Walter Röhrl im Audi Rallye quattro — 08.03.2010
Mit Walter Röhrl am Col de Turini
Walter Röhrl und der Audi Rallye quattro von 1984 treffen sich zum 30. Geburtstag des quattro-Antriebs auf einem heiklen Teilstück der Rallye Monte Carlo. Auf dem Beifahrersitz: AUTO BILD KLASSIK-Redakteur Frank B. Meyer.
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| Technische Daten: | Audi Rallye Quattro A2 |
|---|---|
| Baujahr | 1984 |
| Homologation | Gruppe B |
| Motor | 5-Zylinder-Turbo |
| Hubraum | 2110 ccm |
| Leistung | 265 kW (360 PS) bei7000 U/min |
| Drehmoment | 450 Nm bei 4000 U/min |
| Radstand | 2524 mm |
| Gesamtlänge | 4404 mm |
| Gewicht | 1000-1100 kg |
| 0-100 km/h | 4,2 s |
| Verbrauch | 47 l/ 100 km (im Wettbewerb) |
| Bauzeit | 1983-1984 |
Aufpassen beim Untersteuern
Oha. Das höre ich nicht gern. Es kommt aber noch schlimmer: "Bei dem Rallye Quattro musst du halt aufpassen mit der Lenkerei. Dadurch, dass er kein Mitteldifferenzial hat, hat er zwar eine bewundernswerte Traktion, aber für Kurven ist das nicht so gut. Macht nix, wenn du quer gehst, aber beim Untersteuern musst aufpassen, sonst kann die Rallye gleich vorbei sein." Mein Fünfpunktgurt sitzt inzwischen fest, der Audi Rallye Quattro A2, so die interne Bezeichnung, rollt schon mit Motorgetöse, bellendem Auspuff und dröhnender Karosserie los. Jetzt hänge ich mit drin. Und hoffe, dass Walter Röhrl mit dem schwierigen Motor und dem schwierigen Allrad klarkommt.
Rechts die Felswand, links der Abgrund
Gibt er schon hundert Prozent?
Aber wieso? Der zweifache Rallyeweltmeister scheint den Wagen doch kontrollieren zu können. Ja, er fährt flott die Straße hinunter, das Heck schert immer mal wieder aus, zumal auf den Eisflächen, aber ich fühle mich sehr sicher. Zu sicher vielleicht. Er gibt doch nicht hundert Prozent, denke ich, ja, da ist immer wieder Schneematsch und Eis, aber ich muss nicht nach Luft schnappen, wie ich es erwartet hatte. Röhrl mag seine Gründe haben, will mich oder das Auto nicht gefährden – aber ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Drei Kilometer weiter unten wendet er. Drückt auf seine Stoppuhr. Und tritt aufs Gas! Die Karre schießt krachend bergauf, dröhnt, bräääht, schwänzelt auf dem Schneematsch.
Der Kindergeburtstag ist vorbei!
Walter knallt die Gänge rein, als wollte er das Getriebe und meinen Rücken zerstören. Ahaah, jetzt ist der Kindergeburtstag also vorbei. Achtung, Kehre! Aaachtu – schon vorbei. Heidewitzka, wie er da hindurchknallt! Nächste Kehre. Er weiß schon, dass hinter der Schneewand nur Beton oder der Abgrund wartet, oder? Himmisakra, der Mann lenkt und schaltet schneller als sein Schatten. Pröööm, knall, pröööm, knall – das Spektakel ist vor allem eins: schnell. Dreimal so schnell wie vorhin oder 38-mal so schnell, ich weiß es nicht. 20 Meter nach der Kurve kommt der Ladedruck? Ha! Auf den Zentimeter genau scheint er den trockenen Asphalt abzupassen, um Vollgas zu geben, und wir schießen auf den nächsten Abgrund zu.
| Rallye-Kurzbiografie: | Walter Röhrl |
|---|---|
| Geburtsdatum | 7. März 1947 |
| Geburtsort | Regensburg |
| Rallyes | 75 |
| Aktive Jahre | 1973-1987 |
| Teams | Fiat, Opel, Lancia, Audi |
| Meisterschaften | 1980/ 1982 |
| Siege | 14 |
| Podiumsplätze | 31 |
| Etappensiege | 420 |
| Gesamtpunkte | 494 |
| Erste Rallye | Akropolis-Rallye 1975 |
| Erster Sieg | Akropolis-Rallye 1975 |
| Letzter Sieg | Rallye San Remo 1985 |
| Letzte Rallye | Akropolis-Rallye 1987 |
Aber dann diese S-Kurve
135 km/h erreichen wir am schnellsten Punkt, irrsinnig auf dieser Strecke ohne Geraden. Schneematsch, quer gehen, Wasser, vorwärts, auf Schnee den Audi zusammenbremsen – Walter Röhrl kriegt das hin, fängt die schleudernden 1100 Kilo schneller wieder ein, als ich "schleu..." denken kann. Und der Mann ist Jahrgang 1947. Aber dann kommt diese S-Kurve. Erst links, wahrscheinlich ist er da 1,62 km/h zu schnell, dann beim Drift in die Rechtskurve rutscht das Heck Richtung Felswand – ganz leicht platscht der bauchige, teure Kevlar-Kotflügel hinten links gegen die verschneite Wand. Sekundenbruchteile später sind wir schon weit, weit weg.
Kleine Fehler ärgern den Perfektionisten
Später wird er von einer Situation auf der Monte erzählen, die genau gleich ablief, und nachsetzen: "Das ärgert mich als Perfektionist. Da beginnt die innere Bestrafung: du Arschloch, sage ich zu mir." Mit Pröööm und Knall und Kraweeehl ballert Röhrl das letzte Stück, noch einmal schlingert der Rallye Quattro, dass ich puste wie bei Presswehen, dann schießen wir im Rechtsdrift auf den Parkplatz, auf Rentner in Wanderkleidung zu, die erstarren. In ihren weit aufgerissenen Augen spiegelt sich innerhalb einer Sekunde ihr gesamtes Leben. Walter Röhrl drückt die Stoppuhr und sagt: "Zwei Minuten zwanzig. Sieben Sekunden langsamer als gestern, wo's trocken war."Kommentar verfassen
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Kommentare zum Artikel (7)
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Richtig ist es gab wesentlich erfolgreichere Marken als Audi in der Gruppe B.
Richtig ist aber auch das einzig Audi in dieser Zeit ein Auto einsetzte welches auch für die Straße gebaut wurde.
Oder hat schon mal jemand einen Peugeot Kleinwagen mit Gitterrohrrahmen, Kunstoffkarosse und Turbogeladenem Mittelmotor gesehen ?
Diese Philosophie wurde Audi zum Nachteil, aber ist ein der Grund dafür das diese Autos auch heute noch so beliebt und begehrt sind.
Besonders geil ist der Martini-Porsche Rennanzug
@checker: Die WRC faehrt Gruppe A....
Sie meinen wohl Gruppe B.
@mal ehrlich: Richtig, aber Sie wissen schon, dass Sie hier bei Autostupid sind?
Hier werden nur einheimische Hersteller in allen Toenen gelobt, aber doch keine auslaendischen, oder gar Italienischen.
Ich halte es da wie Top Gear: Best carmaker of all times ever: Lancia.
Ich bin stolz einen zu besitzen.
Wann kommt mal ein Rallye-Bericht über die WIRKLICH erfolgreichen Rallye-Autos und -Fahrer? Mal im Ernst: Walter Röhrl war gerade mal 2x Weltmeister und nie mit Audi. Audi war nur zweimal Markenweltmeister. Sie konnten nur für kurze Zeit den Allrad zu ihrem Vorteil nutzen, dann zogen die anderen nach und waren viel erfolgreicher.
Was ist mit Lancia beispielsweise? 6x Markenweltmeister in Folge (10x insgesamt seit 1979). Tommi Mäkinen war 4x Weltmeister in Folge auf Mitsubishi. Sogar Toyota oder Subaru waren erfolgreicher als Audi.
Danke für den SUPER Bericht. Walter Röhrl ist doch der Beste und die Umschreibung der Fahrt - super. Einfach herrlich so etwas emotionales in einem deutschen Automagazin zu lesen - leider viel zu selten....