1000-Euro-Challenge: Volvo 66
Was bringt der Volvo 66 in der 1000-Euro-Challenge?
– Oldtimer gibt es bereits für 1000 Euro, aber was taugen sie? Vier AUTO BILD KLASSIK-Redakteure haben die Challenge angenommen und machen den Selbsttest mit je einem Billig-Klassiker. Der älteste, ein Volvo 66 vom Baujahr 1978, kommt bisher gut mit.
Bild: Christoph Boerries
Die 1000-Euro-Challenge ist eine neue Disziplin, erfunden von den Kollegen von AUTO BILD KLASSIK. Sie soll die Frage beantworten: Lohnt es sich, einen Billig-Klassiker zu erwerben und fit zu machen – oder muss man zwangsläufig Schiffbruch erleiden, zahlt man also drauf?
Vier Kandidaten buhlen um den Sieg: Das sind ein Saab 9-3, genannt SAABine, außerdem ein Audi 80 und ein Citroen AX. Das Quartett wird komplett durch den Volvo 66 vom Kollegen Malte Büttner – der Schwede, eigentlich ein Niederländer (bei DAF gefertigt), ist mit aktuell 46 Lenzen der Senior der Challenge. Von der Abstammung her handelt es sich um einen DAF: Im Auftrag von Volvo wurde der Kleinwagen von 1975 bis 1979 in den Niederlanden gebaut.
Ungleicher Straßen-Kampf?
Mit seinen 45 PS und der kraftraubenden Variomatik muss sich der kleine Volvo anstrengen, um mitzuhalten. Das wird auch vom stark ansteigenden Verbrauch ab Tempo 115 belegt. Die eingetragene Spitze beträgt 135 km/h. Und daher gibt er auch das Tempo vor: Bei 110 km/h sind sein Renault-Vierzylinder und die DAF-Variomatic in einem auch geräuschmäßig vertretbaren Einklang.

Volvo führt – zumindest in unserem Gruppenbild der "1000-Euro-Challenge". Bei der Langstreckenfahrt landete der älteste Teilnehmer der Challenge immerhin auf dem 2. Platz
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Ein Kleinwagen, dessen Grundzüge bis in die 60er-Jahre zurückreichen, im Duell mit drei deutlich neueren, zweimal viel größeren und stärkeren Kontrahenten – der Kollege überlegte zwischenzeitlich, sich krankzumelden. Gut, allererste Wahl für Autobahn-Fernreisen ist der kleine Volvo nicht, aber sie sind durchaus möglich, wenn man es nicht eilig hat.
Bei Ampelsprints hellwach
Die Zuverlässigkeit? Dank guter Wartung ohne jeden Tadel. Angenehm fallen die bequemen Sitze aus dem Volvo 240 auf. Auch der für ein kleines Auto großzügige und lichtdurchflutete Innenraum überzeugen. Ebenso die breiten Sessel aus dem Volvo 240 und der sanftmütige Abrollkomfort.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Auf Landstraßen und im Stadtverkehr benimmt sich der kleine Niederländer fantastisch. Bei Ampelsprints ist er immer wieder für Überraschungserfolge gut, und bei Tempo 100 mit offenem Schiebedach stellst du den Sinn aller größeren Autos per se in Frage. Da überzeugt er.
Aber Autobahn? Das ist nicht sein Revier. Dafür ist der 1,1-Liter zu schwachbrüstig, dafür lässt ihn die stufenlose Variomatik zu hoch drehen, dafür waren Aerodynamikideen damals noch zu fern. Als Langsamster darf er innerhalb der Challenge immerhin das Tempo vorgeben. 110 Sachen fühlen sich gesund an. So summt der kleine Volvo die ersten 200 Kilometer von Bremen bis an den Rand des Harzes friedlich dahin.

Der kleine Volvo gibt das Tempo vor: Bei 110 km/h fühlt er sich am wohlsten, auch wenn als Höchstgeschwindigkeit immerhin 130 km/h möglich sind.
Bild: Christoph Boerries
Viele Tankstopps notwendig
Da der Tankgeber sich nach 16 Jahren Standzeit nur mühsam wieder ins Arbeitsleben eingliedert und es keinen Tageskilometerzähler gibt, rollt er öfter an die Säule. Praktisch: Da der Einfüllstutzen mittig unterm hinteren Kennzeichen sitzt, ist es egal, von welcher Seite man an die Tränke rollt.
6,7 Liter Verbrauch und keine Rückenschmerzen dank großer, breiter Sessel stimmen den Fahrer optimistisch. In den Kasseler Bergen wird der 66 mit mindestens 80 km/h auch nicht zum Verkehrshindernis, auch wenn Kollege Andreas May seine SAABine mehrmals mit pfeifendem Turbo souverän vorbeiziehen lässt.

Malte Büttner am Steuer des kleinen Volvo
Bild: Christoph Boerries
Am Radio muss gedreht werden
Volvo Motto lautet "Reisen statt rasen", die linke Spur war noch nie so weit weg. Das niedrige Tempo ermöglicht es zudem, sich mehr auf das Radio zu konzentrieren. Einen automatischen Sendersuchlauf gab es 1978 noch nicht, da muss gedreht und gehorcht werden. Die niederländische Firma DAF setzte konsequent und fast ausschließlich auf die stufenlose Automatik. Mit der Übernahme durch Volvo änderte sich nicht viel mehr als der Name. Das minimalistische Stadtautokonzept blieb.
Einfach gehalten sind auch die Instrumente. Nach dem Ausfall eines Teilnehmers (wer, wird noch nicht verraten!) steigt dessen Fahrer zu und übernimmt kurzerhand das Steuer – Kollege Büttner beschließt kurzerhand, dass Schleichen und Schlafen eine verführerische Kombination ist und rollt sich auf dem Beifahrersitz zusammen. Als er ein paar Hundert Kilometer später beim nächsten Tankstopp aufwacht, muss er aber dafür bluten. Denn sein Chauffeur hatte einen schweren Fuß, schwärmt unentwegt von der ungeahnten Dynamik, die im 66 schlummert, und hat die 130 fast nur von oben gesehen.

Badge Engineering: Der Volvo 66 ist eigentlich kein echter Schwede, er wurde bei DAF in den Niederlanden gebaut.
Bild: Christoph Boerries
Der Volvo macht uns glücklich
Das Resultat: Er hat im Mittel 8,7 Liter verbraucht und den Durchschnittsverbrauch damit über die gesamte Distanz auf 7,4 Liter hochgetrieben. Damit markiert der Volvo den letzten Platz im Quartett. Der Wagen selbst steckt die Hatz völlig problemlos weg. Der Ölverbrauch ist kaum messbar, der Renault-Motor näselt abends vorm Hotel, an der Grenze nach Österreich, glücklicher vor sich hin als je zuvor.
Am Ende hat der 66 gezeigt, dass es die scheinbar selbstverständlichen Dinge sind, die bei einem Oldtimer glücklich machen. Unbedingte Zuverlässigkeit und keine thermischen Probleme. Das macht so entspannt, dass das langsame Rollen nicht mehr stört. Das bringt ihn in der Teildisziplin "Langstrecke" auf einen überraschenden 2. Platz!
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