Der Matra Bonnet Djet ist ein Fall für Fans. Das erste Mittelmotor-Serienauto der Welt wurde unter zwei Markennamen fast 1700-mal gebaut. Mit knüppelhartem Fahrwerk und lautem Motor fordert der ultraflache Franzose echte Nehmerqualitäten.
Bild: C. Bittmann
Stefan Voswinkel
Ein – was? Ein René Bonnet Djet. Nie gehört? Macht nichts. Selbst Oldtimer-Kenner kommen bei der Bestimmung des blauen Coupés ins Trudeln. Völlig zu Unrecht ist das Coupé nahezu in Vergessenheit geraten. Denn der Djet ist ein technischer Meilenstein: Unter der knapp geschnittenen Kunststoffhülle werkeln – wie bei der Alpine – Motor und Getriebe von Renault. Bonnet hatte den Antrieb aber um 180 Grad gedreht und das Triebwerk vor der Hinterachse montiert – und so 1962 den ersten serienmäßigen Mittelmotor-Sportwagen der Welt auf die Räder gestellt. Und was für einen! Mit schlankem Karosseriekörper, langem, flach zulaufendem Bug und Scheinwerfern im Stil des Jaguar E-Type, glaskuppelartigem Heckfenster und abrupt endendem Heck. Das aufklappbare Heckfenster ("Goldfischglas") war seiner Zeit voraus, die Zeit der Heckklappen brach erst viel später an.
Die 67 PS des Renault-Motors reichen, um den Djet auf Trab zu bringen.
Bild: Christian Bittmann
Vergleichsweise bieder konstruierte Bonnet das Chassis: ein Zentralrohrrahmen mit einer Gitterkonstruktion aus Vierkantrohren zur Aufnahme von Motor und Getriebe. Während er Lenkung und Vorderachse vom Renault 8 übernahm, hatte sich Bonnet mit der Hinterachse mehr Mühe gemacht. An Dreiecklenkern einzeln aufgehängt, verfügt jedes Hinterrad über zwei Schraubenfedern samt zwei Stoßdämpfern. Dazu kommen vier Lockheed-Scheibenbremsen – damit lässt der Mittelmotorwagen keinen Zweifel an seinen Rennsport-Ambitionen aufkommen. Und so fährt sich der Djet auch: Der Motor brüllt selbst bei milden Stadtgeschwindigkeiten wie ein Berserker, das knochenharte Fahrwerk verweigert großenteils das Federn, und das Getriebe aus dem Renault-Lieferwagen Estafette macht einen Lottogewinn wahrscheinlicher als einen spontan getroffenen Gang. Das schreckt in den 60ern die meisten Interessenten ab. Nur 198 Djet entstehen in der Fabrik in Champigny-sur-Marne, bis Bonnet seine Firma 1964 an Matra verkauft. Fast 1500 weitere entstehen und dem Namen Matra Djet bis zum Produktionsende 1968. Was aber wenig daran ändert, dass heute kaum noch einer den Matra Bonnet Djet kennt. Den – was?