Mercedes W 124 (1985-1989)

Gebrauchtwagen Mercedes W 124 (1985-1989) Gebrauchtwagen Mercedes W 124 (1985-1989)

Mercedes W 124 (1985-1989)

— 25.02.2002

Was taugt so einer?

Ein Traumwagen kommt in die Jahre: Mercedes W 124 der ersten Generation sind nun auch für das Budget normaler Haushalte erreichbar. Und noch nicht mal langfristig teuer.

Verarbeitung und Technik

Wer je seine Kontoauszüge mit den Preisschildern in einem Mercedes-Showroom verglichen hat, wird sich zwangsweise einem Gebrauchten zuwenden. So pflegten wir es jedenfalls vor 15 Jahren zu machen, als der W 124 brandneu in den heiligen Hallen stand – vom 230 E träumen und Strich Acht kaufen. Inzwischen ist die erfolgreichste aller Mercedes-Mittelklassen für unter 5000 Mark in den Kleinanzeigen zu finden, mit Kilometerständen durchweg über 200.000.

Unser Fotowagen fällt da fast aus dem Rahmen, nur 138.000 zeigt die Kilometer-Rolle. Die erscheinen glaubhaft, nicht aber die vom Verkäufer zugesicherte Unfallfreiheit. Vorderer Schlossträger und Scheinwerfer sind neu, der Träger jedoch schlecht eingeschweißt. Ist eben eine lange Zeit, 15 Jahre. An der Karosserie eines W 124 perlen sie ab wie Wasser an gepflegtem Lack. Das Gehäuse ist steif wie ein Ziegelstein, verwindet auch nach der doppelten Laufleistung nicht spürbar und zeigt kaum Neigung zum Rosten.

Sicher einer der Gründe, weshalb Taxiunternehmer auf dieses Modell schwören. Das war nicht immer so, 1986 kam es zu einer Sternfahrt erboster Taxifahrer zur Mercedes-Zentrale in Stuttgart-Untertürkheim: Wackelige Sitze, schaukelnde Antriebe und klappernde Türen am neuen 124 hatten die Berufskutscher erzürnt. Vergessen. Mercedes zeigte sich kulant und unternahm alles, die rollenden Aushängeschilder bei der Stange zu halten. Zahlreiche Änderungen kamen auch privaten Kunden zugute, ab Ende 86 war die Mittelklasse fehlerfrei.

Motor und Fahrwerk



Dafür zogen dunkle Wolken von außerhalb auf. Die neuen, bleifreien Kraftstoffe vertrugen sich nicht mit den bekannten Motorölen – Schwarzschlamm entstand und blockierte die Motorschmierung. Am liebsten im Nockenwellenbereich, betroffen waren alle Benziner bis Ende 88. Auch heute noch können alte Benzinmotoren hier Probleme bekommen, laute Tickergeräusche aus dem Zylinderkopf sind ein Alarmsignal. Bei den Dieseln hingegen deuten sie lediglich auf einen oder mehrere defekte Hydrostößel hin, die auf Dauer aber auch die Nockenwelle abnudeln. Ansonsten sind hier kaum Probleme zu befürchten, lediglich die beiden Turbodiesel leiden bei allzu forscher Fahrweise an durchbrennenden Zylinderkopfdichtungen.

Als allgemeines Übel bei Mercedes sind dagegen ausgeleierte Zündschlösser bekannt, deren Lebensdauer im Wesentlichen von der Größe des angehängten Schlüsselbunds abhängt – je kleiner, desto länger. Auch zu großes Spiel in der Lenkung zieht sich bis in die jüngere Vergangenheit durch alle Baureihen. Meist sind es dabei mehrere Sachen, die sich addieren: Luft im Lenkgetriebe plus Spiel im Gestänge ergibt eine Seitenwindabweichung wie bei einem Lenkdrachen. Mitunter ist auch die Hinterachse nicht ganz unschuldig am unsauberen Strich. Die so genannte Raumlenkerachse verfügt über eine Vielzahl von Gummi/Metall-Buchsen, von denen speziell die der Schubstreben einseitig verschleißen. Wird der Mangel nicht erkannt, knatscht die Strebe irgendwann am Träger. An der Hinterachse ist auch das Differenzial zu finden, das oft undicht ist und Geräusche verursacht. Lautes Klacken beim Lastwechsel und Heulen bei höherem Tempo kündigen den Kollaps an.

Festgehende Türbänder machen sich ebenfalls akustisch bemerkbar – sie knarren. Wenn die Türen sich also anhören wie das Tor von einem Spukschloss – zerlegen, den Türstopper ausbauen und ausgiebig fetten. Bei der Gelegenheit lassen sich gleich die inneren Fensterschachtabdichtungen mit neuen Clips befestigen, die bei alten W 124 fast immer neben der Führung hängen. Mehr gibt es drinnen selten zu richten. Was sich auch so gehört – schließlich war jeder W 124 mal sehr teuer.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1/85 Modelleinführung zur Ablösung des W 123 in den Versionen 200, 230 E, 300 E, 200 D, 250 D und 300 D; W 123 T-Modell (Kombi) wird weitergebaut 9/85 Produktionsbeginn 124er-Kombi 9/88 ABS Serie für alle Modelle 2/89 Diesel-Offensive, alle Selbstzünder mit leicht erhöhter Leistung und verbesserter Abgasqualität wegen Schrägeinspritzung 9/89 Facelift, breite Schutzplanken an den Seiten, neue Spitzenmotorisierung 300 E-24V, 220 PS

Schwachstellen • Schwarzschlamm im Ölkreislauf richtete in den Achtzigern zahlreiche Motoren hin. Öleinfülldeckel (rechts) abschrauben und das Nockenwellenumfeld prüfen – es sollte metallisch blank sein • Lenkspiel hat seine Ursache in ausgeleierten Lenkgetrieben und Spurstangen. Nachstellen hilft nicht, nur das Auswechseln • Hinterachse hat bei höheren Laufleistungen Probleme mit Silentblöcken • Bremse macht vor allem hinten Ärger, weil die Scheiben verrosten • Differenzial neigt zu Undichtigkeiten und Heulgeräuschen. Oft hat es zu viel Spiel zwischen Tellerrad und Triebling – Lastwechselrucken

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes 230 E Kat, 97 kW/132 PS, Baujahr 85. Nach der Anschaffung ist das Schlimmste überstanden, die Ersatzteilkosten halten sich im Rahmen. Da gibt es viele kleinere Autos, die teurer fahren.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der W 124 gehört zu den zuverlässigen Kandidaten bei der Hauptuntersuchung. Rost ist selbst beim Baujahr 85 fast nicht vorhanden, auch Auspuff und Bremsleitungen sind sehr resistent. Allerdings macht die hintere Bremse ab und zu Ärger: Die Feststellbremse zieht schlecht, und bei sehr vorsichtig bewegten Fahrzeugen rosten die hinteren Bremsscheiben. Weiter zu beklagen: zu großes Lenkspiel, ausgeschlagene Silentbuchsen und Traggelenke." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Mercedes 230 E Kat (97 kW/132 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 304 Mark im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe 9,2 Liter, gemessen 10,4 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (18/1000 Mark SB): 1908 Mark. Teilkasko (31/300 Mark SB): 490 Mark. Haftpflicht (18): 1813 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 10.000 Kilometer, etwa 400 bis 700 Mark Wertverlust: Benziner ohne Kat werden verschenkt, mit sind sie eine sichere Anlage. Am besten hält sich der 250 D als Limo oder Kombi.

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