Matra Bonnet Djet

Matra Bonnet Djet

Ein Meilenstein fürs Abstellgleis

Der Matra Bonnet Djet ist ein Fall für Fans. Das erste Mittelmotor-Serienauto der Welt wurde unter zwei Markennamen fast 1700-mal gebaut. Mit knüppelhartem Fahrwerk und lautem Motor fordert der ultraflache Franzose echte Nehmerqualitäten.
Ein – was? Ein René Bonnet Djet. Nie gehört? Macht nichts. Selbst Oldtimer-Kenner kommen bei der Bestimmung des blauen Coupés ins Trudeln. Völlig zu Unrecht ist das Coupé nahezu in Vergessenheit geraten. Denn der Djet ist ein technischer Meilenstein: Unter der knapp geschnittenen Kunststoffhülle werkeln – wie bei der AlpineMotor und Getriebe von Renault. Bonnet hatte den Antrieb aber um 180 Grad gedreht und das Triebwerk vor der Hinterachse montiert – und so 1962 den ersten serienmäßigen Mittelmotor-Sportwagen der Welt auf die Räder gestellt. Und was für einen! Mit schlankem Karosseriekörper, langem, flach zulaufendem Bug und Scheinwerfern im Stil des Jaguar E-Type, glaskuppelartigem Heckfenster und abrupt endendem Heck. Das aufklappbare Heckfenster ("Goldfischglas") war seiner Zeit voraus, die Zeit der Heckklappen brach erst viel später an.

Die 67 PS des Renault-Motors reichen, um den Djet auf Trab zu bringen.

©C. Bittmann

Vergleichsweise bieder konstruierte Bonnet das Chassis: ein Zentralrohrrahmen mit einer Gitterkonstruktion aus Vierkantrohren zur Aufnahme von Motor und Getriebe. Während er Lenkung und Vorderachse vom Renault 8 übernahm, hatte sich Bonnet mit der Hinterachse mehr Mühe gemacht. An Dreiecklenkern einzeln aufgehängt, verfügt jedes Hinterrad über zwei Schraubenfedern samt zwei Stoßdämpfern. Dazu kommen vier Lockheed-Scheibenbremsen – damit lässt der Mittelmotorwagen keinen Zweifel an seinen Rennsport-Ambitionen aufkommen. Und so fährt sich der Djet auch: Der Motor brüllt selbst bei milden Stadtgeschwindigkeiten wie ein Berserker, das knochenharte Fahrwerk verweigert großenteils das Federn, und das Getriebe aus dem Renault-Lieferwagen Estafette macht einen Lottogewinn wahrscheinlicher als einen spontan getroffenen Gang. Das schreckt in den 60ern die meisten Interessenten ab. Nur 198 Djet entstehen in der Fabrik in Champigny-sur-Marne, bis Bonnet seine Firma 1964 an Matra verkauft. Fast 1500 weitere entstehen und dem Namen Matra Djet bis zum Produktionsende 1968. Was aber wenig daran ändert, dass heute kaum noch einer den Matra Bonnet Djet kennt. Den – was?

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Fahrzeugdaten Matra Bonnet Djet
Motor Vierzylinder-Mittelmotor
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Kette
Brennraum 1108 ccm
Bohrung x Hub 70,0 x 72,0 mm
kW (PS) bei U/min 49 (67)/6000
Nm bei U/min 83/4800
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
Getriebe Viergang, manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 145 SR 15
Verbrauch (Werksangabe) 11,0 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 45 Liter/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 900 kg
Vorbeifahrgeräusch 77 dB (A)
Länge/Breite/Höhe 3800/1400/1200 mm
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 4,6/11,2 s
0–100 km/h 13,0 s
Elastizität 60–100/80–120 km/h 11,1/16,6 s
Bremsweg aus 100 km/h 53,4 m
Leergewicht/Zuladung 772/128 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 46/54 %
Wendekreis (links/rechts) 10,5/10,9 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 69/76 dB (A)
Testverbrauch - CO2 11,2 Liter – 265 g/km
Reichweite 400 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 68 Euro
Werkstattintervalle 2500 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 120/290 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand 1/2012) 20.700 Euro

Autor: Stefan Voswinkel

Fotos: C. Bittmann

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