60 Jahre Lloyd 300
— 22.06.2010Leukoplast-Bomber feiert Jubiläum
Der Lloyd 300 feiert 60. Geburtstag. Er war der Dacia Logan der 50er-Jahre: ein simples Auto für Wenigverdiener. Lesen Sie hier, wie er zum Spitznamen "Leukoplast-Bomber" kam.
Glückwunsch zum 60. Geburtstag: VW T1 Bulli
Der Bremer Unternehmer Carl Friedrich-Wilhelm Borgward, schon in den 30er-Jahren mit seinem praktischen Blitzkarren und einer eleganten Limousine namens Hansa erfolgreich, sah als Erster die Marktlücke. Er gründete 1948 die "Lloyd Maschinenfabrik" und konzipierte einen Kleinwagen, der für weniger als 3000 Mark zu kaufen sein sollte. Am Ende waren es dann doch 3334 Mark, aber die waren immer noch konkurrenzlos. Zwar bekam man dafür nur einen Zweizylinder-Zweitakter mit zehn PS, aber immerhin für vier Personen ein festes Dach über dem Kopf. Nur: So ganz fest war es nicht. Denn die Karosserie des Lloyd 300 bestand aus Sperrholz, dem eine Haut aus Kunstleder eine gewisse Witterungsbeständigkeit verlieh. Gleichzeitig sorgte der Bezug auch für den Spitznamen: Schäden an der Außenhaut mussten nicht gespachtelt werden, sondern ließen sich mit Leukoplast-Pflaster zumindest kurzfristig versiegeln. Der Leukoplast-Bomber war geboren.35 Prozent sparen: Jetzt AUTO BILD im Abo bestellen!
Wobei sich das mit dem "Bomber" weder auf die Leistung noch auf das Gewicht bezog. Eher schon auf die Nutzlast: Die Allgemeine Betriebserlaubnis vom 30. Juni 1950 erlaubte dem 475 Kilogramm leichten Lloyd ein zulässiges Gesamtgewicht von 800 Kilogramm! Das war zwar praktisch für den Familienurlaub, erwies sich aber spätestens bei der Überquerung der Alpen als ziemlich absurd. Auf den Brenner schaffte man es gerade so im zweiten Gang. Bergab ging es schneller, oft zu schnell: eine simple Pendelachse, Blattfedern und Seilzugbremsen brachten viele Lloyd-Piloten an den Rand ihres Könnens – nicht selten darüber hinaus. Dann allerdings wurde es wirklich bitter, denn von passiver Sicherheit konnte bei der Holzkarosse kaum die Rede sein. Der Volksmund machte sich schnell einen Reim darauf: "Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd!"Zum Kreis der Mutigen zählte Karl-August Mohr aus dem holsteinischen Struvenhütten. 1953 erwarb er seinen Führerschein und die erste Fahrpraxis auf dem Lloyd Kombi eines Freundes. Gemeinsam startete man zu Spritztouren, am liebsten ins Nachtleben von St. Pauli. "Zurück durfte ich dann immer fahren", erinnert sich Mohr noch heute mit frivolem Grinsen. Danach war dann erst mal Schluss mit lustig. Mohr fuhr zur See, sein Freund fand Gefallen an anderen Autos, der Lloyd verschwand in einer Scheune. Die, wie sich 1980 herausstellte, nicht ganz dicht war. Mohr, inzwischen als Installateur tätig, erwarb die traurigen Überreste, überführte sie in seine Garage und wusste fortan, womit er seinen Ruhestand verbringen würde – mit der Aufarbeitung des alten Lloyd.
Mehr vom Lloyd LS 300 gibt's oben in der Bildergalerie!
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar verfassen
Anzeige






Kommentare zum Artikel (9)
Erstellt
Inhalt
Melden
Liebe Leute,
alles gut und schön. es ging da wohl in dieser Zeit sehr tubolent zu.
Lassen wir aber doch Herrn Borgward in Frieden schlafen.
Erfreunen sollten wir uns an den noch übriggebliebenen Zeitzeugen.
Schließlich feiert ja der kleine Lloyd seinen 60-igsten. Unser 300er ist 40 Jahre im Familienbesitz und dreht immer noch vergnügt seine Runden.
Viele waren zum Jahrestreffen der LLOYD FREUNDE IG im Mai.
Denn sie rollen noch!
@Lloyd 300
Ich muss Ihnen widersprechen: Herr Borgward galt als befähigter Konstrukteur, aber als unbegabter Kaufmann. Er herrschte nach Gutsherrenart, scharte Leute um sich, die zu den Ja-Sagern gehörten; Leute, die nicht ohne Aufsicht arbeiten konnten.
Er verzettelte sich im Kleinkram und verlor den Überblick über das Große. Er verpulverte viele Millionen DM in sein "Volks-Hubschrauber-Projekt", statt in neue Automobile, bis ihm die Banken dafür den Hahn zudrehten.
Schuld an der finanziellen Schieflage seines Konzerns waren dann natürlich Andere... ;-))
Herr Borgward war eher dafür bekannt seine Modelle unausgereift und falsch kalkuliert auf den Markt zu werfen. Erinnern wir uns nur an den "Großen Borgward" Anfang der 50´er Jahre: Ein technisches Desaster. Nicht Dauer haltbar. Lloyd Arabella: unausgereift, die Käufer waren Testfahrer. Ruf ruiniert. Re-Start als Borgward Arabella, konnte aber nicht Kosten deckend produziert werden. Isabella-Nachfolgemodell verschlafen, dito(Goliath)Hansa 1100. Stattdessen P100 auch völlig unausgereift, musste vom Kunden nachgearbeitet werden, nur dann brauchbar.
Ergebnis: Kreditlinie überzogen. Insolvenz.
Meine Herren, einige scheinen hier von der Geschichte des deutschen Automobilbaus null Ahnung, geschweige von Geographie zu haben. Dr.Borgward, genialster Autokonstrukter der Nachkriegszeit würde ihnen eine Kleben.
Diese Kommentare sind eine Schande für Deutschland, hoffentlich liest es keiner weiter.
Es blieb ja nicht beim 300er.
http://de.wikipedia.org/wiki/Lloyd_(Automarke)