Opel Senator

Opel Senator

— 16.06.2007

Die wahre Senator-Klasse

Mit dem Senator wollte Opel vor 1978 noch einmal nach oben. Stilistisch und technisch gelang ihm das. Sein Motto gilt noch heute: Es muss nicht immer BMW oder Mercedes sein.

Der Senator-Mann ist anders als das Klischee vom Opel-Fahrer. Er trgt keine Strickjacke, keine Hosentrger und schon gar keinen Hut. Angemessen sind schon eher Schlaghosen und Samtsakko. Dazu hrt er nicht Heino, sondern Glam-Rock: Emerson, Lake & Palmer oder Genesis. Kurz: Senator-Mann ist nicht der Opel-Fahrer, wie ihn das Deutschland der 70er kennt. Er ist hipper nicht immer, aber oft. Denn 1978, das muss man wissen, gehrte der neue Opel Senator zu den coolsten deutschen Autos, die es in der oberen Mittelklasse zu kaufen gab. Klare Linien, groe Fenster, das sichtbare Bekenntnis zum kantigen Origami-Design. Dazu fettes Chrom, aber nicht kitschig-feist. Purer 70er-Jahre-Chic Opel presste ihn in Blech.

Senator-Coup mit groer Klappe: Opel Monza

Dickes Ding: Die kantige Form mit dezentem Chrom-Schmuck war Ende der 70er-Jahre top-modisch. BMW und Benz sahen da alt aus.

Daneben wirkten die Angebote der Konkurrenz aus Mnchen und Stuttgart ziemlich gestrig. Es war ein Schock. Das Establishment bekam kalte Fe. Nicht nur, dass Opel nach Jahren der Oberklasse-Stagnation mit den glcklosen Admiral und Diplomat-Typen pltzlich in fremdem Revier wilderte. Der Eindringling hatte auch noch Erfolg. Und er gewann sogar Vergleichstests der Fachbltter. Der Senator 3.0 E mit 180 PS lie einen BMW 528i oder Mercedes 280 E alt aussehen. So gut war Opel damals. Das Auto mit den hinteren Schrglenkern lag satter auf der Strae und federte besser. Und zu allem berfluss rannte es auch noch schneller: In 8,5 Sekunden von null auf 100 und gestoppte 212 km/h Spitze (mit Automatik 9,7 Sekunden und 205 km/h). Damit lsst sich auch im heutigen Alltag noch gut leben.

Power, Plastikholz und Plsch

Quadratisch, praktisch, gut: Mehr 70er-Jahre-Chic geht nicht. Das Cockpit verrt die Nhe zum kleineren Rekord.

berhaupt fhrt es sich in der Senator-Klasse auch 30 Jahre danach noch einwandfrei: bequeme Sitze, viel Platz und alles im Blick. Im eckigen Cockpit fnde man sich mit verbundenen Augen zurecht. Fr den optischen Kick sorgen die Resopaleinlagen in Holzoptik und der Dralon-Plsch das fanden trendbewusste Besserverdienener damals keineswegs grell, sondern durchaus gediegen. Allerdings knallt die Sonne so intensiv durch die ppige Verglasung, dass auf die Dauer das strkste Deo versagt. Wohl dem, der heute einen Senator mit Klimaanlage findet. Die gab es fr 2325 Mark, bei einem Basispreis fr den 3.0 E von 28.420 Mark. Ein Mercedes 280 E kostete seinerzeit nur 1000 Mark mehr.

Top: Senator CD

Und wer sich den Senator als CD mit allen Schikanen gnnte, inklusive Klimaanlage und Cassettenspieler, bltterte 33.220 Mark hin. Ein Preis, der ein gesundes Selbstbewusstsein verriet. Dabei hatte der Senator durchaus seine schwachen Seiten. Die Karosserie war nicht besonders steif und klapperte ganz gern. Und der Reihensechszylinder reagierte auf Drehzahlen ber 4500/min unwirsch. Bei lngerem Aufenthalt in diesem Bereich drohte der Exitus, denn die ltemperatur kletterte rasant auf ber 160 Grad. Und das hlt irgendwann der beste Schmierstoff nicht aus, weshalb Shell damals mit dem Dreiliter seine Motorle testete. Hinzu kam, dass sich der Opel-Sechszylinder als Keilriemenfresser einen Namen machte. Man fhrt also besser nicht auf der letzten Rille.

Dann begann der Opel-Blitz zu sinken

Auch die Sechszylindermotoren gaben sich samtig. Allerdings nur bei zivilen Drehzahlen. Hier der 2,8-Liter (140 PS).

Dann tut es auch einer der Vergasermotoren im Senator 2.8 (140 PS) und 3.0 (150 PS). Erleichterung verschaffte das ab 1980 lieferbare Fnfganggetriebe. Aber da begann der Stern am Opel-Himmel bereits zu sinken. Der Absatz sackte ab. Und bei der Modellpflege fehlte das Gespr. 1982 ersetzte der berarbeitete Senator A2 die Ur-Baureihe, aber der war von vorn kaum noch vom Allerwelts-Rekord zu unterscheiden. Schlimmer: Im Handling konnte er nun auch nicht mehr glnzen. Und dass Opel bald danach mit vierzylindrigen Schmalspur-Senatoren auf Kundenfang ging, setzte dem Fass die Krone auf. 1987 hatte das Leid ein Ende: Die Rsselsheimer prsentierten den ebenso farb- wie erfolglosen Senator B. Das war's dann mit der Oberklasse Opel hatte es vermasselt.

Technische Daten

Opel Senator 3.0 E
Sechszylindermotor, Reihe, vorn lngs, oben liegende Nockenwelle Hubraum 2968 ccm 132 kW (180 PS) bei 5800/min max. Drehmoment 243 Nm bei 4500/min Viergang-Schaltgetriebe (Fnfgang auf Wunsch) Hinterradantrieb McPherson-Federbeine vorn, Schrglenkerachse hinten Lnge/Breite/Hhe 4811/1728/1415 mm Leergewicht 1370 kg Reifen 195/70 VR 14 Hchstgeschwindigkeit 210 km/h 0-100 km/h in 8,5 s 11,3 l Super/100 km Neupreis (1978) 28.420 Mark

Historie

Frhjahr 1978: Serienanlauf fr Senator und Monza (Debt IAA 1977). Bereits 1981 ein Minifacelift: geschwungeneres Armaturenbrett, innen kein Holzimitat mehr. 2.5 E (136 PS) ersetzt 2.8. 1982: Aus dem Senator A1 wird der A2 mit modifizierter Front und weiteren Retuschen. berarbeitete Technik. 1983: neues Einstiegsmodell 2.0 E mit Vierzylindermotor. 1984: 2,3 Liter-Turbodiesel, ABS als Option. 1986: 3.0 E mit Katalysator und 156 PS. Mrz 1987: Produktionsende.

Plus/Minus

Ein guter Senator, der nicht morsch in den Gelenken ist, kann fahrdynamisch heute noch beeindrucken. Das gilt auch fr den Komfort: Verglichen mit dieser Verwhnfederung, wirkt der zeitgenssische Opel frs Volk, der Rekord, bockig und der vielgelobte Mercedes W 123 schwammig. Und da es auch an Raum nicht fehlt, eignet sich das Opel-Flaggschiff bestens fr coole Youngtimer-Ferien mit der Familie. Nachteile? Die Qualitt war nie wirklich Premium, und auerdem rostet auch ein Senator da, wo Autos aus den Siebzigern bevorzugt rosten. Also berall. Brutales Dauerheizen mag er auch nicht, und selbst im Sonntagsfahrer-Modus geht wenig unter zwlf Liter/100 km.

Ersatzteile

Wer sucht, der findet. Mit anderen Worten: Muss Ersatz her, lsst sich das meiste irgendwo in den Tiefen des Internets, in Kleinanzeigen oder beim Verwerter gnstig auftreiben. Zum Glck auch Bleche fr die klassischen Rostnester wie Federbeindome, Stehbleche und Innenkotflgel. Schwieriger wird es bei den Anbauteilen (vor allem Senator A1) und bei der Innenausstattung, wo gewisse Farben, Rot zum Beispiel, inzwischen den Goldstaub-Status erreicht haben.

Marktlage

Sie wollen viel Auto frs Geld? Dann liegen Sie hier richtig. Wie wr's zum Beispiel mit einem Senator 2.8 von 1980, bestens in Schuss, neuer TV, 86.500 Kilometer, fr 2150 Euro? So was gibt es. Oder einen A1 als 3.0E in der begehrten CD-Vollausstattung: Aus erster Hand und mit 104.500 Kilometern kommt das Prunkstck auf 3750 Euro. Erstaunlich auf jeden Fall, wie viele gepflegte Senator-A-Exemplare noch im Umlauf sind, wobei es preislich zwischen A1 und A2 keinen nennenswerten Unterschied gibt.

Empfehlung

Wie meistens ist die Urversion die reizvollere. Beim Senator heit sie A1 (bis 1982), der mit dem groen Gittergrill und den stilechten Details. Ganz hei ist er in der CD-Version, deren luxurise Aura den Leuten damals den Atem raubte. Klimaanlage serienmig, wo gab es das sonst? Volltreffer sind die verhtschelten Sonntagsfahrerautos, gar nicht ratsam dagegen getunte Senatoren. Zum Glck schossen sich die Freunde bhser Opelz aber auf den Monza ein.

Autor: Wolfgang Knig

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung