Mohs Ostentatienne Opera Sedan — 30.01.2011
Amerikas schrägstes Auto
Ein Mann, eine Idee, ein Auto. Die Luxuslimousine eines Amerikaners aus Wisconsin war nicht schön, aber selten. Und irgendwann verschollen. AUTO BILD KLASSIK hat den Mohs Ostentatienne Opera wiederentdeckt.
Die Tops der Flops: Autos, die ins Abseits fuhren
Dann investierte Mohs 13.000 Dollar und gebar binnen neun Monaten einen Wagen, so spektakulär unproportioniert, dass es jedem, der ihn gewahr wurde, wie ein Blitz in die Glieder fuhr. Lang wie eine Cadillac-Limousine, aber 25 Zentimeter breiter, auf 20-Zoll-Rädern mit stickstoffgefüllten Reifen übertraf der Gigant so ziemlich alles. "Ich wusste, dass der Bugatti Royale eine 1,8 Meter lange Haube hatte, also streckte ich ihn vorn noch etwas. Man muss die Konkurrenz in die Schranken verweisen", erinnert sich Mohs heute. Und vergisst auch nicht, auf die 31 Patente in seinem Auto zu verweisen – herausspringendes Sicherheitsglas etwa, extrastarke Rückleuchten oder beim Aufprall nach hinten schwenkende Sitze.
Überzeugungstäter erzählen: Ich fahre einen Flop
"Ich war immer verrückt nach Sicherheit", sagt er. Und um dem Träger seines Namens noch etwas französisches Flair mitzugeben, verlieh er ihm den Beinamen Ostentatienne. In Anlehnung an "ostentatious" (Englisch für pompös). Entgegen aller Weisheit betraten die Insassen den Wagen durch eine einzelne Hecktür über eine Treppe. Innen erwartete sie ein durchsichtiges Dach, Walnussholz mit Goldintarsien, Samtpolster und Teppiche im Stil der Ming-Dynastie. Erfrischungen spendierte ein butangasbetriebener Kühlschrank. 1967 brachte Mohs den Ostentatienne Opera Sedan auf den Markt, zu Preisen zwischen 19.600 und 25.600 Dollar, je nach Ausstattung – zumindest in diesem Punkt hatte der Wagen Rolls-Royce-Niveau. Einleuchtend, dass die Käufer einen Bogen um das Ding machten.Nur ein Prototyp entstand
Es blieb beim Prototyp, und der bewährte sich fortan als Bruce Mohs’ Alltagsauto. Und als Showstopper – so als Mohs 1968 die Wahlkampfrede von Nelson Rockefeller unterbrach. Nur weil er in der Nähe vorbeifuhr. Oder als ihn ein TV-Team in Texas mit einem Rockstar verwechselte. Das Auto avancierte zur Limo prominenter Gäste, wenn sie die Mohs Seaplane Corporation besuchten. Angeblich ließen sich unter anderem Johnny Carson und Tom Jones darin kutschieren. Gern erzählt Mohs auch von seiner Freundin Grace Kelly: zwei Nummerntafeln am Ostentatienne – eine von Wisconsin, eine von Monaco – erhärten die Story. Aufbewahrt wurde er in Mohs' Automuseum, das an Mohs' "German Restaurant" angrenzte. Wer im Lokal etwas bestellte, durfte umsonst ins Museum. In den späten 80ern freilich ging die Sonne über dem Mohs-Imperium unter. Der Ostentatienne verwitterte hinter verschlossenen Türen. Legenden begannen sich um das skurrile Gefährt zu ranken.
2008 wird der Mohs wiederbelebt
Es dauerte bis 2008, bevor jemand bei Bruce Mohs anklopfte. Es war Fred Beyer. Und der Besucher war, wie sich schnell herausstellte, aus demselben Holz geschnitzt. Beyer bildete Automechaniker aus, erfand Sachen, baute Hotrods, fuhr Schnellboote und spielte Ragtimeklavier in Nachtklubs. Mohs, inzwischen 76, vertraute ihm. Er glaubte Beyer, als dieser versprach, das Auto mithilfe seiner Studenten wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen. So sehr, dass er es seinem neuen Freund schließlich vermachte. Beyer zerrte das 2,6-Tonnen-Monstrum aus seinem Grab, dem früheren Museum. Seine Fenster hatten Risse, der Lack blätterte, überall blühte der Rost. Und innen sah es auch nicht besser aus. "Wie in Omas Keller", kommentiert Beyer.
Luxuriöser Urahn des SUV
Das dicke Ende ließ indessen nicht auf sich warten. Bei der kosmetischen Aufarbeitung stießen Beyers Studenten auf Schichten metallarmierter Glasfasern, die sich über den Stahlkorpus stülpten. Mohs verkaufte das in seinen Prospekten einst als Sicherheitsmerkmal, die Wahrheit entpuppte sich nun als schwer restaurierbare Tünche. Doch Mitte 2009 blinkte der Ostentatienne Opera Sedan wieder in güldener Pracht. Und Bruce Mohs? "Es war seine Reise in die Vergangenheit", berichtet Beyer, "er hatte Tränen in den Augen."
Kommentar verfassen
Hinweis: Die mit einem Sternchen* versehenden Felder sind Pflichtfelder
Anzeige







Kommentare zum Artikel (10)
Erstellt
Inhalt
Funktion
Das ist doch Nichts im Vergleich zum Mohs SafariKar:
http://www.ectomo.com/2008/08/28/the-mohs-ostentatienne-opera-sedan-and-safarikar/
Klasse! Gestalterisch komplett daneben - aber wenn ich mir hinten die Heck...tür? -klappe? wie sagt man? ... ansehe, stelle ich fest, dass ich bequem mit meinem Citroen C2 da reinfahren und parken kann. Macht sicher keinen Sinn, aber noch sicherer viel Spaß!
Das wars dann wohl - entweder - oder !!!
AUTO BILD KLASSIK oder OLDTIMER MARKT
Zweimal zahlen - einen Artikel lesen -
geht garnicht.
.
Und tschuess - sagt der Ruedi - zu einem von den Beiden.
Jetzt weiß man endlich was Porsche als Designgrundlage für den Panamera genommen hat.
Aber das Ding ist so häßlich das es wieder cool ist ... zieht aufn Oldtimertreffen bestimmt besser als der 500ste restaurierte Elfer.
Wie geil ist dieses Vehikel! :-)
Das ist einmal was spektakuläres - ein bissl wie ein UFO. Würd ich gern mal fahren...