14. Retro Classics Stuttgart:

Messerundgang Retro Classics

— 14.03.2014

Coole Cars und ultrahocherhitzte Preise

Zum Start in den Frühling lockt die Retro Classics einige Zehntausend Oldtimer-Fans in die Stuttgarter Messehallen – zum Schauen und Staunen. Kaufwillige geraten zunehmend ins Schlingern, denn die Klassiker-Preise haben bald jede Bodenhaftung verloren.

Im Märzen spannt nicht nur der Bauer seine Rösslein an. Mit den ersten Sonnenstrahlen wecken auch die Oldie-Fahrer ihre Schätzchen aus dem Winterschlaf. Kaum ist das Salz von der Straße, scharrt die Szene mit den Reifen. Vorgeglüht wurde noch bei Minusgraden auf der Bremen Classic Motor Show im Februar, und jetzt, wo in Stuttgart die Retro Classics als zweite große Messe des Jahres ihre Pforten öffnet, möchte man am liebsten direkt losbrausen – zum Autowandern im Heckengäu oder zum gepflegten Kurvenkratzen auf die Alb.

Preise "auf Anfrage"

Auf der Retro Classics treten Mercedes-Pagoden in Massen auf. Diese ist schön, gewiss. Aber für 155.280 Euro!?

Vor das persönliche Klassiker-Glück hat der liebe Gott jedoch den Preis gesetzt – und der ist, wie angesichts des aufgeheizten Marktklima nicht anders zu erwarten, immer häufiger so deftig wie die Brühe, in der im Schwabenland die Maultaschen schwimmen. Seit die Banken für Bares nur noch lächerliche Zinsen zahlen, drehen die Jäger des Garagengoldes an der Preisspirale. Rasant wächst die Zahl der Autos, bei denen statt konkreter Euro-Beträge "auf Anfrage" auf dem Preisschild steht – was so viel heißt wie: über 200.000, denn so hoch liegt die Schamgrenze, ab der man in der Szene aufhört, öffentlich über Geld zu sprechen.

14. Retro Classics Stuttgart: Rundgang


Tolle und schrille Autos vom Schnäppchenmarkt auf der Retro Classics

Dass selbst Allerwelts-Klassiker wie ein Porsche 911 aus den siebziger Jahren die 80.000-Euro-Marke hinter sich gelassen haben, wundert schon längst keinen mehr. Die "155.280 Euro" an einer 1969er Pagode und ein Jaguar E-Type Roadster, Baujahr 1963, der auf der "Retro" für 199.000 Euro ein neues Zuhause sucht, lösen jedoch selbst bei Branchen-Insidern Stirnrunzeln aus. Zahlt das wirklich jemand? Und wenn ja: Wie lange geht die Hausse noch weiter? Schon spukt das böse B-Wort durch die Messehallen, wenn auch zunächst noch hinter vorgehaltener Hand. Von einer "Blase" will an den Verkaufsständen von Mirbach, Kienle, Koch und wie sie alle heißen jedoch niemand etwas wissen. Die Geschäfte laufen prächtig, im Glas perlt der Champagner, Küsschen hier, Kaufvertrag da: eitel Sonnenschein im Flügeltürer-Country.

Erfreulich wenige Neuwagen

Traumhafter Italo-Brite: Bentley Mk VI Cresta von 1948 im Pininfarina-Kleid. Preis auf Anfrage.

Passend zum Veranstaltungsort dominieren in den Stuttgarter Messehallen auch dieses Mal die Marken Mercedes und Porsche. Beide Hersteller feiern ihre Motorsport-Historie, beim Daimler in Halle 7 bildet eine bunte Korona von Tourenwagen den Rahmen für den Roll-Out der neuen C-Klasse – eine von erfrischend wenigen Neuwagen-Präsentationen auf der Retro Classics. Porsche stimmt das Publikum in Halle 4 mit einschlägigen Exponaten aus dem Werksmuseum auf das nahende Comeback in Le Mans ein. Sympathisch geht es bei den Clubs zu. Ob Mercedes-Gefolgschaft, Ford-Freunde, Audi-Anhänger oder Opel-Jünger: Überall gibt es Seltenes und Interessantes zu entdecken und die Chance, mit Gleichgesinnten Blech oder Benzin zu reden.

Mit wenig Geld zum eigenen Oldtimer

Wenn die Portokasse nicht für einen Einkauf in den Hochpreis-Hallen reicht, lockt der Privatverkäufer-Markt, über den wir gesondert berichten. Mondtarife sind hier (noch) die Ausnahme, und überraschend viele Autos locken mit gutem Zustand und mit wenig Kilometern. Trotzdem: Clevere holen sich bloß Appetit, kaufen ein Los der Lebenshilfe Gießen und hoffen auf einen Gewinn bei der Oldtimerspendenaktion. Mit fünf Euro ist man, wie stets, dabei und fährt mit etwas Glück im nächsten Frühjahr Jaguar Mk II oder Ferrari Mondial.  Oder man hält es wie der Häuslebauer, der andächtig  an den Erdmann-&-Rossi-Preziosen aus der Kollektion des litauischen Sammlers Salius Karosas in Halle 4 vorbeidefiliert: „Gucke koscht zum Glück nix“, sagt er, und seine Augen funkeln mit dem Kühlergrill des 1939er Rolls-Royce Wraith um die Wette. "Koscht nix" stimmt zwar nicht ganz, doch die 16 Euro Eintritt (Tageskarte, ermäßigt 12 Euro) kann man angesichts des Gebotenen wirklich fast vergessen. 3000 Autos und 1400 Aussteller: Mehr Retro war nie. Bis Sonntag ist in Stuttgart noch Gelegenheit zum Träumen, die Messe rechnet nach 77.000 Besuchern im Vorjahr diesmal mit mindestens 80.000 Gästen. Oben in der Galerie finden Sie Eindrücke von der Retro Classics 2014!

Autor: Martin G. Puthz

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