turin", die wir hier veröffentlichen. Was sagt diese Charta aus und was ist davon zu halten?
Erst mal der Reihe nach: Charta – was war das noch mal? Das Wort aus dem Staatsrecht klingt nach Großem und Wichtigem. In der Tat hat eine Charta (sprich: Karta) Gewicht: Sie steht für eine freiwillige Selbstverpflichtung, eine Grundordnung. Solche Chartas gibt es schon lange. Berühmt wurden die Charta von Athen, die 1933 Positionen zur Stadtplanung formulierte, und die Charta von Venedig (1964). Sie gilt als international anerkannte Richtlinie für den Schutz von Kulturgütern. Näher an unser Thema Klassiker kamen die Charta von Riga (2000) für Schienenfahrzeuge und die Charta von Barcelona (2003) für historische Schiffe. Und wem die FIVA nicht geläufig ist: Den Weltdachverband der Oldtimer-Clubs gibt es schon seit 1966 und sieht sich als Interessenvertreter aller Oldtimer-Besitzer weltweit. Soweit, so gut.
Die Charta soll klare Verhältnisse schaffen

Dieser 1955er Käfer wurde vor wenigen Jahren komplett restauriert.
Bild: Götz von Sternenfels
Die Charta – ein Streitthema: Zwei Meinungen

Auch dieser Käfer stammt aus dem Jahr 1955, ist dagegen noch im Originalzustand.
Bild: Götz von Sternenfels
Was umfasst die Charta? Vor allem Oldtimer, klar. Doch darüber hinaus deckt sie alles ab, was auf Land ohne Schienen fährt, also auch Lastwagen, Traktoren, Motorräder, Fahrräder und Anhänger. Zudem kann sie auf Gebäude und andere Infrastrukturen angewandt werden, die einst im Zusammenhang mit Fahrzeugen standen – zum Beispiel Tankstellen, Rennstrecken oder auch Archive. Die Charta wurde innerhalb der FIVA von einem Team internationaler Experten verfasst. Im Vorfeld wurde der Inhalt heftig und kontrovers diskutiert, besonders in Deutschland. Im nun beschlossenen Charta-Text sind Ideen und Hinweise aus aller Welt eingeflossen. Die Charta von Turin in der offiziellen deutschen Version können Sie hier kostenlos herunterladen:
Zum Herunterladen: Die Charta von Turin als PDF!

Einen besonderen Wert hat auch ein originaler Werkzeugsatz. Dieser liegt seit 1955 im Käfer.
Bild: Götz von Sternenfels
Kommen jetzt neue Gesetze? Kaum, vor allem entscheidet das ja nicht die FIVA. Kurzfristig werden nationale Gesetzgeber kaum reagieren. Doch die Charta bietet durchaus Referenzpositionen für Politiker. Vor allem kommen diese künftig nicht mehr daran vorbei, Oldtimer auch als Kulturgut zu verstehen. Die Charta verbietet auch nicht das Fahren, ganz im Gegenteil. Die Charta erklärt ausdrücklich, dass Oldtimer nur dann die Geschichte der Mobilität erzählen können, wenn sie auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Zu helfen, dieses Recht international abzusichern, ist eine der wesentlichen Aufgaben der Charta von Turin.
Komplett restauriert – oder mitten aus dem Leben? Die Bildergalerie zeigt am Beispiel zweier VW Käfer, wie die Charta von Turin in der Anwendung aussehen könnte.
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