Deutschlands grünster Diesel

Scheunenfund: Mercedes 300 D (W 123)

Benz mit bordeigenem Baum

Ein Vierteljahrhundert wächst ein Mercedes 300 D ein. Unfassbar: Per Schlüsseldreh nagelt sich der 123er aus dem grünen Grab. Deutschlands grünster Diesel!

Vermoost, begrünt, verdreckt. Doch der 300 D ist nicht totzukriegen!

Das ist Deutschlands grünster Diesel: Ein Vierteljahrhundert lang hat die Natur diesen Mercedes 300 D (W 123) in Teilen zurückerobert: Der beige Benz stand unberührt im Grünen, komplett überwachsen. Doch der Schein trügt! Auch nach der langen Standzeit pocht das Herz. Kräftig, unüberhörbar. Denn sein Motor ist ein Manifest! Knapp 19.000 Exemplare der Mercedes-Mittelklasse-Baureihe W 123, gebaut zwischen 1976 und 1986, tragen ein H-Kennzeichen, er ist das zweitbeliebteste Auto mit historischer Zulassung in Deutschland. Dieser Coloradobeige gehört nicht dazu. Zwar ist der begrünte, vermooste Benz auch ein Kulturgut, aber nicht nach den strengen H-Maßstäben. Doch immerhin: Er fährt wieder. Wie kommt's?

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Frische Batterie, frischer Diesel - los geht's

Der fährt nie wieder, denkt man bei diesem Anblick. Der "Baum-Benz" stand 25 Jahre und wuchs ein.

Sein jetziger Eigentümer, Siggi Oberschewen, erklärt, wie das Auto zu dem wurde, was es heute ist: "Der Vorbesitzer wollte das Auto vor 25 Jahren verkaufen. Die potentiellen Käufer gefielen ihm aber alle nicht und so parkte er den Benz auf seinem Grundstück unter einen Baum. Ende Gelände!" Im Frühling 2017 fuhr dann Siggi mit Sohn Tim vor. Die Oberschewens wollten dem Mann einen DKW Munga abkaufen. Vor Ort fiel ihnen der zugewachsene Benz ins Auge und sie fragten nach dem Preis. Zwei Kisten Bier waren zu investieren, das Geschäft besiegelt. "So ein Diesel ist doch unzerstörbar, hier kann kein Vergaser und keine Einspritzanlage Zicken machen - der läuft immer" dachte sich Oberschewen. Also baute er eine frische Batterie ein, flutete die Vorkammern mit frischem Diesel. Dann folgte der bange Dreh des Zündschlüssels. Nach einigen Sekunden Orgelei sprang der Fünfzylinder-Reihenmotor willig an! Unfassbar!

Der 123er-Benz ist ein beachtliches Biotop

Alles im grünen Bereich: Heckenschere? Nix da! Das Efeu wird vor Fahrtantritt zur Seite geschoben.

Der Benz ist ein einziges Biotop. In der Dichtung des Kofferraums, wie unter den Zierleisten,  hat sich blühende Natur einen Platz gesichert. Efeu schlängelt sich durch den Innenraum. Am auffallendsten wachsen Pflanzen aus dem Lüftungsgitter unterhalb der Windschutzscheibe. Ein Bäumchen gar. "Nach dem Verladen habe ich überlegt, wie ich vor allem das Bäumchen während der Heimfahrt vorm Abknicken durch Fahrtwind schützen kann. Mit einem Speißfass, durch Gurte festgezurrt, geht’s", sagt Siggi. Man muss kein Schrauber wie die Oberschewens sein, um zu erkennen, dass eine Restaurierung des Mercedes nicht infrage kommt. Sie beschlossen, den "Baum-Benz" so zu erhalten, wie sie ihn fanden. Zu diesem Zweck schufen sie neben der heimischen Halle in Bochum eine "Nasszelle". Der Boden wird bei Bedarf gewässert, um die Pflanzen auf dem Auto kümmert sich Tochter Angelina mit der Gießkanne. Was bringt die Zukunft dem grünsten Diesel Deutschlands? "Vielleicht ein Werbepaket von Mercedes? Die müssten sich doch die Finger nach diesem Stern lecken! Mehr Beweis für technische Zuverlässigkeit geht doch wohl nicht", sagt sein Besitzer.

Deutschlands grünster Diesel

Autor: Marc Keiterling

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Scheunenfunde

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