Street Mag Show in Hannover
"Ich bin ein Chevy, lasst mich hier rein!"

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Daewoo ist jetzt Chevrolet. Was sagen die Fans alter Amis dazu? Wir gingen auf Stimmenfang – beim Treffen der Hubraummonster. AUTO BILD-Redakteur Wolfgang Blaube fuhr in einem Chevrolet Matiz vor.
"Wohin wollt ihr denn mit diesem tapezierten Briefkasten?" Der Typ, der das wissen will, ist mehr breit als hoch, hat Muckis wie Popeye. Sein Job: Einlasskontrolle beim US-Car-Treffen. Wir bleiben geschmeidig, deuten auf das Logo unseres Autos: Chevrolet. Hinter uns hupen zig dicke Buick, Dodge und Mercury. Unser Sportsfreund mit der sparsamen Frisur wird nervös. Und schon sind wir drin. "Ich fahr 'nen Chevy": Jahrzehntelang habe ich darauf gewartet, die Frage nach meiner Motorisierung mit dieser stolzen Ansage kontern zu können. Chevy, das steht für Chevrolet. Und dieser Name für den "Heartbeat of America" (Herzschlag Amerikas) – ein gewaltiger Slogan. Vor allem steht Chevrolet für alles, was die Kultur der US-Autos zum Kult machte. Normgaragen sprengende Dimensionen. Die unendlichen Weiten des Hubraums. Funkelnde Chromlandschaften. Und ein Spritverbrauch, der die Tanknadel zum Propeller macht. Genau darum hat es bei mir nie zum Chevy gereicht. Seit dem Schachzug, mit dem General Motors 2005 die Autos seiner Korea-Marke Daewoo bei uns zu Chevrolet adelte, ist der Traum greifbar. Ganz normales Marketing, mehr nicht. Auch wenn die gusseiserne V8-Fraktion von Denkmalschändung und Blasphemie redet. Sei es drum. 5,2 Liter pro 100 Kilometer – statt pro Kaltstart, das sticht. Der Supertrumpf? 8490 Euro. Nicht für ein abgewohntes Altmetallgebirge, sondern für einen Neuwagen. Den Matiz.
Seit Daewoo zu Chevrolet wurde, ist Kult billig

Bild: S. Krieger
Foor-Door-Sedan mit Starachse – wie ein Ami

Bild: S. Krieger
Später fragen ein paar Chevy-Fans in Lederkutten, ob wir "diesen Mist" ernst meinen. "Glaubt ihr etwa, eure Marke hat früher nur 460-PS-Corvetten und Sechs-Meter-Saurier gebaut?", fragen wir zurück. Und zählen auf: Opel Kadett C, die in den Siebzigern als Chevrolet liefen. 82er Camaro, der als Vierzylinder nur Tempo 150 schaffte. Ganz abgesehen vom fetten 1985er Cadillac de Ville mit 86-PS-Saugdiesel. Und dem Cadillac Cimarron, einer Ascona-C-Kopie im Lametta-Look. "Seht mal, Jungs, ihr kennt nicht die ganze Story." Das sitzt. Unverletzt und zufrieden treten wir den Rückweg an. Fleißig schnurrt der Dreiender mit dem Hubraum eines einzigen Vollformat-US-Zylinders über die Bahn. Nicht schlecht, die Kiste. Aber ein Chevy? Klar doch – wir müssen halt nur umdenken: Basismotorisierung mit Sinn statt V8 ohne Morgen. Der Schweizer Louis Chevrolet, der 1915 in den USA seine Marke gründete, war weniger flexibel: Er flog raus, weil er keine Brot-und-Butter-Autos bauen wollte. Und starb als armer Fließbandarbeiter.
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