Sensationeller Scheunenfund
Bugatti wachgeküsst

Ans Licht der Welt: Fast 50 Jahre hat ein Edel-Sportwagen in England im Dunkeln einer alten Garage ausgeharrt, jetzt fand die Familie des verstorbenen Besitzers das sehr seltene Stück. Der Erlös könnte sie zu mehrfachen Millionären machen.
Er ist beinahe fahrbereit: Nur knapp 43.000 Kilometer hat ein 72 Jahre alter Bugatti 57 SC Atalante auf der Uhr. Er stand seit den frühen 60er Jahren in einer alten Garage im nordenglichen Gosforth nahe Newcastle. Es war 1937 für den blaublütigen Auto- und Rennsportfanatiker Francis Curzon, fünfter Earl von Howe, fabriziert worden. Aus 3,2 Liter Hubraum schöpfte die für damalige Zeit imponierende 175 PS – zum Vergleich: Das Traumauto Mercedes 540 K aus den späten 30ern erreichte 180 PS mit Kompressor, ohne lediglich 115 PS. Kein Wunder, dass der Leistungsträger Typ 57 zu den erfolgreichsten Autos der elsässischen Manufaktur gehörte. Zwei Jahr hatte der Landedelmann den schwarzen Atalante bewegt, dann kam der Krieg. Der Earl eilte zu den Waffen, das Auto blieb stehen. 1947 verkaufte Curzon den Sportwagen, zwei weitere Besitzer fuhren nicht lange damit herum. Wollte Dr. Harold Carr, der vierte Besitzer, ihn Anfang der 60er für lange wegstellen? Passte die Wagenfarbe nicht zum aktuellen Abendkleid seiner Gemahlin? War der Aschenbecher voll?
Wenige wussten von dem Schatz

Bild: Bugatti Trust Archive

Bild: Bonhams Auctions / London
Das Sportcoupé mit der Chassis-Nr. 57502, ausgeliefert im Juni 1937, trägt sie noch heute. 1947 verkaufte Curzon den Wagen an einen anderen Rennsportfan, J.P. Tingay, der das Fahrzeug mangels verfügbarer Bugatti-Teile so kurz nach dem Krieg mit einem Marshall K200 Kompressor (englisch "Supercharger") aufrüstete und damit Rennen fuhr. Offenbar genügte das erzielte Ergebnis nicht lange den Ansprüchen Tingays, denn schon 1950 stieß er den Zweisitzer wieder ab. Doch auch in dritter Hand verblieb er nicht lange – als Teil der Sammlung von Lord Ridley erlebte der Bugatti 57S eine Art Vorruhestand. Schon ein Jahr darauf kaufte ihn der Mediziner Dr. Harold Carr. Auch er fuhr nicht lange damit herum; zum Glück für die Nachwelt.
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