Zu Besuch bei Horst Lichter

Horst Lichters heiße Öfen Horst Lichters heiße Öfen

Zu Besuch bei Horst Lichter

— 07.09.2007

Horsts heiße Öfen

Sammler, Autonarr, Gastronom, Genießer. Horst Lichter ist von allem etwas – vor allem aber ein Verfechter guten Geschmacks. AUTO BILD hat den quirligen Fernsehkoch in seinem Oldie-Restaurant besucht.

"Grüß Dich, ich bin der Horst." Die Begegnung mit dem Chef fällt so rheinisch-herzlich aus, dass sensible Naturen das Duzen auf nüchternen Magen erst mal verdauen müssen. Das Lokal in Rommerskirchen-Butzheim, eine knappe Autostunde von Köln entfernt, ist nichts für Menschen mit Berührungsängsten. Dafür aber eine der heißesten Adressen, wenn es um Gastronomie der besonderen Art geht. Der Horst, Nachname Lichter, hat es mit seiner direkten, fröhlichen Art, seinem schelmischen Grinsen und seinen Markenzeichen – Zwirbelbart, runde Brille – zu einem der bekanntesten Fernsehköche Deutschlands gebracht. Der Horst bruzzelt bei Talkmaster Kerner. Der Horst schmort mit Kollege Lafer. Der Horst gibt seinen Senf dazu, auch wenn es gar nicht ums Kochen geht, etwa als Promigast bei Günther Jauchs Millionenquiz.

Der Starkoch muss echt und erdnah sein 

Nicht nur in der Küche leidenschaftlich: Horst Lichter sammelt auch aus Leidenschaft abgenutzte Jaguar E-Type aus Kindertagen.

Natürlich profitiert er davon, dass Kochsendungen gerade einen nie gekannten Boom erleben, dass um junge wilde TV-Küchenmeister wie Tim Mälzer oder Steffen Henssler ein Personenkult wie bei Popstars betrieben wird. Der Grund dafür? Es sei die Sehnsucht des Publikums nach dem Echten, sagte Steffen Henssler jüngst dem "Spiegel". In einer Zeit voller falscher Fassaden und virtueller Welten müsse der Starkoch die Personifikation des Echten, Erdnahen sein. So gesehen, erfüllt der Horst alle Voraussetzungen, um auf einen absoluten Spitzenplatz zu kommen. Wer Lichters Laden in Butzheim besucht, wird geradezu erschlagen vor Echtheit. Jeden Gast begrüßt der Horst persönlich, jedem vermittelt er das Gefühl, Teil des großen Ganzen zu sein. Dazu gehört, dass es weder genaue Preise noch gedruckte Speisekarten gibt. Wer danach verlangt, dem schickt die Bedienung "den Hotte" vorbei, der dann über seine Gerichte referiert und bereitwillig Fragen zur ungewöhnlichen Umgebung beantwortet. Viele Gäste sind geradezu geschockt vom Sammelsurium in Lichters Oldiethek, die eine eigenwillige Mischung ist aus Restaurant und Trödelladen, Tanzsaal und Ersatzteillager, Café und Antiquariat. Hier hängen Hirschgeweihe neben Trockenhauben, Paddelboote neben Plüschfiguren, Kurbelwellen neben Kuckucksuhren. Und mittendrin immer wieder Andenken und Bilder des rennfahrenden Grafen Berghe von Trips, dessen glühender Verehrer der Fernsehkoch ist.

"Ich bin dabei, mir meine Jugendträume zu erfüllen"

Seine Oldiethek hat er in 17 Jahren mit all dem ausstaffiert, was ihn irgendwann irgendwie mal bewegt hat. Die Gäste lieben das Durcheinander. Sie merken, dass alles irgendwie echt ist und nicht kalt inszeniert. "Jedes Ding erzählt eine Geschichte", sagt Horst. "Im Grunde hängt hier mein ganzes Leben." Und das ist voller Pferdestärken. Mehr als 100 Autos hat der 45-Jährige schon besessen. Simca Rallye, VW Käfer, Opel Diplomat, Mercedes Strichacht, Ford Capri, Porsche 911, Porsche Turbo, Jaguar D-Type und so weiter, fast alles war dabei. Dazu kamen diverse Motorräder wie MV Agusta, Royal Enfield und Egli-Honda. Heute pendelt Lichters automobile Leidenschaft irgendwo zwischen Setra-Bus und Ferrari F430 Spyder – Hauptsache, es bewegt sich. Das war schon in der Kindheit so, als der kleine Horst stapelweise Autozeitungen hortete und neidisch dem Ford Consul des Nachbarn hinterherschaute, weil der Papa bloß ein Goggomobil besaß. "Als ich dann älter war, ging es nur noch um zwei Dinge", erzählt Lichter. "Erstens: Wie komme ich an ein Mädchen ran? Und zweitens: Wie komme ich an ein Moped ran?" Das mit den Mädchen ergab sich irgendwie. Die Geschichte mit der feuerroten Hercules Ultra hingegen verlief geradezu tragisch. Zum 16. Geburtstag würde er eine bekommen, hatte Horst allen seinen Kumpels erzählt. Doch das Geld der Eltern reichte nicht. Statt des 100 km/h schnellen, 3640 Mark teuren Kleinkraftrads gab es ein Yamaha-Mokick, das jämmerliche 40 Spitze schaffte. Heute steht zwischen einer ausrangierten ZDF-Fernsehkamera und einigen alten Rechenmaschinen die rote Hercules – toprestauriert. "Ich bin dabei, mir meine Jugendträume zu erfüllen", sagt Horst. Fahren würde er die flotte 50er nie und nimmer. "Dann wäre ja der Traum im Eimer."

Autor: Matthias Moetsch

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.