Daihatsu Charade GTti

Daihatsu Charade GTti: Test

— 11.04.2011

GTti, der Zwerg mit Riesenkraft

AUTO BILD Archiv-Artikel 27/1987: In einem Punkt ist der Daihatsu Charade GTti Weltmeister. Sein ein Liter großer Dreizylindermotor leistet 101 PS. Im Test muss er zeigen, ob er auch sonst Spitze ist.

101 PS aus einem winzigen Dreizylindermotörchen zu zaubern ist keine Kleinigkeit. Deshalb haben die Daihatsu-Ingenieure ihrem jüngsten Kind auch eine geballte Ladung Technik mit auf den Weg gegeben: Zwölf Ventile (vier pro Zylinder), gesteuert von zwei obenliegenden Nockenwellen, und ein Turbolader sorgen dafür, dass der Motor genug Atemluft für die Verbrennung erhält. Eine elektronische Benzineinspritzung beschickt ihn mit Sprit. Das Ganze haben die Japaner so geschickt verpackt, dass es sogar noch gut aussieht. Die Technik klingt vielversprechend, macht aber auch ein wenig skeptisch.

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Ein so kleiner Motor mit so viel PS – kann das denn in der Praxis überzeugend funktionieren? Steigen wir ein. Der Motor springt immer nach dem ersten Zündschlüsseldreh an. Was sich dann den Ohren als Geräuschkulisse bietet, ist freilich etwas ungewöhnlich. Es klingt wie eine Mixtur zwischen dem Zweitaktmotor vom Trabant und der 300-PS-Maschine aus dem Porsche Turbo. Die Fahrleistungen des japanischen High-Tech-Zwerges ähneln denen eines Sportwagens. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt er in 8,6 Sekunden. Und auf der Autobahn rennt er 192 km/h – fast doppelt so schnell wie ein Trabant.

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Der Benzinverbrauch ist zum Glück nicht ganz so riesig wie seine Fahrleistungen. 10,2 Liter bleifreies Normalbenzin verbrauchte er auf der AUTO BILD-Meßstrecke. Angesichts der guten Fahrleistungen wirklich ein ordentlicher Wert. In der Stadt war ich mit dem Giftzwerg König. Beim Ampelstart ist er fast immer schneller. Die Schaltung geht butterweich. Die Getriebeübersetzung passt prima zur Motorcharakteristik. Frech wie Oskar, konnte ich jede Lücke im Verkehrsgewühl nutzen. Das Maschinchen hat für einen kurzen Zwischenspurt immer reichlich Kraft parat. Es reagiert spontan auf jeden Befehl vom Gasfuß.

Nervöses Heck

Übrigens: Schaltfaul kann man den GTti auch fahren. Es ist enorm, wie elastisch der Motor ist. Und das Einsetzen des Turboladers habe ich kaum gespürt. Schlecht ist es um die Traktion der angetriebenen Vorderräder bestellt. Sie drehen nicht nur beim forschen Beschleunigen durch, sondern auch ab und zu in Kurven. Drehen die Vorderräder mal nicht durch, liegt der GTti fast neutral – solange der Fahrer den Fuß nicht vom Gas nimmt. Tut er das, bricht das Heck des Super-Charade aus. Nicht ungewöhnlich für einen Fronttriebler – ungewöhnlich ist nur, wie heftig der kleine Japaner herumschwenkt.

Platz für Große

Als ich plötzlich einem Hindernis ausweichen musste, bemerkte ich noch eine andere Schwäche des aufwendigen Fahrwerks (alle vier Räder sind einzeln aufgehängt): Die Karosserie schaukelte sich auf, der Wagen kam ins Schlingern. Die Japaner sollten doch noch ein wenig an der Abstimmung tüfteln. Recht erfreulich dagegen der Fahrkomfort. Der Mini rollt auch über schlechte Straßen ganz passabel. An einen Polo kommt er jedoch nicht heran. Er ist ja auch fünf Zentimeter kürzer. Der Innenraum präsentiert sich ganz im Stil der Zeit. Das Armaturenbrett ist aufgeräumt, die sportlichen Schalensitze bieten auch großen Menschen ausreichend Platz.

Fünfsitzer für vier

Ein Fünfsitzer, wie es die Zulassung verspricht, ist der Charade sicherlich nicht. Aber vier Personen sind trotz der geringen Außenlänge von 3,61 Meter recht passabel untergebracht. Nur der Kofferraum ist etwas klein geraten. Schwacher Trost: Wer nur zu zweit verreist, kann ja die Rücksitze umlegen. Fazit: Weltmeister ist der Daihatsu Charade GTti nur in der Literleistung – sonst nirgendwo. Aber für 17.990 Mark bietet er eine Menge Fahrspaß und dazu eine hübsche Karosserie.

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