Ein Käfer mit Dieselmotor — AUTO BILD 33/2008 — 09.09.2008
Ich rauche gern
Ein Käfer mit Dieselmotor. In Serie ging der Diesel-Boxer nie – er war viel zu laut.
Zum 150. Geburtstag von Rudolf Diesel hat AUTO BILD dieses Einzelstück ausgegraben. Der Käfer mit einem luftgekühlten Diesel-Boxer fuhr sogar, aber nur ins Porsche-Museum.
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In Serie ging der Diesel-Boxer nie – viel zu laut
Das Prinzip Boxer-Diesel ist selten in der Auto-Geschichte – aber wiederum auch nicht völlig neu. Krupp zum Beispiel baute in den 30er-Jahren luftgekühlte Vierzylinder-Diesel-Boxermotoren. Und 1952 entstanden bei Tatra Prototypen des Tatraplan (T 600) mit Vierzylinder-Diesel-Boxer. Der Motor hatte zwei Liter Hubraum, 42 PS und schaffte über 100 km/h - aber nie den Sprung in die Serie. Genauso wenig wie der Diesel-Käfer. Fährt man den Selbstzünder, wird schnell klar, warum: Das Gerät erzeugt infernalischen Lärm. Die Explosionen haben eine Lautstärke, die die Bundeswehr auf den Plan rufen müsste. Dazu kommen Vibrationen in der Stärke eines mittleren Erdbebens. Verglichen damit läuft ein Ackerschlepper jener Zeit weich wie ein Zwölfzylinder. Experimentiert hat VW mit Diesel-Boxern in den frühen 50ern. Grund waren die extrem günstigen Preise für Diesel-Kraftstoff. Es gab Versuche mit zwei und vier Zylindern, Unterlagen existieren jedoch nicht mehr.Nur noch dieses eine Auto gibt es, und das stammt aus dem Porsche-Museum. Denn die Entwicklung des Vierzylinder-Diesel-Boxers war ein Auftrag von VW an Porsche. Basis war dann auch das dreiteilige Gehäuse eines 1,3-Liter-Porsche-Boxers. 1952 leistete die letzte Ausführung des in Zuffenhausen konstruierten, nahezu serienreifen 1,3-Liters 25 PS bei 3100 Touren mit Potenzial von höchstens 3300/ min – VW-Chef Nordhoff winkte ab: zu lahm, zu laut, zu dreckig sowieso. Gleiches gilt für das Aggregat, das hier zu sehen ist, den Typ 508. Er entstand allerdings erst 1981. Anlass war das fünfzigjährige Porsche-Jubiläum. Das Triebwerk wurde unter Leitung von Robert Binder originalgetreu rekonstruiert – demselben Mann, der es schon 1950 bis 1952 gebaut hatte, um es danach in einen firmeneigenen Brezel-Käfer zu verpflanzen. Aufgeweckt aus dem Museums-Schlaf bewältigt das kostbare Einzelstück die Ausfahrt tapfer, aber gemächlich. Angeblich sollen früher 110 km/h drin gewesen sein. Glaubhafter klingen die 60 Sekunden, die für die Beschleunigung auf 60 km/h vermerkt sind. Vielleicht ganz gut, dass 1976 der erste Seriendiesel bei VW dann im Golf I kein Boxer mehr war.
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