30 Jahre Porsche 928

30 Jahre Porsche 928 30 Jahre Porsche 928

30 Jahre Porsche 928

— 26.06.2007

Hab Acht

1977 kam der Porsche 928 und sollte den Elfer ablsen. Ein Blick zurck in die Geschichte des einzigen echten Gran Turismo von Porsche.

Ein V8-Coup gegen die Monokultur

Wir schreiben das Jahr 1970. "No ned hudle" sagt der Schwabe und meint damit, dass weitreichende Vernderungen immer wohlberlegt sein wollen. Seit 1965 gibt es aus dem Hause Porsche fr den normalen Kunden den 911, den 911 und den 911 vom brandneuen VW-Porsche 914 und dem 912 einmal abgesehen. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt fr Porsche und gerade dort kndigen sich fr sptestens Mitte der 70er Jahre weitreichende Umweltauflagen und nderungen in den Crashsicherheitsvorschriften an, die der 911er mit seinem Heckmotorkonzept nicht zu bestehen droht.

Die Entwickler hatten zudem erkannt, dass die neuen Abgasvorschriften nur mit Motoren mit geringerer spezifischer Leistung zu erreichen sein werden. Im Oktober 1971 gibt deshalb Porsche-Chef Ernst Fuhrmann grnes Licht zu Entwicklungs- und Forschungsarbeiten am Projekt 928. Nach den ersten Designentwrfen trifft der Vorstand im November 1974 die endgltige Entscheidung: die Modell-Monokultur des 911 soll beendet werden, die Frontmotor-Modellreihe ist beschlossen, der 928 wird gebaut. Die fr den 928 angepeilte Kundschaft bevorzugte bis dahin Mercedes SL/SLC oder das groe BMW Coupe 3.0 CSi.

Der 928 sollte antreten, den Elfer abzulsen

Porsche plante, bis sptestens Ende der 70er Jahre den 911er mit dem 928 abzulsen. Grer, leiser und vor allem bequemer sollte er werden. Aber bei dem "Neuen" ist eigentlich alles anders als beim 911: Statt Luft wird er mit Wasser gekhlt, er hat statt eines flachen Sechszylinders mit Trockensumpfschmierung einen Leichtmetall-V8 mit lwanne unter der Haube und auch befindet sich sein Motor nicht im Heck, sondern ganz konventionell vorn. Das Getriebe jedoch darf wie im Vorgnger seinen Platz im Heck behalten, was der Gewichtsverteilung zugute kommt, sie betrgt annhernd 50 zu 50 Prozent und sorgt somit damit im Gegensatz zum diffizil zu fahrenden Elfer fr ein gutmtiges, ausgewogenes Fahrverhalten. Antriebstechnisch geht Porsche somit vllig neue Wege: Das so genannte Transaxle-Prinzip mit vorne liegendem Motor und Getriebe an der Hinterachse, verbunden durch eine stets mit Motordrehzahl laufende Welle, wurde von Grund auf fr den 928 neu entwickelt, wenngleich es auch 1976 im Porsche 924 zum ersten Mal in die Serie einflieen wird.

Leistung satt durch Hubraum satt

Das Herz eines Sportwagen ist natrlich der Motor: als Antriebsaggregat fr den 928er ist ein Leichtmetall-V8 mit 4,5 Liter Hubraum vorgesehen. Ursprnglich sollte der Motor sogar 5,0 Liter gro werden, doch die lkrise von 1973 sorgte fr hubraumtechnische Migung. Erstmals verwendete Porsche in einem Serienfahrzeug fr den Antrieb der Ventilsteuerung statt einer Steuerkette einen Zahnriemen. Eine drehzahlfeste, aber exotische Knigswellenlsung hatte sich fr den Dauerbetrieb bereits bei 550 Spyder und 356 GS als zu wartungsintensiv herausgestellt und ist bei dem eher niedertourig drehenden Achtzylinder auch nicht ntig. Die Motorentwickler in Weissach konnten ihr Know-how dafr bei der Zahnriemen-Lsung beweisen: Bimetallfedern passten ber ein Spannrad die Sollspannung des ber zwei Meter langen Zahnriemens den im Motorraum herrschenden Temperaturen an.

Zu Serienbeginn 1977 leistete der aufwendig gebaute Achtender satte 240 PS bei 5500 1/min und hatte ein maximales Drehmoment von 350 Nm bei 3600 1/min. Bei einem Leergewicht von 1450 kg ergab sich ein Leistungsgewicht von rund 6 kg/PS. Leistungsmig war der 4,5-Liter des 928 nach oben offen: mit einer spezifischen Leistung von 53,3 PS/Liter blieb genug Spielraum fr sptere Leistungssteigerungen. Die nicht lange auf sich warten lieen: Mit einer erhhten Verdichtung von 10,0:1, einen Hubraumzuwachs von 4,5 auf 4,7 Liter durch eine von 95,0 auf 97,0 mm vergrerte Bohrung und genderter Ansaug- und Abgasanlage konnte der 1980 vorgestellte 928 S aufwarten. Heraus kamen 300 PS bei 5900 U/min und ein maximales Drehmoment von 385 Nm bei 4500 U/min. Die nchsten Ausbaustufen waren: 310 PS durch Verwendung der neuen Bosch-LH-Jetronic, 320 PS mit der Vierventiltechnik des S4, nochmal 10 PS mehr im 928 GT und als Krnung der 928-Baureihe und zum Modelljahr 1992 der 928 GTS mit sagenhaften 350 PS und 500 Nm Drehmoment aus 5,4 Litern Hubraum.

Auch nach 30 Jahren ein modernes Design

Beim Betrachten eines Ur-928 klingt es unglaublich: Dieses Auto soll ber 30 Jahre alt sein? Peter Reisinger, von 1970 bis zu seiner Pensionierung 2005 Chefmodelleur bei Porsche, wesentlich zum zeitlosen Design des Porsche 928 beigetragen: "1973 begannen wir mit den ersten Entwrfen. Wir, das waren Harm Lagaay, Wolfgang Mbius und ich, hatten mit unseren Teams parallel drei Fahrzeuge zu gestalten: das Facelift des Porsche 911, den Porsche 924 und last but not least den 928, der als Nachfolger fr den Elfer geplant war, und an allen Modellreihen musste mit der gleichen Intensitt gearbeitet werden."

"Wichtig war fr den 928, Elemente aus der Formensprache des 911ers in das Design einflieen zu lassen. Prof. Ferry Porsche bestand beispielsweise darauf, wie beim Elfer das vordere Ende des Autos vom Fahrerplatz aus sehen zu knnen. Chefdesigner Anatole Lapine wollte hingegen eine lange, flach abfallende Motorhaube. Um beides realisieren zu knnen, kamen wir zu der Lsung mit den ausklappbaren Scheinwerfern", so Reisinger weiter. Im Mrz 1977 ist es dann soweit: das neue Modell wird auf dem Autosalon in Genf prsentiert. Und hnlich wie 1963 beim Erscheinen des 911, der den 356 ablsen sollte, wirft das Publikum die unvermeidliche Frage auf: ist der 928er ein echter Porsche?

Auto des Jahres 1978: der Porsche 928

Lapine und Reisinger haben mit ihrem Team offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet: In seinem Debtjahr 1977 wird der Porsche 928 von der Fachpresse prompt zum "Auto des Jahres 1978" gewhlt. Eine Auszeichnung, die seit Anbeginn der Wahlen zum "Car of the Year", wie es offiziell heit, brigens keinem zweiten Sportwagen zuteil wurde. Und auch heute noch wirkt insbesondere das Urmodell zeitlos schn und wie aus einem Guss. Chefmodelleur Reisinger: "Ein Porsche zeigt seine Form durch Lichtreflexion, ein Porsche ist Unterhaltung. Und da das Licht sich stndig ndert, kommen Sie morgens aus dem Haus, schauen aufs Auto und stellen fest: 'So hab ich den Kerl ja noch niemals gesehen!' Es war vom 356 zum 911 nicht so ein groer Schritt wie vom 911 zum 928er, aber die typische Porsche-Designsprache ist in allen Baureihen zu finden."

Um die neuen Sicherheitsstandards in den USA erfllen zu knnen, erhielt der Porsche 911 beispielsweise die Faltenbalgstofnger, die von 1974 bis 1989 eingesetzt wurden. Reisinger dazu: "Beim 928 hatten wir den Vorteil, neue Materialien einsetzen und direkt in das Urmodell einflieen lassen zu knnen. So entstanden die integrierten Kunststoff-Stofnger aus Polyurethan, die mit Pralldmpfern einen Aufprall mit bis zu 8 km/h schadlos verkraften knnen. Wir haben noch bei der Vorstellung des Autos in Genf 1977 an den Designdetails gearbeitet. Das kleine Dreieck an der Tr zum Beispiel haben wir eingefgt, um die Seitenscheibe auch bei schneller Fahrt immer exakt fhren zu knnen, die Schlafaugen-Scheinwerfer bekamen oben eine kleine Glaslippe, damit man schon in der Dmmerung einwandfrei erkennen kann, ob die Scheinwerferlampen wirklich brennen. Im Laufe der Jahre sind noch unzhlige weitere sichtbare und unsichtbare Verbesserungen in das Design des 928ers eingeflossen."

In den 928er kam alles, was gut und teuer war

Der 928er war nicht nur optisch seiner Zeit weit voraus (man denke an die zeitgenssischen Fahrzeuge des Jahres 1978...), sondern auch technisch stets auf der Hhe und wurde im Laufe seiner Evolution mit allem bestckt, was gut und teuer war: Das Motorgehuse bestand aus einer speziellen Aluminium-Silizium-Legierung mit Nickel-Karbid-Silizium-beschichteten Zylinderlaufflchen und kam somit ohne Zylinderlaufbuchsen aus, ein Verfahren, das bereits 1971 beim Rennsportwagen 917 erprobt und seit einigen Jahren beim 911er unter dem Namen "Nikasil" erfolgreich in der Serie eingesetzt wurde.

Das Fahrwerk verfgte vorn und hinten ber Doppelquerlenkerachsen mit McPherson-Schraubenfederbeinen, ABS gab es ab 1983 gegen Aufpreis und ab 1984 serienmig (im 928er als erstes Serienfahrzeug weltweit). Dazu rundum innenbelftete Scheibenbremsen mit Schwimmstteln. Das Auto war zudem uerst komfortabel ausgestattet, um dem Anspruch eines Gran Turismo gerecht zu werden: elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare Sitze, elektrisches Schiebedach, Reifendruckkontrollsystem, hheneinstellbares Lenkrad mit mitschwenkendem Instrumententrger und vieles mehr. Wer wollte, konnte mit der anfangs als Extra erhltlichen und ab Modelljahr 1980 dann serienmigen Klimaanlage sogar die Schokolade im Handschuhfach khlen, so der damalige Porsche 928-Prospekt. Auch an eventuell hinten sitzende Mitfahrer hat Porsche gedacht: sie knnen eigene, den Kopfbereich unter der Heckscheibe abdeckende Sonnenblenden aufklappen.

Im Modelljahr 1996 kam das Ende

Die Motorhaube, die vorderen Kotflgel und die Tren sind aus leichtem Aluminium gefertigt. Die mit fast 1,2 m Lnge sehr breiten Tren erleichtern das Einsteigen sehr wenn genug Platz zum ffnen derselben vorhanden ist. Das Platzangebot ist auf den vorderen Pltzen geradezu frstlich, durch die geringe Bauhhe und die sehr stark eingezogenen Seitenscheiben ist lediglich die Kopffreiheit fr Menschen mit ber 1,85 Krpergre etwas eingeschrnkt, aber es handelt sich ja schlielich um einen Sportwagen. Gegen die Hitze im Innenraum durch die sehr groen und flach stehenden Glasflchen hilft die wirkungsvolle Klimaanlage, die durchaus Khlschranktemperaturen zu erzeugen fhig ist.

Vielleicht war der 928er seiner Zeit zu weit voraus

Zurck zum Anfang der Geschichte: wie wir heute wissen, hat der 928 den Elfer nicht abgelst, der Gran Turismo wurde zum Modelljahr 1996 eingestellt, der charismatische 911er hingegen erfreut sich in der mittlerweile siebten Generation seines Lebens. Ironie des Schicksals: Heute bevorzugt die Luxuscoupe-Klientel eher komfortorientierte Fahrzeuge, also genau das, was Porsche schon 1977 mit dem 928er liefern konnte.

Dennoch ist der 928er, gleich ob Jahrgang 1978 oder 1996, ein Sportwagen der Extraklasse, der im Fahrspa auch heute von aktuellen Fahrzeugen nur selten berboten wird. Nicht ohne Grund bezeichnete Professor Ferry Porsche den 928 als seinen Lieblingsporsche. Also - auf die nchsten 30 Jahre!

Seit 2003 wird die komplette Baureihe 928 mit allen Modelljahren vom Porsche Classic Center in Stuttgart-Zuffenhausen betreut. Der Porsche Club 928 kmmert sich bereits seit seiner Grndung im Jahre 1997 um den Erhalt aller Modelle dieses Fahrzeugtyps

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