Der Morgen ist noch Nacht, die Straße frei, als es losgeht. Und vielleicht fällt dieser Moment ja am schwersten: die Haustür zuziehen, auf den Fahrersitz klettern und, während der Anlasser den wassergekühlten Vierzylinder-Boxer wachrüttelt, dem eigenen Mut wirklich trauen. Ein letzter Salut, dann eckt der erste Gang unwirsch über den langen Schalthebel und ein paar Meter Schaltgestänge ein. Gas. Heiseres Bollern des Motors steigert sich zu Anfahrrauschen. Der T3 Joker ist ein Auto für die Reise in Grenzbereiche und darüber hinaus. In geografischer und charakterbildender Hinsicht viel mehr als in fahrdynamischer. Denn in der dritten Generation des VW Typ 2 gelang den Technikern die Vollendung des Heckmotor-Layouts.
VW T3 Joker
Erhältlich mit festem oder klappbarem Hochdach: Der T3 hieß als Camper Joker oder California.
Dafür entwickelten sie eine ebenso brillante wie ruinös teure Schräglenker-Hinterachse mit Miniblockfedern. Die hält nicht nur die (ohnehin schüchternen) Temperamentsausbrüche der Boxer- und ab 1981 auch Reihendieselmotoren auf Linie, sondern steigert den Fahrkomfort enorm. Die wippig gefederte vordere Einzelradaufhängungscombo mit Dreieckquerlenkern hilft dabei. Weil der T3 zudem über eine Zahnstangenlenkung steuert, erhält der Fahrer nun eine ganz neue Richtlinienkompetenz, die nur starker Seitenwind gefährdet. Obwohl der T3 aus finanziellen Gründen nur eine umfangreich sanierte T2-Nachfolgemobilie werden soll, wird er weit mehr als das. Nur drei Jahre muss er die alten luftgekühlten Boxer auftragen, bevor er 1982 einen 1,9-Liter-Wasserboxer mit zwei Leistungsversionen und 1984 den grandiosen 2,1-Liter-Einspritzer mit 112 PS bekommt.

Damals schon die Nummer Eins: VW T1 Transporter

VW T3 Joker
Innen richtete VW den T3 im Stil und in der Stabilität eines Massivbau-Bungalows ein, samt Wohnküche.
Dazu tüfteln die Techniker immer weiter am T3, er kraxelt mit Allrad, tourt als Multivan, erhält ABS, Servolenkung, allerdings auch einen überforderten Turbodiesel mit chronischer Zylinderkopfschwäche. Dennoch: Wohl nie wieder wird es solch ein universal talentiertes, perfekt durchkonstruiertes Auto geben. Mit seiner satt belasteten Antriebsachse schiebt er sich traktionsstark durch leichtes Gelände. Auf der Autobahn reist er mit dem Tempo sacht motorisierter Kleinwagen. Und als Wohnmobil Joker beherbergt er vier Passagiere dabei so heimelig, dass man meint, eine Adresse müsse nicht aus Straße und Hausnummer bestehen, weil ja auch ein Nummernschild ausreicht. Da er den Blick weitet, verändert dich der T3, ist dir Zuhause, selbst in der Ferne. Er lehrt, dass Heimweh nur der Wunsch ist, sich von einem Ort wieder wegzusehnen. Weiter, immer weiter. Wenn du dich nur traust. Und jetzt rauscht der Boxer wieder im Heck, schiebt uns Richtung Horizont, um zu sehen, wie es dahinter weitergeht.

Von

Sebastian Renz