Bitter Vero, Bitter CD, Bitter SC

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— 27.02.2008

Drei Generationen Bitter

Allein gegen den Rest der Welt: Unverdrossen hält Erich Bitter am Traum vom eigenen Auto fest. AUTO BILD SPORTSCARS versammelt die beiden erfolgreichsten Modelle und das jüngste Projekt des Multitalents.

Erich Bitter brennt. Bisweilen ist das wörtlich zu nehmen: 1968 zündete er sich an, um die Feuerfestigkeit seines DuPont-Overalls zu demonstrieren. Da war er gerade Händler für Rennsportzubehör. Der Löschversuch gelingt – partiell. Gegen das innere Feuer hilft weder Schaum noch Wasser. Es lodert in Erich Bitter seit 74 Jahren. Und es erlischt kein einziges Mal. Verhilft ihm in jedem Job zu Erfolgen – kleineren und größeren: als Abarth-Händler, Radsportler, Maler, Rennfahrer und Autobauer. Letztgenannte Tätigkeit lässt ihn nicht los – niemals wahrscheinlich. Kein Job, sondern Passion, Profession, Obsession. Drei Zeugnisse seines Schaffens stehen vor uns: CD, SC und Vero. Strömender Regen tut der Faszination keinen Abbruch. Der Älteste des Trios fungiert als Blickfang par excellence. CD: zwei banale Buchstaben für ein atemberaubendes Produkt. Kraft, Schönheit, Leidenschaft kunstvoll in Blech gepresst – im automobilen Deutschland der 70er-Jahre eine Sensation. Kaum zu glauben, dass Opel bei der Form die Finger im Spiel hat. Chefdesigner George Gallion hilft Bitter, das Projekt vom Kopf auf die Räder zu stellen.

Udo Lattek, Paul Breitner und Heino fahren den CD

Der CD wollte kein flotter Flitzer sein, sondern ein komfortabler Gran Turismo reinsten Wassers.

Unter der kühnen Karosserie steckt Vertrautes: robuste und wartungsfreundliche Großserientechnik. Als Basis hält der Opel Diplomat her. Damals ein hochmodernes Fahrzeug mit Einzelradaufhängung vorn und DeDion-Hinterachse. Bitter baut auf dem Topmodell des Rüsselsheimers auf, das mit Ami-Small-Block durchs Land bollert. 1973 debütiert der CD auf der IAA. Erich Bitter bringt aus Frankfurt 176 unterzeichnete Verträge mit. Die Serienfertigung beginnt. Obwohl die Ölkrise auf die Stimmung drückt, gelingt der Erfolg. Ein schlaues Marketingkonzept hilft: Promis bekommen die Fahrzeuge zu Sonderkonditionen. Bald fahren Sportler, Schauspieler und Sänger seine Autos – Udo Lattek, Paul Breitner, Heino, Howard Carpendale, Walter Röhrl. Der CD will kein flotter Flitzer sein, sondern ein komfortabler Gran Turismo reinsten Wassers. Der bullige Motor hat keinerlei Drehzahl-Ambitionen, bietet bei 3000 Umdrehungen ein gewaltiges Drehmomentplateau dar, das nach obenraus schlagartig abflacht. Die tiefe Stimme des V8 beruhigt und erregt zugleich. Bis zum Produktionsende 1979 baut Bitter 395 Fahrzeuge. Dann stellt Opel den Diplomat ein und macht so dem CD den Garaus.

Sprung in die Moderne: Der Senator ist die Basis des SC

Der elegante SC wurde zum Lifestyleobjekt und Luxusartikel.

Gedanklich hat Erich Bitter das Projekt längst abgehakt. Im Gleichschritt mit Opel wagt er den Sprung in die Moderne und verwendet als Basis für sein nächstes Projekt SC das neue Flaggschiff der Rüsselsheimer, den Senator. Dessen Bodengruppe übernimmt Bitter, installiert zusätzlich ein strafferes Fahrwerk und einen Ölkühler. Die erste öffentliche Ausfahrt findet 1980 beim Formel-1-Rennen in Monaco statt. Dort fungiert der SC als Safety-Car. Dieser Coup macht das Auto schlagartig weltberühmt. 1981 beginnt die Serienproduktion. Fertigungsprobleme kosten anfangs Zeit und Nerven. Die in Italien hergestellten Rohkarossen entpuppen sich als minderwertig. Bitter findet in Turin einen neuen Partner und verlagert die Endmontage zu Steyr-Puch nach Österreich. Schnell stimmt die Qualität wieder. Das schlicht-elegant gezeichnete, lang gestreckte Coupé mit Reihensechszylinder – optisch mit dem Ferrari 400 verwandt – entwickelt sich zum Lifestyleobjekt und Luxusartikel.

Dementsprechend selbstbewusst der Kurs – der SC liegt auf Ferrari-Niveau. Wer sich in der ellenlangen Aufpreisliste verliert, kann den Preis des Fahrzeugs ins Astronomische steigern. Sogar ein Allradantrieb ist optional orderbar. Selbst der Kfz-Brief will extra bezahlt werden. Nur an Dampf fehlt es dem Luxus-Coupé. Eine mit Mantzel entwickelte Hubraumerhöhung schafft Abhilfe: Statt ursprünglicher 180 leistet das Auto nun 210 PS und ist endlich so schnell, wie es aussieht. Wir dürfen das optimierte Modell bewegen. Baujahr: 1990 – lange nach Produktionsende. Des Rätsels Lösung: Erich Bitter ließ das Fahrzeug aus übriggebliebenen Einzelteilen nachträglich aufbauen. Der SC ist in Würde gealtert. Auch wenn die dargebotene Power heutzutage nicht mehr vom Hocker haut: Der SC ist noch immer ein schneller, komfortabler Reisewagen mit allen Annehmlichkeiten und beeindruckendem Finish. Ein Großteil der Produktion (rund 450 Stück) landet in USA. Schlagartig ist Schluss: 1986 kommt durch den betrügerischen Konkursantrag eines Bitter-Mitarbeiters die SC-Produktion zum Erliegen.

Zeitsprung ins Jahr 2008: Alles zum Bitter Vero lesen Sie oben in der Bildergalerie. Oder Sie laden sich hier den gesamten Artikel als Pdf herunter!
Technische Daten* Bitter CD Bitter SC Bitter Vero
Motor V8 R6 V8
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 2 pro Zylinder/1 2 pro Zylinder/1
Hubraum 5354 cm3 3848 cm3 5967 cm3
kW (PS) bei 1/min 169 (230)/4700 154 (210)/5100 270 (367)/5700
Literleistung 43 PS/Liter 55 PS/Liter 62 PS/Liter
Nm bei 1/min 427/3000 327/3400 530/4400
Antriebsart Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 3-Stufen-Automatik 5-Gang manuell Stufen-Automatik
Bremsen vorn innenbelüftet innenbelüftet gelocht/innenbelüftet
Bremsen hinten innenbelüftet innenbelüftet innenbelüftet
Radgröße vorn / hinten 7x14 7x 15 / 8 x15 8,5 x19
Reifen vorn / hinten 215/70 R 14 215/60R15 / 235/55R15 245/40 R 19
Reifentyp Michelin XWX Dunlop SP Sport Dunlop SP Winter Sport
Länge/Breite/Höhe 4855/1845/1285 mm 4910/1820/1350 mm 5200/1899/1480 mm
Radstand 2680 mm 2683 mm 3009 mm
Leergewicht/Zuladung 1745 kg/455 kg 1560 kg/340 kg 1890 kg/440 kg
Leistungsgewicht 7,6 kg/PS 7,4 kg/PS 5,1 kg/PS
Tankvolumen 80 l 73 l 73 l
EU-Normverbrauch Ø auf 100 km ca. 21 l Super ca. 15,5 l Super ca. 15,0 l Normal
Beschleunigung von 0–100 km/h 9,2 s 7,6 s 5,9 s
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 230 km/h 250 km/h
Serienfahrzeug ohne Extras 66.976 Mark 86.830 Mark 101.150 Euro
*Herstellerangaben

Autor: Ben Arnold

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